Avoda Sara — Blatt 23a

1Rabina erklärte: Das ist kein Einwand; eines gilt von vornherein und eines, wenn bereits geschehen. —

2Woher entnimmst du es, daß zu unterscheiden sei, ob von vornherein oder bereits geschehen? — Wir haben gelernt, eine Frau dürfe nicht mit ihnen allein sein, weil sie der Unzucht verdächtig sind, und dem widersprechend wird gelehrt, eine Frau, die bei Nichtjuden eingesperrt war, sei, wenn des Geldes wegen, ihrem Manne erlaubt, und wenn ihrer Person wegen, ihrem Manne verboten.

3Wahrscheinlich unterscheiden wir also zwischen von vornherein und bereits geschehen. — Wieso denn, tatsächlich, kann ich dir erwidern, gilt dies auch dann, wenn bereits geschehen, hierbei aber ist sie aus dem Grunde [ihrem Manne erlaubt], weil jener den Verlust seines Geldes fürchtet.

4Dies ist auch zu beweisen, denn im Schlußsatze lehrt er, wenn ihrer Person wegen, sei sie ihrem Manne verboten. Weiter nichts darüber.

5R. Pedath erklärte: Das ist kein Einwand, eines nach R. Elie͑zer und eines nach den Rabbanan. Wir haben nämlich gelernt: Die Entsündigungskuh darf, wie R. Elie͑zer sagt, nicht von einem Nichtjuden gekauft werden; die Weisen erlauben dies. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: R. Elie͑zer ist der Ansicht, man befürchte Bestialität, und die Rabbanan sind der Ansicht, man befürchte Bestialität nicht. —

6Wieso, vielleicht sind alle der Ansicht, man befürchte Bestialität nicht, nur berücksichtigt R. Elie͑zer hierbei die Lehre des R. Jehuda im Namen Rabhs. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Hat man auf sie ein Bündel Säcke gelegt, so hat man sie untauglich gemacht; ein Kalb aber erst dann, wenn es [an der Last] angezogen hat.

7Einer ist der Ansicht, man berücksichtige dies, und einer ist der Ansicht, man berücksichtige dies nicht. — Dies ist nicht einleuchtend, denn wegen eines geringen Nutzens würde er nicht einen großen Schaden wagen. —

8Sollte man doch auch hierbei sagen: wegen eines geringen Genusses würde er nicht einen großen Schaden wagen!? — Hierbei wird er von seiner Leidenschaft überwältigt. —

9Vielleicht sind alle der Ansicht, man befürchte Bestialität nicht, und der Grund R. Elie͑zers ist vielmehr nach einer Lehre Šilas zu erklären, denn Šila lehrte: Was ist der Grund R. Elie͑zers? [Es heißt:] sprich zu den Kindern Jisraél, daß sie dir nehmen, die Kinder Jisraél sollen nehmen, nicht aber sollen Nichtjuden nehmen!? —

10Dies ist nicht einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er: ebenso sind sie nach R. Elie͑zer untauglich auch für alle anderen Opfer. Allerdings ist die Erklärung Šilas stichhaltig bei der [roten] Kuh, bei der es nehmen heißt, nicht aber bei allen anderen Opfern, bei denen es nicht nehmen heißt. — Vielleicht streiten die Rabbanan gegen R. Elie͑zer

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.