Arachin — Blatt 15a

1Vielmehr, erwiderte R. Zee͑ra, wenn zwei [ein Weib] beschlafen würden, einer auf widernatürliche Weise und einer auf natürliche Weise, würde man sagen: wieso sollte, der eine bescholtene beschlafen hat, fünfzig [zahlen], und der eine intakte beschlafen hat, ebenfalls fünfzig [zahlen]!?

2Abajje sprach zu ihm: Ebenso kann man ja auch hinsichtlich eines Sklaven sagen: wieso für einen gesunden Sklaven dreißig und für einen grindigen Sklaven ebenfalls dreißig!?

3Vielmehr, erwiderte Abajje, die Schrift sagt: weil er sie geschwächt; demnach gibt es außerdem noch Beschämung und Wertminderung.

4Raba erwiderte: Die Schrift sagt: so gebe der Mann, der bei ihr gelegen hat; die fünfzig für den Genuß des Liegens, demnach gibt es noch außerdem andere Dinge, nämlich Beschämung und Wertminderung.

5WIESO ERLEICHTERUNG UND ERSCHWERUNG BEIM VERLEUMDER? WER EINE ÜBLE NACHREDE AUSBRINGT ÜBER DIE VORNEHMSTE AUS EINEM PRIESTERHAUSE ODER ÜBER DIE GERINGSTE AUS EINEM JISRAÉLITENHAUSE, ZAHLE HUNDERT SELA͑.

6ES ERGIBT SICH ALSO, DASS DAS SPRECHEN MIT DEM MUNDE SCHWERER IST ALS DIE AUSÜBUNG EINER TAT. SO FINDEN WIR AUCH, DASS DAS VERHÄNGNIS ÜBER UNSRE VORFAHREN IN DER WÜSTE ERST WEGEN DER VERLEUMDUNG BESIEGELT WURDE, DENN ES HEISST: und sie versuchten mich nun zehnmal &c.

7GEMARA. Woher dies, vielleicht aus dem Grunde, weil er ihren Tod herbeiführen wollte, denn es heißt: wenn aber die Sache wahr ist &c., so führe man die Jungfrau hinaus &c.!?

8Raba erwiderte: Die Schrift sagt: denn er hat einen bösen Ruf ausgebracht, wegen des bösen Rufes, den er ausgebracht hat.

9SO FINDEN WIR AUCH, DASS DAS VERHÄNGNIS &C. BESIEGELT WURDE. Woher dies, vielleicht deshalb, weil ihr Maß noch nicht voll war!? R. Hamnuna sagte nämlich: Der Heilige, gepriesen sei er, übt Vergeltung an einem Menschen erst dann, wenn sein Maß voll ist, denn es heißt: wenn sein Genüge voll ist, trifft ihn die Not.

10Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt: sie versuchten mich nun zehnmal, wegen dieses Males ist das Verhängnis besiegelt worden.

11Es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. Proto sagte: Komm und sieh, wie groß die Kraft der Verleumdung ist. Woher dies? Von den Kundschaftern: wenn es dem, der über Holz und Stein eine üble Nachrede ausbringt, so ergeht, um wieviel mehr dem, der eine üble Nachrede über seinen Nächsten ausbringt. —

12Woher dies, vielleicht wegen der Lehre des R. Ḥanina b. Papa!? R. Ḥanina b. Papa sagte nämlich: Ein starkes Wort sprachen die Kundschafter in jener Stunde. Es heißt: denn er ist stärker als wir, und man lese nicht: (denn er ist stärker) als wir, sondern als er; der Hausherr kann, als ob dies denkbar wäre, seine Geräte von dort nicht holen. —

13Vielmehr, sagte Rabba im Namen des Reš Laqiš, die Schrift sagt: und es starben die Männer, die das üble Gerücht über das Land ausgebracht, wegen des üblen Gerüchtes, das sie über das Land ausgebracht.

14Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Zehn Versuchungen sind es, durch die unsere Vorfahren den Heiligen, gepriesen sei er, versucht haben: zwei am Meere, zwei wegen des Wassers, zwei wegen des Manna, zwei wegen der Wachteln, eine durch das Kalb und eine in der Wüste von Paran.

15Zwei am Meere, einmal beim Hinabsteigen und einmal beim Heraufsteigen. Beim Hinabsteigen, denn es heißt: gibt es denn keine Gräber in Miçrajim?

16Beim Heraufsteigen, nach R. Hona, denn R. Hona sagte: Die Jisraéliten jenes Zeitalters waren kleingläubig; dies nach Rabba b. Mari, denn Rabba b. Mari sagte: Es heißt: sie widersetzten sich am Meere, am Schilfmeere, und er half ihnen wegen seines Namens; dies lehrt, daß die Jisraéliten sich in jener Stunde widersetzten und sprachen: Wie wir auf dieser Seite heraufgekommen sind, ebenso können ja die Miçrijim auf einer anderen Seite heraufkommen.

17Hierauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zum Meeresfürsten: Speie sie aufs Festland aus. Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, ist es denn üblich, daß der Herr seinem Diener ein Geschenk gibt und es ihm wieder abnimmt? Er erwiderte: Ich will dir [später] anderthalbmal soviel geben.

18Jener sprach vor ihm: Herr der Welt, ist es denn üblich, daß ein Diener seinen Herrn mahnt? Er erwiderte: Der Strom Qišon soll Bürge dafür sein. Hierauf spie er sie aufs Festland, wie es heißt: und Jisraél sah die Miçrijim tot &c.

19Zwei wegen des Wassers, in Mara und in Rephidim. Im Mara, denn es heißt: und sie kamen nach Mara, aber sie konnten nicht trinken, und es heißt: und das Volk murrte wider Moše.

20In Rephidim, denn es heißt: sie lagerten in Rephidim und es war kein Wasser zu trinken, und es heißt: das Volk haderte mit Moše.

21Zwei wegen des Manna,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.