Avoda Sara — Blatt 11a

1Der Bund ist aufgelöst!

2Onkelos, der Sohn des Kalonimos, war Proselyt geworden, und der Kaiser sandte nach ihm einen Trupp Römer; dieser aber zog sie durch Schriftverse an sich, und sie wurden ebenfalls Proselyten. Hierauf sandte er nach ihm einen zweiten Trupp, und befahl ihnen, mit ihm nichts zu sprechen.

3Während sie gingen, sprach er zu ihnen: Ich will euch nur etwas Unbedeutendes sagen. Der Aufseher trägt das Feuer vor dem Würdenträger, der Würdenträger trägt das Feuer vor dem Dux, der Dux trägt das Feuer vor dem Hegemon, und der Hegemon trägt das Feuer vor dem König; trägt nun der König das Feuer vor einem gewöhnlichen Menschen? Sie erwiderten ihm: Nein. Da sprach er zu ihnen: Aber der Heilige, gepriesen sei er, trug das Feuer vor den Jisraéliten, denn es heißt: und der Herr ging vor ihnen am Tage &c. Darauf wurden sie alle Proselyten.

4Alsdann sandte er nach ihm einen anderen Trupp und befahl ihnen, sich mit ihm überhaupt nicht zu unterhalten. Als sie ihn führten, bemerkte er eine Mezuza und deutete auf diese mit der Hand, indem er sie fragte, was dies sei. Jene entgegneten ihm: Sage du es uns.

5Er erwiderte ihnen: In der Welt ist es üblich, daß der König (aus Fleisch und Blut) innerhalb weilt und seine Diener ihn draußen bewachen; aber die Diener des Heiligen, gepriesen sei er, befinden sich innerhalb und er selbst befindet sich draußen und bewacht sie, denn es heißt: der Herr wird dein Ein- und Ausgehen behüten von nun an bis in Ewigkeit. Da wurden sie ebenfalls Proselyten, und er schickte weiter keine nach ihm.

6Da sprach der Herr zu ihr: zwei Völker sind in deinem Leibe. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Lies nicht gojim [Völker], sondern geim [Große], das sind Antoninus und Rabbi, an deren Tafel weder Lattich noch Gurken noch Rettig fehlten, weder im Sommer noch im Winter. Der Meister sagte nämlich: Rettig macht die Speisen verdauen, Lattich durchmengt die Speisen, Gurken erweitern die Därme. —

7In der Schule R. Jišma͑éls wurde ja aber gelehrt, sie heißen deshalb Qišuín [Gurken], weil sie für den Körper des Menschen schädlich sind [kašin] wie Schwerter!? — Das ist kein Einwand; eines gilt von großen und eines von kleinen.

8DER GEBURTSTAG, DER TODESTAG. Demnach wäre R. Meír der Ansicht, daß sie den Götzen dienen, einerlei oh heim Tode ein Verbrennen stattgefunden hat, oder heim Tode kein Verbrennen stattgefunden hat, somit wäre das Verbrennen keine götzendienerische Vorschrift, während die Rabbanan der Ansicht wären, das Verbrennen sei eine götzendienerische Vorschrift.

9Es wird ja aber gelehrt, man dürfe über Könige verbrennen, ohne daß dies als heidnische Sitte anzusehen wäre; wieso dürften wir nun verbrennen, wenn dies eine götzendienerische Vorschrift ist, es heißt ja: nach ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln!? —

10Vielmehr, alle sind der Ansicht, das Verbrennen sei keine götzendienerische Vorschrift, sondern nur ein Zeichen der Verehrung, und ihr Streit bestehe in folgendem; R. Meír ist der Ansicht, daß sie bei dieser Gelegenheit den Götzen dienen, einerlei ob beim Tode eine Verbrennung stattgefunden hat oder nicht, und die Rabbanan sind der Ansicht, wenn beim Tode eine Verbrennung stattgefunden hat, so ist dies von Bedeutung und sie dienen den Götzen, wenn aber keine Verbrennung stattgefunden hat, so ist dies nicht von Bedeutung, und sie dienen den Götzen nicht.

11Der Text: Man darf über Könige verbrennen und dies ist nicht als heidnische Sitte anzusehen, denn es heißt: in Frieden wirst du sterben, und wie man über deine Väter, die Könige, verbrannt hat &c. Und wie man über Könige verbrennt, so verbrenne man auch über Fürsten.

12Was verbrennt man über sie? Das Bett und die Gegenstände, deren sie sich bedient haben. Als R. Gamliél der Ältere starb, verbrannte Onkelos der Proselyt über ihn siebzig tyrische Minen. — Du sagtest ja aber, daß man über sie nur das Bett verbrenne und die Gegenstände, deren sie sich bedient haben!? — Sage: im Werte von siebzig tyrischen Minen. —

13Etwa nicht auch anderes, es wird ja gelehrt, daß man über Könige [die Tiere] lähme, ohne daß dies als eine heidnische Sitte anzusehen wäre!? R. Papa erwiderte: Nur das Pferd, das er ritt. —

14Ein reines Tier etwa nicht, es wird ja gelehrt: das Lähmen, wodurch das Tier als totverletzt gilt, ist verboten, wodurch es nicht als totverletzt gilt, ist erlaubt; ein Lähmen, wodurch das Tier nicht als totverletzt gilt, ist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.