44. Sure: Der Rauch

1Der Herr des Himmels und der Erde
Und was inzwischen beiden,
Wenn ihr es recht erkennetet,

2Kein Gott als Er, der leben macht und sterben,
Er euer Herr und Herr all eurer Väter weiland.

3Doch zweifelmüthig scherzen sie.

4Du harre Tages wo der Himmel
Aufgeht in Rauche sichtbar,

Anmerkung Rückerts: Vers 9 Der Rauch wird als Vorbote des jüngsten Tags gedacht. Aber auch in der siebenjährigen Hungersnoth über Mekka soll ein solcher Rauch gewesen seyn.

5Der deckt die Menschen, das ist Strafe peinlich.

6»Herr, nimm uns ab die Strafe! wir sind gläubig!«

7Woher nun ihnen die Erinnrung?
Da vorlängst ihnen kam ein Bote sichtbar.

Anmerkung Rückerts: Vers 12 Woher nun 'annā was soll (hilft) nun ihnen. Vergl. 89,24.

8Sie aber wandten sich von ihm und sprachen:
Ein angelernter ein besessner!

9Wir nehmen ab die Straf' ein wenig;
Da thut ihrs wieder.

10Tags wo wir schlagen den großen Schlag,
Da werden wir uns rächen.

Anmerkung Rückerts: Vers 15 Der große Schlag ist ebenso doppelgültig: Der jüngste Tag und die Schlacht von Bedr.

11Wir prüfeten vor ihnen auch das Volk von Farao,
Und ihnen kam ein werther Bote:

12»Gebt mir heraus die Knechte Gottes!
Ich bin euch ein bewährter Bote.

13Und daß ihr euch nicht wider Gott erhebet!
Ich komm' an euch mit offner Vollmacht.

14Um Zuflucht geh' ich meinen Herrn an!
Und euren Herren, daß ihr mich nicht steiniget!

15Und wenn ihr mir nicht glaubt, so laßt mich gehn.«

16Da rief er seinen Herrn an:
Diese sind Leute sündhaft. –

17»So reise Nachts mit meinen Knechten!
Ihr werdet seyn verfolget.

Anmerkung Rückerts: Vers 22 Die Flucht aus Ägypten als Vorbild der Flucht oder Auswanderung des Profeten und seiner Gläubigen. Mit Farao mag irgendein namhafter von Mohammeds Feinden gemeint seyn.

18Laß hinter dir das Meer gemach!
Sie sind ein Heer Ersäufter.«

19Was ließen sie nicht hinter sich an Gärten und an Quellen!

20Saatfeld und werthen Aufenthalt,

21Und Wohlstand, darin sie sich freuten!

22So nun, zum Erbe gaben wir es andern.

23Und nicht geweint hat über sie der Himmel und die Erde,
Und man hat nicht auf sie gewartet.

24Wir aber retteten die Söhne Israels
Von der schmachvollen Strafe,

25Von Farao, denn er war hochmüthig unter den Frevlern.

Text: Friedrich Rückert († 1866), Koran-Übertragung, gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE. Hinweis: Auswahl, keine Vollübersetzung — der vollständige Text steht unter Der Koran.