Avoda Sara — Blatt 17b

1dessen Trieb geschlachtet ist. Der andere aber sprach zu ihm: Wollen wir lieber über die Tür des Hurenhauses gehen und unseren Trieb besiegen, damit wir Belohnung erhalten. Als sie an dieses herankamen, und [die Huren] sie sahen, verbeugten sie sich vor ihnen.

2Da sprach jener zu ihm: Woher hast du es? Dieser erwiderte [Es heißt:] Umsicht wird dich bewahren, Vernunft dich behüten.

3Die Jünger fragten Raba: Was heißt mezima [Umsicht]; wollte man sagen, die Tora, von der es zima heißt, was mit ‘Rat’ (der Gottlosen) übersetzt wird, und es heißt [von der Tora:] wunderbar im Rat, groß in der Weisheit, so müßte es ja zima heißen!? — Vielmehr, er meint es wie folgt: vor Unzucht wird sie dich bewahren, die Tora wird dich behüten.

4Die Rabbanan lehrten: Als R. Elea͑zar b. Proto und R. Ḥanina b. Teradion inhaftiert wurden, sprach R. Elea͑zar b. Proto zu R. Ḥanina b. Teradion: Heil dir, der du wegen einer Sache inhaftiert worden bist, wehe mir aber, der ich wegen fünf Sachen inhaftiert worden bin.

5Da erwiderte ihm R. Ḥanina: Heil dir, der du wegen fünf Sachen inhaftiert worden bist, und gerettet werden wirst, wehe aber mir, der ich wegen einer Sache inhaftiert worden bin, und nicht gerettet werden werde; du hast dich mit der Tora und mit Liebeswerken befaßt, ich aber habe mich nur mit der Tora befaßt.

6Dies nach R. Hona, denn R. Hona sagte: Wenn jemand sich nur mit der Tora befaßt, so ist es ebenso, als würde er keinen Gott haben, denn es heißt: lange Zeit war Jisraél ohne den wahren Gott; was heißt: ohne den wahren Gott? Wenn jemand sich nur mit der Tora befaßt, so ist es ebenso, als hätte er keinen Gott. —

7Hat er sich denn nicht mit Liebeswerken befaßt, es wird ja gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte, man tue sein Geld in die Almosenbüchse nur dann, wenn ein Gelehrter wie R. Ḥanina b. Teradion darüber gesetzt ist!? — Vertrauen schenkte man ihm, er selbst betätigte sich aber nicht. —

8Es wird ja aber gelehrt: Er sprach zu ihm: Mir ist Purimgeld mit Almosengeld vertauscht worden, und ich verteilte es an die Armen!? — Er betätigte sich wohl, jedoch nicht wie er es sollte.

9Hierauf führte man R. Elea͑zar b. Proto vor und fragte ihn: Weshalb hast du [das Gesetz] studiert und weshalb hast du gestohlen? Er erwiderte: Ein Waffenträger ist kein Gelehrter und ein Gelehrter ist kein Waffenträger; und da das eine nicht zutrifft, so trifft auch das andere nicht zu. — Weshalb nennt man dich Meister? — Ich bin Webermeister.

10Da holten sie zwei Knäule und fragten ihn, welcher die Kette und welcher der Einschlag sei. Da geschah ihm ein Wunder, und es kam eine weibliche Biene und setzte sich auf die Kette, und eine männliche setzte sich auf den Einschlag; hierauf sagte er ihnen, dieser sei die Ketteund jener sei der Einschlag.

11Alsdann fragten sie ihn: Weshalb hast du das Abidanhaus nicht besucht? Er erwiderte: Ich bin alt, und fürchtete, ihr würdet mich mit den Füßen zertreten. — Wieviel Greise sind bis jetzt zertreten worden? Da geschah ein Wunder, und ein Greis wurde an diesem Tage zertreten. —

12Und weshalb hast du deine Sklaven freigelassen? Er erwiderte ihnen: Ich weiß von nichts. Als hierauf jemand gegen ihn als Zeuge auftreten wollte, kam Elijahu, der sich als königlicher Würdenträger ausgab, und sprach zu diesem: Da ihm in allen anderen Sachen Wunder geschehen sind, so wird ihm auch in dieser Sache ein Wunder geschehen; du aber wirst nur deine Schlechtigkeit zeigen.

13Dieser beachtete es jedoch nicht. Als er auftrat, um gegen ihn auszusagen, hatten sie gerade einen von den königlichen Würdenträgern geschriebenen Brief an den Kaiser zu senden, und sie sandten ihn durch diesen Mann; da kam Elijahu und schleuderte ihn vierhundert Parasangen weit, sodaß er nicht zurückkehren konnte.

14Hierauf führten sie R. Ḥanina b. Teradion vor und fragten ihn: Weshalb hast du dich mit der Tora befaßt? Er erwiderte ihnen: Weil der Herr, mein Gott, mir dies befohlen hat. Da verurteilten sie ihn sofort; daß er verbrannt werde, daß seine Frau hingerichtet werde und daß seine Tochter einem Hurenhause überwiesen werde. ‘Daß er verbrannt werde,’

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.