Avoda Sara — Blatt 16b

1und zwar nach R. Jehuda. R. Aši erwiderte: Jeder Löwe gilt hinsichtlich der Arbeit als gebrochen.

2Man wandte ein: Wie man ihnen kein großes Vieh verkaufen darf, so darf man ihnen auch kein großes [wildes] Tier verkaufen; und auch in Orten, wo es üblich ist, ihnen Kleinvieh zu verkaufen, darf man ihnen kein großes [wildes] Tier verkaufen!? Dies ist also eine Widerlegung des R. Ḥanan b. Raba. Eine Widerlegung.

3Rabina wies auf einen Widerspruch hin zwischen unserer Mišna und einer Barajtha, und er erklärte es auch. Wir haben gelernt, man dürfe ihnen keine Bären und Löwen oder sonst etwas verkaufen, wodurch das Publikum gefährdet werden kann; nur wenn eine Gefährdung vorliegt, wenn aber keine Gefährdung vorliegt, so darf man ihnen verkaufen,

4und dem widersprechend wird gelehrt, wie man ihnen kein großes Vieh verkaufen darf, dürfe man ihnen auch kein großes [wildes] Tier verkaufen, und auch in Orten, wo es üblich ist, ihnen Kleinvieh zu verkaufen, dürfe man ihnen kein großes [wildes] Tier verkaufen!? Er erklärte es auch: Einen gebrochenen Löwen, und zwar nach R. Jehuda. R. Aši erklärte: Jeder Löwe gilt hinsichtlich der Arbeit als gebrochen.

5R. Naḥman entgegnete: Wer sagt uns, daß ein Löwe als großes Tier gilt, vielleicht gilt er als kleines Tier!?

6R. Aši subtilisierte unsere Mišna und wies auf einen Einwand hin. Wir haben gelernt, man dürfe ihnen keine Bären, Löwen oder sonst etwas verkaufen, wodurch das Publikum gefährdet werden kann; nur wenn eine Gefährdung vorliegt, wenn aber keine Gefährdung vorliegt, darf man ihnen verkaufen,

7und ferner gilt dies nur von einem Löwen, weil jeder Löwe hinsichtlich der Arbeit als gebrochen gilt, nicht aber gilt dies von einem anderen [Tiere], das Arbeit verrichten kann. Dies ist also eine Widerlegung der Lehre des R. Ḥanan b. Raba. Eine Widerlegung. —

8Welche Arbeit verrichtet ein großes wildes Tier? Abajje erwiderte: Mar Jehuda sagte mir, daß sie im Hause des Mar Joḥani wilde Esel beim Mahlen verwendeten.

9R. Zera sagte: Als wir in der Schule R. Jehudas waren, sprach er zu uns: Lernt von mir folgendes, denn ich habe es von einem bedeutenden Mann gehört, weiß aber nicht, ob von Rabh oder von Šemuél: ein großes [wildes] Tier gleicht hinsichtlich des Zappelns dem Kleinvieh.

10Als ich nach Qarqonja kam, traf ich R. Ḥija b. Aši, und er saß und sagte im Namen Šemuéls, ein großes [wildes] Tier gleiche hinsichtlich des Zappelns dem Kleinvieh; da sagte ich, es sei also zu ersehen, daß dies im Namen Šemuéls gelehrt worden ist. Später kam ich nach Sura und traf Rabba b. Jirmeja, und er saß und sagte im Namen Rabhs, ein großes [wildes] Tier gleiche hinsichtlich des Zappelns dem Kleinvieh; da sagte ich, es sei also zu ersehen, daß dies im Namen Rabhs gelehrt worden ist, und daß dies im Namen Šemuéls gelehrt worden ist.

11Als ich dort hinkam, traf ich R. Asi, der dasaß und im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs vortrug, ein großes [wildes] Tier gleiche hinsichtlich des Zappelns dem Kleinvieh. Da sprach ich zu ihnen: Weiß der Meister nicht, daß die Lehre von Rabba b. Jirmeja herrühre? Dieser erwiderte mir: Schwarzer Topf, durch mich und durch dich kann die Sache festgestellt werden.

12Ebenso wird auch gelehrt: R. Zera sagte im Namen R. Asis im Namen des Rabba b. Jirmeja im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Ein großes [wildes] Tier gleicht hinsichtlich des Zappelns dem Kleinvieh.

13MAN DARF NICHT &C. BAUEN. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Es gibt dreierlei Basiliken: der Könige, der Badehäuser und der Schatzkammern. Raba sagte: Bei zweien ist es erlaubt und bei einer ist es verboten. Als Merkzeichen diene dir [der Schriftvers:] ihre Könige in Ketten zu binden.

14Manche lesen: Raba sagte: Bei allen ist es erlaubt. — Wir haben ja aber gelernt, daß man nicht mit ihnen eine Basilika, ein Schafott, eine Arena oder eine Tribüne bauen dürfe!? — Lies: [eine Basilika] für ein Schafott, eine Arena oder eine Tribüne.

15Die Rabbanan lehrten: Als R. Elie͑zer wegen Häresie inhaftiert wurde, führte man ihn aufs Schafott, um ihn abzuurteilen. Da sprach der Hegemon zu ihm: Wie kann ein Greis wie du sich mit solchen nichtigen Dingen befassen!?

16Dieser erwiderte ihm: Der Richter hat Recht! Jener Hegemon glaubte, daß er damit ihn meine, während er aber seinen Vater im Himmel meinte. Hierauf sprach jener: Da du mir Recht gegeben hast, so sollst du, bei Gott, frei sein.

17Als er nach Hause kam, traten seine Schüler zu ihm ein, um ihn zu trösten, er aber nahm keinen Trost an. Da sprach R. A͑qiba zu ihm: Meister, willst du mir erlauben, dir etwas von dem zu sagen, was du mich gelehrt hast? Dieser erwiderte: Sprich. Da sprach er zu ihm: Meister, vielleicht hast du etwas Häretisches gehört, und gefiel dir dies, und bist deshalb inhaftiert worden?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.