Arachin — Blatt 4a

1und immer auslösen, auch dem Gebote des Neujahres nicht unterworfen, so lehrt er uns; denn zugegeben, daß sie bei der Erlassung von Grundstückennicht einbegriffen sind, so sind sie immerhin bei der Erlassung von Geldforderungen und der Entlassung von Sklaveneinbegriffen.

2«Jeder ist zum Lesen der Esterrolle verpflichtet, Priester, Leviten und Jisraéliten.» Selbstverständlich!? — Dies ist nötig wegen der Unterbrechung ihres Dienstes, und zwar nach R. Jehuda im Namen Šemuéls, denn R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, die Priester bei ihrem Dienste, die Leviten auf der Estrade und die Jisraéliten beim Beistande unterbrechen alle ihren Dienst und kommen das Vorlesen der Esterrolle hören. —

3«Jeder ist zum gemeinsamen Tischsegen verpflichtet, Priester, Leviten und Jisraéliten.» Selbstverständlich!? — Dies ist wegen des Falles nötig, wenn sie Heiliges essen; da der Allbarmherzige sagt: sie sollen es essen, wodurch ihnen Sühne verschafft wurde, so könnte man glauben, dies sei eine Sühne,

4so lehrt er uns, denn der Allbarmherzige sagt: du sollst essen und satt sein, und sie sind es. —

5«Jeder wird zum gemeinsamen Tischsegen mitvereinigt, Priester, Leviten und Jisraéliten.» Selbstverständlich!? — Dies ist wegen des Falles nötig, wenn die Priester Hebe oder Heiliges und die Gemeinen Profanes gegessen haben;

6da der Jisraélit, wenn er mit dem Priester essen wollte, dies nicht dürfte, so könnte man glauben, sie werden nicht vereinigt, so lehrt er uns; denn zugegeben, daß der Jisraélit nicht mit einem Priester essen darf, aber ein Priester darf mit einem Jisraéliten essen.

7«Jeder kann schätzen, Priester, Leviten und Jisraéliten.» Selbstverständlich!? Raba erwiderte: Dies ist wegen [der Lehre] des Ben Bokhri nötig, denn wir haben gelernt: R. Jehuda sagte: Ben Bokhri bekundete in Jabne, daß ein Priester, der den Šeqel entrichtet, keine Sünde begehe.

8Da sprach R. Joḥanan b. Zakkaj zu ihm: Nicht so, vielmehr sündigt der Priester, der den Šeqel nicht entrichtet, nur legen die Priester folgenden Schriftvers zu ihren Gunsten aus: jedes Speisopfer eines Priesters soll Ganzopfer sein, es darf nicht gegessen werden;

9wie dürften demnach die Schwingegarbe, die zwei Brote und die Schaubrote, wenn sie unser wären, gegessen werden!? —

10Wenn sie aber nach Ben Bokhri von vornherein zu entrichten nicht verpflichtet sind, so sind sie ja Sünder, wenn sie bringen, denn er bringt ja Profane in den Tempelhof!? — Er bringe und übergebe ihn der Gemeinde.

11Da es heißt: all deine Schätzungen sollen nach dem Šeqel des Heiligtumes sein, so könnte man glauben, wer den Šeqel zu entrichten hat, könne ein Schätzgelübde tun, die Priester aber, da sie den Šeqel nicht zu entrichten haben, können auch kein Schätzgelübde tun, so lehrt er uns.

12Abajje sprach zu ihm: [Die Worte] all deine Schätzungen deuten ja darauf, daß alle Schätzgelübde, die du gelobst, nicht weniger als einen Sela͑ betragen dürfen!?

13Vielmehr, erwiderte Abajje, ist dies deshalb nötig; da es heißt: und seine Lösung, im Alter von einem Monat sollst du nach der Schätzung lösen, so könnte man glauben, wer bei der Auslösung des Sohnes einbegriffen ist, sei auch bei der Schätzung einbegriffen, Priester aber, die bei der Auslösung eines Sohnes nicht einbegriffen sind, seien auch bei der Schätzung nicht einbegriffen, so lehrt er uns.

14Raba sprach zu ihm: Auch beim Schuldopfer-Widder heißt es ja: und sein Schuldopfer bringe er dem Herrn, einen fehlerfreien Widder vom Kleinvieh, nach deiner Wertschätzung; demnach [wäre zu folgern:] wer bei der Wertschätzung einbegriffen ist, sei auch beim Schuldopfer-Widder einbegriffen, der Geschlechtslose aber und der Zwitter, die bei der Wertschätzung nicht einbegriffen sind, seien auch beim Schuldopfer-Widder nicht einbegriffen!?

15Vielmehr, erwiderte Raba, nach andren R. Aši, ist dies deshalb nötig; da es heißt: er stelle ihn vor den Priester, so könnte man glauben, nicht aber ein Priester vor einen Priester, so lehrt er uns.

16«Werden geschätzt, dies schließt den Widerwärtigen und den Grindigen ein.» Woher dies? —

17Die Rabbanan lehrten: Nach deiner Wertschätzung, dies schließt die unbezeichnete Wertschätzung ein. Eine andre Auslegung: Nach deiner Wertschätzung, er gebe den Schätzungswert des ganzen [Körpers] und nicht den Schätzungswert einzelner Glieder.

18Man könnte glauben, auszuschließen sei auch das, woran die Seele hängt, so heißt es Seelen. Seelen, nicht aber einen Toten.

19Man könnte den Toten ausschließen und nicht den Sterbenden, so heißt es: er stelle hin und schätze, was zum Hinstellen geeignet ist, ist zum Schätzen geeignet, und was nicht zum Hinstellen geeignet ist, ist auch zum Schätzen nicht geeignet.

20Eine andre Auslegung: Seelen, ich weiß dies nur von dem, der den Schätzungswert von einem gelobt hat, woher dies von dem, der den Schätzungswert von hundert gelobt hat? — Es heißt Seelen. Eine andre Auslegung: Seelen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.