Mein ist künftig diese Hand
1Mein ist künftig diese Hand,
Und der hohen Zeder Saum,
Deren luft'ge Höhe mich,
Aus der Wurzel hat gerissen.
2Keinen Sänger, keinen Wein
Braucht es, heb' den Schleier auf,
Deines Angesichtes Glut
Machet mich wie Sphären tanzen.
3Nur dasjenige Gesicht
Ist des Glückes Spiegelwand,
Das gerieben ward am Staub,
Von dem Hufe dieses Pferdes.
4Dein Geheimnis habe ich
Aller Welt gesagt, nun sprich,
Was du willst, unmöglich kann
Länger die Geduld mir dauern.
5Bring mir diesen Moschushirsch,
Jäger bring mir ihn nicht um,
Schäm' vor seinem schwarzen Aug,
Schäme dich ihn anzubinden.
6Ich bin nicht imstand, den Staub
Aufzuheben von der Tür',
Ach! wie könnte ich den Staub
Dieses Prachtpalastes küssen.
7Wird Hafisens süßes Lied,
Zu dem Saitenspiel gehöret,
So verlieret selbst Kemal
In Chadschend den Mut zu singen.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.