Avoda Sara — Blatt 18b
1Wer beweist mir, daß dem so sei? Dort befanden sich Hunde, die Menschen fraßen; da warf er nach ihnen eine Erdscholle, und sie kamen heran, um ihn zu fressen, als er aber sprach: Gott Meírs, hilf mir, ließen sie von ihm ab. Hierauf gab er sie ihm heraus.
2Später wurde die Sache bei der Regierung bekannt, und man führte ihn zum Galgen. Als er dann sprach: Gott Meírs, hilf mir, nahmen sie ihn herunter und fragten ihn, was dies zu bedeuten habe. Da erzählte er ihnen das ganze Ereignis.
3Hierauf zeichneten sie das Gesicht R. Meírs an die Tür von Rom, und gaben Befehl: wer eine solche Person sieht, liefere sie ein. Eines Tages sah ihn jemand und verfolgte ihn, er aber lief fort und flüchtete sich in ein Hurenhaus. Manche erzählen, er sah da von Nichtjuden gekochte Speisen und tauchte in diese den einen [Finger] ein und saugte am anderen, und manche erzählen, Elijahu kam und verstellte sich als Hure und umarmte ihn. Da sprachen sie: Behüte und bewahre, wäre es R. Meír, so würde er dies nicht getan haben.
4Hierauf flüchtete er nach Babylonien. Manche sagen, wegen dieses Ereignisses, und manche sagen, wegen des Ereignisses mit der Berurja.
5Die Rabbanan lehrten: Wer Wettkampfplätze und Belagerungsbelustigungen besucht und da Zauberkünstler, Schlangenbeschwörer, Musikanten, Possenreißer, Reitkünstler, Bauchredner, Tänzer und Puppenspieler sieht, befindet sich an einem Aufenthaltsorte der Spötter; über ihn spricht die Schrift: Heil dem Manne, der nicht geht &c. sondern an der Tora des Herrn seine Last hat. Hieraus lernst du, daß all diese Sachen den Menschen zur Vernachlässigung der Tora bringen. —
6Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wettkampfplätze [besuchen] ist erlaubt, weil man da jemand schreien hören und ihn retten kann; ebenso Belagerungsbelustigungen, wegen der Erhaltung der Stadt, nur darf man sich nicht daran beteiligen; hat man sich daran beteiligt, so ist es verboten. Hier besteht ja ein Widerspruch sowohl hinsichtlich der Wettkampfplätze als auch hinsichtlich der Belagerungsbelustigungen!?
7Allerdings ist hinsichtlich der Belagerungsbelustigungen zu erklären, eines gelte von dem Falle, wenn man sich daran beteiligt, und eines gelte von dem Falle, wenn man sich nicht daran beteiligt, aber hinsichtlich der Wettkampfplätze besteht ja ein Widerspruch!? —
8Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Man darf keine Wettkampfplätze besuchen, weil diese ein Sitz von Spöttern sind; R. Nathan erlaubte dies aus zwei Gründen: erstens, weil man jemand schreien hören und ihn retten kann, und zweitens, weil man bei der Wiederverheiratung der Frau Zeugnis ablegen kann.
9Die Rabbanan lehrten: Man darf keine Theater und Zirkusse besuchen, weil da den Götzen geopfert wird— so R. Meír; die Weisen sagen, wenn da geopfert wird, sei es verboten, wegen des Verdachtes des Götzendienstes, und wenn da nicht geopfert wird, sei es verboten, wegen des Aufenthalts unter Spöttern. —
10Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? R. Ḥanina aus Sura erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn man da Geschäfte gemacht hat.
11R. Šimo͑n b. Pazi trug vor: Es heißt: Heil dem Manne, der nicht nach der Gesinnung der Gottlosen geht, noch auf dem Wege der Sünder steht, noch auf dem Sitze der Spötter sitzt. Wieso kann man da stehen, wenn man da nicht hingegangen ist, und Wieso kann man da sitzen, wenn man da nicht gestanden hat, und wieso kann man da spotten, wenn man da nicht gesessen hat?
12Dies besagt dir: ist man da hingegangen, so wird man später stehen, hat man da gestanden, so wird man später sitzen, hat man da gesessen, so wird man später spotten, hat man gespottet, so spricht die Schrift über ihn: bist du weise, so bist da dir zugute weise, bist du ein Spötter, so wirst du allein es tragen.
13R. Elie͑zer sagte: Wenn jemand Spott treibt, so kommen Züchtigungen über ihn, denn es heißt: und nun treibt keinen Spott, damit eure Züchtigungen sich nicht verschärfen. Raba sprach zu den Jüngern: Ich bitte euch, keinen Spott zu treiben, damit nicht Züchtigungen über euch kommen.
14R. Qaṭṭina sagte: Wer Spott treibt, dessen Lebensunterhalt wird vermindert, denn es heißt: er zieht seine Hand von den Spöttern, R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Wer Spott treibt, kommt ins Fegefeuer, denn es heißt:wer übermütig, vermessen ist, heißt Spötter, er handelt mit grimmigem Übermute, und unter ‘Grimm’ ist das Fegefeuer zu verstehen, denn es heißt: ein Tag des Grimmes ist jener Tag.
15R. Oša͑ja sagte: Wer hochmütig ist, kommt ins Fegefeuer, denn es heißt: Wer übermütig, vermessen ist, heißt Spötter, er handelt mit grimmigem Übermute, und unter ‘Grimm’ ist das Fegefeuer zu verstehen, denn es heißt: ein Tag des Grimmes ist jener Tag. R. Ḥanilaj b. Ḥanilaj sagte: Wer Spott treibt, bringt Vernichtung über die Welt, denn es heißt: und nun treibt keinen Spott, damit eure Züchtigungen sich nicht verschärfen, denn ein festbeschlossenes Garaus habe ich vernommen.
16R. Elie͑zer sagte: Er ist so schwer, daß er mit Züchtigungen beginnt und mit Vernichtung endet. R. Šimo͑n b. Pazi trug vor: Heil dem Mann, der nicht geht, nämlich in die Theater und Zirkusse der Nichtjuden; und auf dem Wege der Sünder nicht steht, der bei keinem Hetzkampf zugegen ist; und auf dem Sitze der Spötter nicht sitzt, der keinen Unterhaltungsspielen beiwohnt.
17Vielleicht sagt jemand: da ich keine Theater und Zirkusse besuche, keinem Hetzkampf beiwohne, so will ich gehen und mich dem Schlafe hingeben, so heißt es: und Tag und Nacht über seine Lehre nachsinnt.
18R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Heil dem Manne, der nicht nach der Gesinnung der Gottlosen geht,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.