Avoda Sara — Blatt 20b
1auch nicht die bunten Kleider einer Frau; ferner nicht Esel und Eselin, Schwein und Sau, oder Vögel, wenn sie einander begatten, und selbst wenn man voll Augen ist, gleich dem Todesengel!?
2Man sagt nämlich vom Todesengel, daß er voll Augen ist, und beim Sterben des Menschen steht er an seiner Kopfseite mit gezücktem Schwerte in der Hand, an dem ein Tropfen Galle hängt. Sobald der Kranke ihn erblickt, erbebt er und öffnet seinen Mund, und dieser wirft ihn hinein. Davon stirbt er, davon wird er übelriechend und davon vergilbt sich sein Gesicht. —
3Es war an einer Straßenecke.
4«Auch nicht die bunten Kleider einer Frau.» R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Selbst wenn sie an der Wand hängen. R. Papa sagte: Nur wenn man die Besitzerin kennt. Raba sagte: Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt: die bunten Kleider einer Frau, und nicht: bunte Frauenkleider. Schließe hieraus.
5R. Ḥisda sagte: Dies gilt nur von gebrauchten, bei ungebrauchten aber ist nichts dabei, denn wenn dem nicht so wäre, wieso dürften wir Kleider zum Aufputzen geben, diese betrachten sie ja!? —
6Auch nach deiner Auffassung ist ja einzuwenden: wieso sagte R. Jehuda, daß man bei [Tieren] demselben Art [das Glied] hineinstecken dürfe, wie den Stift in das Schminkrohr, man betrachtet dies ja!? Du mußt also erklären, man sei mit seiner Arbeit beschäftigt, ebenso sind auch diese mit ihrer Arbeit beschäftigt.
7Der Meister sagte: Davon stirbt er. Es wäre also anzunehmen, daß er gegen den Vater Šemuéls streitet, denn der Vater Šemuéls sagte, der Todesengel habe zu ihm gesagt: wenn ich nicht die Achtung der Menschen berücksichtigte, so würde ich die Schnittstelle freigelegt haben, wie bei einem Tiere. — Vielleicht durchschneidet eben dieser Tropfen die Halsorgane.
8«Davon wird er übelriechend.» Dies ist eine Stütze für R. Ḥanina b. Kahana, denn R. Ḥanina b. Kahana sagte im Namen der Schule Rabhs: Wünscht jemand, daß sein Toter nicht übelriechend werde, so lege er ihn mit dem Gesichte nach unten.
9Die Rabbanan lehrten: Hüte dich vor allem Bösen; man darf nicht an etwas [Sündhaftes] am Tage denken und dadurch nachts zur Verunreinigung kommen.
10Hieraus folgerte R. Pinḥas b. Jaír: die Tora führt zur Inachtnahme, die Inachtnahme führt zur Vorsicht, die Vorsicht führt zur Reinheit, die Reinheit führt zur Absonderung, die Absonderung führt zur Lauterkeit, die Lauterkeit führt zur Frömmigkeit, die Frömmigkeit führt zur Demut, die Demut führt zur Sündenscheu, die Sündenscheu führt zur Heiligkeit, die Heiligkeit führt zur göttlichen Inspiration, und die göttliche Inspiration führt zur [Macht der] Totenbelebung. Von all diesem am bedeutendsten ist die Frömmigkeit, denn es heißt: damals redetest du im Gesichte zu deinen Frommen.
11Er streitet somit gegen R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte, von all diesem sei die Demut am bedeutendsten, denn es heißt: der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, dieweil der Herr mich gesalbt hat, um den Demütigen frohe Botschaft zu bringen. Es heißt nicht: den Frommen, sondern: den Demütigen; du lernst also, daß die Demut von all diesem am bedeutendsten ist.
12MAN DARF IHNEN NICHTS &C. VERKAUFEN. Die Rabbanan lehrten: Man darf ihnen einen Baum verkaufen unter der Bedingung, ihn niederzuhauen, und er haue ihn nieder — so R. Jehuda; R. Meír sagt, man dürfe ihnen nur einen niedergehauenen verkaufen. Futtergetreide nur unter der Bedingung, es zu mähen, und er mähe es — so R. Jehuda; R. Meír sagt, man dürfe ihnen nur gemähtes verkaufen. Halmgetreide nur unter der Bedingung, es zu mähen, und er mähe es — so R. Jehuda; R. Meír sagt, man dürfe ihnen nur gemähtes verkaufen.
13Und [alle Fälle] sind nötig. Würde er es nur von einem Baume gelehrt haben, [so könnte man glauben,] R. Meír sei seiner Ansicht nur in diesem Falle, weil [der Käufer], da er dadurch nichts verliert, ihn stehen lassen könnte, bei den anderen aber, wobei er, wenn er es stehen läßt, einen Schaden erleidet, pflichte er R. Jehuda bei.
14Und würde er nur diese zwei gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil bei diesen der Wert nicht steigt, beim Futtergetreide aber, wobei der Wert steigt, pflichte er R. Meír bei.
15Und würde er es nur von diesem gelehrt haben, [so könnte man glauben,] R. Meír vertrete seine Ansicht nur bei diesem, bei jenen aber pflichte er R. Jehuda bei. Daher sind alle nötig.
16Sie fragten: Wie verhält es sich bei einem Tiere unter der Bedingung, es zu schlachten;
17erlaubt es R. Jehuda nur hierbei, wo es sich nicht in seinem Besitze befindet und er es nicht stehen lassen kann, während der Nichtjude das Tier, das sich in seinem Besitze befindet, behalten kann, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? —
18Komm und höre: Es wird gelehrt: ein Tier unter der Bedingung, es zu schlachten, und er schlachte es — so R. Jehuda; R. Meír sagt, man dürfe ihm nur ein geschlachtetes verkaufen.
19MAN DARF IHNEN IM JISRAÉLLANDE KEINE HÄUSER VERMIETEN, UND SELBSTVERSTÄNDLICH KEINE FELDER; IN SYRIEN
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.