Seht! wie der Morgen lacht
1Seht! wie der Morgen lacht!
O reich't statt der Sonne den Becher!
Jetzt ist die Zeit! o reichet den Wein her!
2Einsam im Haus! Ein freundlicher
Schenk, ein lieblicher Sänger!
Tage der Lust, des Bechers, der Jugend!
3Unser Gemüt zu erfreuen, und die Schönheit
Des Festes zu schmücken,
Ziemen zum Gold nur geschmolzne Rubinen?
4Liebling und Sänger reichen die Hand,
Die Trunkenen tanzen,
Schenkengekos macht schlaflos die Trinker.
5Wir sind allein, und sicher ists hier
Im Zirkel der Trauten,
Offen sind nur die Tore der Wollust.
6Kundig der Anmut des Weins
Verbarg die Natur, die gewandte,
Rosenwasser ins Tiefste der Blätter,
7Seit daß meinem Mond
Die Perlen Hafisens gefallen,
Horchet selbst Suhre den Tönen der Laute.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.