Avoda Sara — Blatt 22b
1GEMARA. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Man darf von ihnen ein Vieh zur Opferung kaufen, und man befürchte nicht, es könnte aktiv oder passiv zur Bestialität verwendet, oder [als Götzenopfer] bestimmt oder verehrt worden sein.
2Allerdings ist götzendienstliche Bestimmung und Verehrung nicht zu befürchten, denn wenn es dazu bestimmt oder verehrt worden wäre, so würde [der Nichtjude] es nicht verkauft haben; aber aktive oder passive Bestialität ist ja zu befürchten!? R. Taḥlipha erwiderte im Namen des R. Šila b. Abina im Namen Rabhs: Ein Nichtjude schont sein Tier, daß es nicht steril werde. —
3Einleuchtend ist dies hinsichtlich eines weiblichen, wie ist es aber hinsichtlich eines männlichen zu erklären!? R. Kahana erwiderte: Dadurch magern sie ab. —
4Wieso wird demnach gelehrt, daß man von ihren Hirten ein Vieh kaufen dürfe, man sollte doch befürchten, er hat es vielleicht zur Bestialität verwendet!? — Der Hirt fürchtet, seinen Lohn zu verlieren. —
5Wieso wird demnach gelehrt, daß man ihren Hirten kein Vieh anvertrauen dürfe, man sollte doch sagen, der Hirt fürchtet, seinen Lohn zu verlieren!? —
6Sie wissen dies von einander, daher fürchten sie, wir wissen dies von ihnen nicht, daher fürchten sie nicht. Rabba sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Durch den Griffel springt der Marmor, der Gauner kennt seinen Genossen. —
7Demnach sollte man doch keine männlichen von einer Frau kaufen dürfen, vielleicht hat sie mit diesen Bestialität getrieben!? — Da sie [das Tier] dadurch anlockt, so fürchtet sie. —
8Wieso lehrte demnach R. Joseph, eine Witwe dürfe keinen Hund halten und keinen Jünger bei sich wohnen lassen, einleuchtend ist dies von einem Jünger, da er dies geheim halten kann, weshalb aber keinen Hund, wenn sie ihn dadurch anlockt, so fürchtet sie ja!? —
9Da er ihr, wenn sie ihm ein Stückchen Fleisch vorwirft, ebenfalls nachläuft, so können die Leute glauben, er laufe ihr wegen des Stückchen Fleisches nach. —
10Weshalb darf man weibliche mit ihren Weibern nicht allein lassen!? — Mar U͑qaba b. Ḥama erwiderte: Weil die Nichtjuden mit den Weibern ihrer Genossen Umgang pflegen, und wenn er zuweilen zu ihr kommt und sie nicht trifft, so beschläft er das Tier, das er da findet.
11Wenn du aber willst, sage ich: selbst wenn er sie trifft, beschlafe er dieses, denn der Meister sagte, das Tier eines Jisraéliten sei ihnen lieber als ihre eigene Frau. R. Joḥanan sagte nämlich: Als die Schlange der Ḥava beiwohnte, impfte sie ihr einen Unflat ein. — Demnach gilt dies ja auch von den Jisraéliten!? — Bei den Jisraéliten, die am Berge Sinaj standen, verlor sich der Unflat, bei den Nichtjuden, die nicht am Berge Sinaj standen, verlor sich der Unflat nicht.
12Sie fragten: Wie verhält es sich mit dem Geflügel!? — Komm und höre: R. Jehuda erzählte im Namen Šemuéls im Namen R. Ḥaninas, er habe gesehen, wie ein Nichtjude eine Gans auf dem Markte kaufte und sie dann beschlief, erwürgte, briet und aß. Ferner erzählte R. Jirmeja aus Diphte, er habe gesehen, wie ein Araber eine Keule auf dem Markte kaufte, in die er ein zur Beschlafung geeignetes Loch bohrte, und sie dann beschlief, briet und aß.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.