Avoda Sara — Blatt 19a
1das ist unser Vater Abraham, der nicht nach der Gesinnung der Leute des Zeitalters der Spaltung gegangen ist, denn sie waren gottlos, wie es heißt: wohlan, wir wollen uns eine Stadt bauen. Und auf dem Wege der Sünder nicht steht, der nicht unter den Leuten von Sedom gestanden hat, denn sie waren Sünder, wie es heißt: und die Leute von Sedom waren überaus schlecht und sündhaft vor dem Herrn.
2Und auf dem Sitze der Spötter nicht sitzt, er saß nicht zusammen mit den Philistern, weil sie Spötter waren, wie es heißt: als sie nun guter Dinge waren, riefen sie: Laßt uns Šimšon holen, daß er uns belustige.
3Heil dem Manne, der den Herrn fürchtet; heil dem Manne und nicht heil der Frau? R. A͑mram erklärte im Namen Rabhs: Heil dem, der Buße tut, solange er noch ein Mann ist. R. Jehošua͑ b. Levi erklärte: Heil dem, der sich seines Triebes wie ein Mann bemächtigt.
4An seinen Geboten so recht seine Lust hat; R. Elea͑zar erklärte: An seinen Geboten, nicht aber an der Belohnung seiner Gebote. Das ist es, was gelehrt wird: Er sagte: Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen in der Absicht, einen Lohn zu erhalten, sondern wie Knechte, die dem Herrn dienen, ohne die Absicht, einen Lohn zu erhalten.
5Sondern an der Lehre des Herrn seine Lust hat. Rabbi sagte: Der Mensch lernt aus der Tora nur das, wozu sein Herz Lust hat, denn es heißt: sondern an der Lehre des Herrn seine Lust hat.
6Levi und R. Šimo͑n b. Rabbi saßen vor Rabbi und lasen Schriftabschnitte; als das Buch zuende war, wünschte Levi, daß man das Buch der Sprüche hole, R. Šimo͑n b. Rabbi aber wünschte, daß man das Buch der Psalmen hole; endlich besiegte er Levi, und man holte das Buch der Psalmen. Als sie herankamen an die Stelle: sondern an der Tora des Herrn seine Lust hat, zog Rabbi sich zurück und sprach: Ein Mensch lernt aus der Tora nur das, wozu sein Herz Lust hat. Hierauf sprach Levi: Meister, du hast mir nun aufzustehen erlaubt.
7R. Evdämi b. Ḥama sagte: Wenn jemand sich mit der Tora befaßt, so erfüllt ihm der Heilige, gepriesen sei er, seine Gelüste, denn es heißt: sondern an der Tora des Herrn seine Lust hat. Raba sagte: Der Mensch lerne aus der Tora stets nur das, wozu sein Herz Lust hat, denn es heißt: sondern an der Lehre des Herrn seine Lust hat.
8Ferner sagte Raba: Anfangs trägt [die Tora] den Namen des Heiligen, gepriesen sei er, und nachher trägt sie seinen Namen, denn es heißt: an der Lehre des Herrn seine Lust hat und Tag und Nacht über sein Gesetz nachsinnt.
9Ferner sagte Raba: Zuerst lerne man die Tora und nachher grüble man darüber nach, denn es heißt: Tora des Herrn, und nachher: über seine Tora nachsinnt.
10Ferner sagte Raba: Stets lerne der Mensch, obgleich er es vergißt, und obgleich er nicht weiß, was er spricht, denn es heißt: meine Seele reibt sich vor Verlangen, es heißt reiben und nicht mahlen.
11Raba wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: auf den Gipfeln, und es heißt: auf dem Stuhle!? Zuerst auf den Gipfeln und nachher auf einem Stuhle.
12Es heißt: oben auf den Anhöhen, und es heißt: am Wege!? Zuerst oben auf den Anhöhen und nachher am Wege.
13U͑la wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: trinke Wasser aus deiner Zisterne, und dagegen heißt es: und das Hervorquellende aus deinem Brunnen!? Zuerst trinke Wasser aus deiner Zisterne, und nachher das Hervorquellende aus deinem Brunnen.
14Raba sagte im Namen R. Seḥoras im Namen R. Honas: Es heißt: erhastetes Vermögen mindert sich, wer aber händeweise sammelt, der vermehrt; wenn jemand seine Tora bundweise zusammenträgt, so nimmt sie bei ihm ab, wenn er sie aber händeweise sammelt, so nimmt sie zu.
15Rabba sagte: Die Jünger wissen dies und lassen es unbeachtet. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Ich tat so, und sie blieb mir erhalten.
16R. Šezbi sagte im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja: Es heißt: nicht brät Betrug seinen Fang; der trügerische Jäger hat kein langes Leben.
17R. Šešeth erklärte: Der trügerische Jäger brät. Als R. Dimi kam, sagte er ein Gleichnis: Wenn jemand Vögel fängt, und ihnen einzeln die Flügel bricht, so bleiben sie ihm alle erhalten, wenn aber nicht, so bleiben sie ihm nicht erhalten.
18Er ist wie ein an Wasserläufen gesetzter Baum. In der Schule R. Jannajs sagten sie: Wie ein gesetzter Baum, nicht aber wie ein gepflanzter Baum. Wer das Gesetz von nur einem Lehrer lernt, sieht nie im Leben ein Zeichen des Segens.
19R. Ḥisda sprach zu den Jüngern: Ich möchte euch etwas sagen, nur fürchte ich, ihr werdet mich verlassen und fortgehen: Wer die Tora bei nur einem Lehrer lernt, sieht nie im Leben ein Zeichen des Segens. Darauf verließen sie ihn und gingen zu Raba. Da sprach er zu ihnen: Dies gilt nur von der Erläuterung, die traditionelle Lehre aber lernt man besser bei einem Lehrer,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.