Aus der 29. Sure Die Spinne

Anmerkung Rückerts: Überschrift Abgekürzt, versuchsweise die Einschiebselchen Gemeinplätze etc. ausgeworfen.

1Wie? meinen denn die Menschen, so
Zu bleiben, daß sie sagen nur:
Wir glauben! ohne daß geprüft sie würden?

2Wir haben auch geprüfet die vor ihnen;
Und Gott kennt wohl, die wahrhaft reden,
Und kennet wohl die Lügner.

3Wie oder meinen, die da thun
Das Üble, daß sie uns voreilen?
Wie übel ist ihr Urtheil!

4Wer zu erscheinen hofft vor Gott;
Fürwahr, die Frist von Gott kommt;
Er ist der Hörer und der Wisser.

5Und wer den heiligen Kampf kämpft,
Der kämpft ihn seiner eignen Seele;
Denn Gott ist unbedürftig aller Wesen.

6Doch von den Menschen mancher spricht: Ich glaub' an Gott;
Doch wenn er wird bedrängt um Gott,
So setzt er die Versuchung
Der Menschen gleich der Strafe Gottes.
Kommt Hilfe dann von deinem Herren,
So sagen sie: Wir sind mit euch! –
Wie? weiß nicht Gott am besten,
Was in der Menschen Herzen ist?

7Wohl kennet Gott die so da glauben,
Und kennet wohl die Heuchler.

8Es sprechen aber, die da leugnen,
Zu denen die da glauben:
Folgt unserm Wege nur, und tragen
Wollen wir eure Sünden.
Aber sie werden tragen nichts
Von ihren Sünden; sie sind Lügner.

9Sie werden tragen ihr Gewicht
Und anderes Gewicht zu ihrem
Gewicht, und werden seyn befragt
Am Tag der Auferstehung
Um das was sie gedichtet.

10Die aber, die da glauben und das Gute thun,
Abnehmen werden denen wir ihr Böses,
Und sie belohnen für das Beßre das sie thaten.

Anmerkung Rückerts: Vers 7 Parallele 31,13.14.

11Wir haben anbefohlen auch
Dem Menschen gegen seine Eltern Schönes;
Doch, fechten sie dich an, daß du
Abgöttisch mir gesellen sollest,
Was du nicht kennst: folg' ihnen nicht!
Zu mir ist eure Rückkehr,
Da werd' ich euch ansagen, was ihr thatet.

12Wir sandten Noe an sein Volk; er weilte
Bei ihnen tausend Jahre, weniger fünfzig.
Da faßte sie die Flut, indem sie sündigten.

13Da retteten wir ihn und die Genossen
Des Schiffs, und machten dieses
Zu einem Zeichen für die Welt.

14Auch Abraham, als er sprach zu seinem Volke:
Dient Gott und fürchtet ihn! das ist
Euch besser, wenn ihrs wisset.

15Ihr dienet außer Gott nur Bildern
Und schaffet Lug; fürwahr, die, denen
Ihr dienet außer Gott, vermögen
Euch nicht zu geben Unterhalt.
Und dient ihm und seid dankbar ihm!
Zu ihm kehrt ihr zurücke.

16Er strafet wen er will,
Und ist barmherzig wem er will;
Und zu ihm müßt ihr wandern.

17Ihr hindert nichts auf Erden noch im Himmel;
Und außer Gott ist euch kein Schutzherr und kein Helfer.

18Da war die Antwort seines Volks
Nur daß sie sagten: Tödtet ihn oder verbrennt ihn!
Da rettete Gott ihn vom Feuer.
Darin fürwahr sind Zeichen für die Gläubigen.

19Er sprach: Ihr nahmet außer Gott an Bilder,
Aus Liebe nur zu euerem
Verein im Erdenleben,
Allein am Tag der Auferstehung werdet ihr
Verleugnen einer den andern,
Und fluchen einer dem andern,
Und eure Einkehr ist die Glut,
Ihr findet keine Helfer.

20Ihm aber glaubte Loth, und sprach:
Ja, ich bin ein Auswanderer
Zu meinem Herren, denn ja Er
Ist der Allmächtige, der Allweise.

Anmerkung Rückerts: Vers 25 Ein Auswanderer absichtliche Bezeichnung.

21Das Gleichnis derer, die sie machen neben Gott zu Schutzherrrn,
Ist wie die Spinne, die sich macht ein Haus; fürwahr
Das schwächste aller Häuser ist
Das Haus der Spinne, wenn sie's wüßten!

22Gott aber weiß, was sie anrufen neben ihm,
Und Er ist der Allmächtige Allweise.

23Wir prägen diese Gleichnisse den Menschen,
Und sie verstehn nur kundige.

24Du trage vor was dir eröffnet wird vom Buch,
Und halte das Gebet recht!
Denn das Gebet wehrt ab von Unzucht und von Unfug,
Doch Gottes Denken ist noch größer;
Und Gott weiß was ihr wirket.

25Bestreitet nicht das Volk der Schrift,
Als nur mit schönem Glimpfe
(Die ausgenommen die von ihnen freveln),
Und sprechet nur: Wir glauben
An das was kam herab auf uns,
Und das was kam herab auf euch,
Und unser Gott und euer Gott ist Einer,
Und wir sind ihm Ergebne.

26So sendeten wir dir das Buch hernieder;
Und jene denen wir das Buch einst gaben,
Die glauben dran; von diesen aber
Glaubt mancher dran, und unsre Zeichen
Verleugnen nur die Gottesleugner.

27O meine Diener, die da glauben,
Raum hat noch meine Erde,
O dient mir nur!

Anmerkung Rückerts: Vers 56 Trost für die Auswanderer.

28Den Tod muß schmecken jedes Leben,
Dann seid ihr uns zurückgebracht.

29Doch denen die da glauben und das Gute thun,
Räumen wir ein zum Aufenthalt
Vom Garten einen Söller,
Darunter hin die Ströme fließen;
Geewigt sind sie drinnen,
O schöner Lohn der Wirkenden!

30Die in Geduld ausharren und
Auf ihren Herrn vertrauen.

31Wie manch Geschöpf auch, das nicht seinen Unterhalt
Erwirbt, Gott unterhält es
Und euch; Er ist der Hörer und der Wisser.

32Doch dieses Erdenleben ist
Ein Schemen und ein Schaum nur,
Die Wohnung dort die ist das Leben
Das wahre, wenn ihr's wüßtet.

33Wenn sie zu Schiffe fahren, rufen sie zu Gott,
Lauteren Dienst ihm weihend,
Doch hat er sie ans Land gerettet,
So dienen sie den Götzen.

34O sehn sie nicht, wir machten
Ein befriedetes Heiligthum,
Indeß hinweg geraffet werden
Die Menschen rings um sie.
Wollen sie doch ans Eitle glauben
Und Gottes Huld verleugnen?

Anmerkung Rückerts: Vers 67 ein befriedetes Heiligthum wie 28,57. Gleiche Situation.

35Doch wer ist frevelhafter
Als wer auf Gott erdichtet Lug,
Oder die Wahrheit Lügen zeiht,
Nachdem sie ihm erschienen?
Ha ist wol in Gehenna nicht
Ein Wohnplatz für die Leugner?

36Die aber welche kämpfen
Für uns, die führen wir auch unsre Wege,
Und Gott ist mit den Tugendsamen.

Text: Friedrich Rückert († 1866), Koran-Übertragung, gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE. Hinweis: Auswahl, keine Vollübersetzung — der vollständige Text steht unter Der Koran.