Arachin — Blatt 32b
1Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: Bis Gamia in Galiläa, bis Gedud in Transjarden, Ḥadid, Ono und Jerušalem in Judäa.
2Raba erwiderte: Gamia in Galiläa, dies schließt Gamia in andren Ländern aus; Gedud in Transjarden, dies schließt Gedud in andren Ländern aus; bei den übrigen aber, die anderswo nicht vorkommen, ist [die Angabe] nicht nötig. —
3Verfällt denn in Jerušalem ein Haus für immer, es wird ja gelehrt: Zehn Dinge wurden von Jerušalem gesagt: ein Haus verfällt darin nicht!?
4R. Joḥanan erwiderte: Wie Jerušalem, das in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war, und nicht wie Jerušalem, denn in diesem verfällt ein Haus nicht, in jenem aber verfällt ein Haus. R. Aši erwiderte: Wie R. Joseph erklärt hat, es waren zwei [Orte Namens] Qedeš, ebenso waren es zwei Jerušalem.
5Es wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte: Wozu zählten die Weisen sie auf? — Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie, während die erste [Heiligung] mit der Aufhebung der Heiligkeit des Landes aufgehört hatte. Er ist somit der Ansicht, die erste Heiligung galt nur für die damalige Zeit und nicht für die Zukunft;
6ich will auf einen Widerspruch hinweisen: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte: Waren es denn nur diese, es heißt ja: sechzig Städte, alles, was zum Bezirke Argob gehörte &c. lauter befestigte Städte; weshalb zählten die Weisen nur diese auf? Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie. — ‘Und heiligten sie’, wir sagten ja, man brauchte sie nicht zu heiligen!? —
7Vielmehr, und zählten sie auf. — Und nicht nur diese, sondern bei jeder Stadt, von der es dir von deinen Vorfahren überliefert ist, daß sie in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben war, haben all diese Gebote Geltung, weil die erste Heiligung sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt. —
8Wenn du willst, sage ich, zwei Tannaím streiten über die Ansicht R. Jišma͑éls, und wenn du willst, sage ich, eine von diesen Lehren ist von R. Elea͑zar b. R. Jose. Es wird nämlich gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Jose sagte: Der eine Mauer, auch wenn sie jetzt keine hat, früher aber eine hatte. —
9Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, die erste Heiligung galt nur für die damalige Zeit und nicht für die Zukunft? — Es heißt: und alle Exulanten, die aus der Gefangenschaft zurückkamen, machten Hütten, und sie wohnten in den Hütten, denn die Kinder Jisraél hatten seit den Tagen Jošua͑s, des Sohnes Nuns, nicht gemacht &c. und es war eine sehr große Freude. Ist es denn möglich, daß sie, seitdem David gekommen war, keine Hütten gemacht hatten, bis E͑zra kam?
10Vielmehr vergleicht er ihre Ankunft in den Tagen E͑zras mit ihrer Ankunft in den Tagen Jehošua͑s; wie sie in den Tagen Jehošua͑s Erlaß- und Jobeljahre gezählt und ummauerte Städte geheiligt hatten, ebenso zählten sie bei ihrer Ankunft in den Tagen E͑zras Erlaß- und Jobeljahre und heiligten ummauerte Städte.
11Ferner heißt es: und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land bringen, das deine Väter besessen, und du wirst es in Besitz nehmen; er vergleicht deine Besitznahme mit der Besitznahme deiner Väter; wie die Besitznahme deiner Väter bei Erneuerung all dieser Dinge, ebenso deine Besitznahme bei Erneuerung all dieser Dinge. —
12Und jener!? — Er flehte um Erbarmen ob des Triebes des Götzendienstes und schaffte ihn fort, und sein Verdienst gewährte ihnen Schutz wie eine Hütte.
13Das ist es, weshalb die Schrift Jehošua͑ tadelte, indem es an jeder andren Stelle Jehošua͑ heißt, hier aber heißt es Jošua͑. — Erklärlich ist es, daß Moše nicht um Erbarmen gefleht hat, weil dann das Verdienst des Jisraéllandes noch nicht da war, weshalb aber flehte Jehošua͑ nicht um Erbarmen, bei dem das Verdienst des Jisraéllandes schon da war,
14denn es heißt: das deine Väter besessen, und du wirst es in Besitz nehmen!? — Er meint es wie folgt: da deine Väter es besessen, hast du es in Besitz. —
15Zählten sie denn dann Erlaß- und Jobeljahre, wenn sogar nach der Verbannung des Stammes Reúben, des Stammes Gad und des halben Stammes Menaše das Jobeljahr eingestellt wurde, wie sollte E͑zra sie gezählt haben, wo es heißt: die ganze Gemeinde zusammen vier Myriaden und zweitausendsechshundertundsechzig!?
16Es wird nämlich gelehrt: Als der Stamm Reúben, der Stamm Gad und der halbe Stamm Menaše verbannt wurden, hörten die Jobeljahre auf, denn es heißt: ihr sollt Erlaß ausrufen im Lande für all seine Bewohner; zur Zeit, wenn all seine Bewohner darin sind, nicht aber zur Zeit, wenn ein Teil in der Verbannung ist.
17Man könnte glauben, wenn sie sich darin befinden und vermischt sind, der Stamm Binjamin unter Jehuda und der Stamm Jehuda unter Binjamin, habe das Jobelgesetz Geltung, so heißt es: für all seine Bewohner, wenn seine Bewohner nicht vermischt sind, nicht aber, wenn durcheinander vermischt.
18R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Sie zählten die Jobeljahre, um die Erlaßjahre zu heiligen. —
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.