Steh' auf, wir wollen das Ordenskleid

1Steh' auf, wir wollen das Ordenskleid
Zur Schenke tragen.
Wir wollen heiliges Gaukelspiel
Zu Markte tragen.

2Die Ohren habe ich mir verstopft
Vor aller Predigt,
Wie lang' ihr Prediger wollt ihr noch
Die Schande tragen?

3Daß alle Frommen das Glas zugleich
Zum Trunk ergreifen,
Laßt uns die Leiern in der Früh
Zum Wirte tragen.

4Zum Zehrungsgeld für Betrunkene,
Für Kalendere,
Laßt uns zum Käufer das Ordenskleid,
Den Teppich tragen!

5Und werden Dornen von Frommen uns
In Weg geleget,
Belohnen wollen mit Rosen wir
Solch ein Betragen.

6Vor unserem wollenen Kleide selbst
Ist's eine Schande,
Wenn wir mit ähnlichem Sinn den Ruhm
Der Tugend tragen.

7Wer nicht den Wert der Zeit erkennt,
Sie nicht benützet,
Wird über ihre Verwendung einst
Viel Reue tragen.

8Vom hohen Dache des Himmels stürzt
Das Unglück nieder,
Wir wollen sicherheitshalb sogleich
Zur Schenk' uns tragen.

9Wie lange werden wir in dem Feld
Der Lust noch irren,
Vielleicht gelingt es mit Fragen, uns
Davon zu tragen.

10Vermög' des Bundes, den ich mit dir
In Ruh' geschlossen,
Werd' ich wie Moses in's heil'ge Land
Einst übertragen.

11Ich will die Pauke von deinem Ruhm
Im Himmel schlagen,
Ich will der Liebe Panier bis an
Die Sterne tragen.

12Im Felde des Jüngsten Gerichts wird einst
Der Staub der Füße
Auf allen Scheiteln als Kronenzier
Und Schmuck getragen.

13Hafis! verschwende nicht Wangenglanz
An allen Türen,
Viel besser ist's zum Herren der Rat
Ihn hinzutragen.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.