Solang dein Schatten auf den Kopf mir fällt
1Solang dein Schatten auf den Kopf mir fällt,
Bin ich der Diener, bin ich der Sklav' des Glücks.
2Schon manche Jahre sah' ich nicht das Glück,
Mit deinem Hochgenuß kam es zu mir.
3Kein Mensch wird auf der Welt mich wachend sehn,
Wenn mir gewiß dein Bild im Traum' erscheint.
4Unendlich lang' leb' ich mit deinem Schmerz,
Doch ohne Dich nicht einen Augenblick.
5Kein Arzt hat Mittel wider meinen Gram,
Ich bin nur durch den Freund gesund und krank.
6Du sprachst, verweile nicht in meinem Gau,
Ich gehe deinetwegen nicht vorbei.
7Ein jeder dient dem Schah und dem Wesir.
Der Kleinste von des Sultans Sklaven ist Hafis.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.