Avoda Sara — Blatt 23b
1nur über die [rote] Kuh, die einen hohen Preis hat, bei allen anderen Opfern aber pflichten sie ihm bei!? —
2Wessen Ansicht vertritt demnach die Lehre, daß man von ihnen Tiere als Opfer kaufen dürfe; weder die des R. Elie͑zer noch die der Rabbanan!?
3Ferner wird ausdrücklich gelehrt: Was erwiderten seine Kollegen dem R. Elie͑zer? Alle Herden Qedars werden sich zu dir versammeln &c. als wohlgefälliges Opfer sie auf meinen Altar kommen.
4Sie streiten also nur über die Befürchtung, ist sie aber bestimmt zur Bestialität verwendet worden, so ist sie untauglich, somit ist hieraus zu entnehmen, daß die [rote] Kuh Heiligtum des Altars ist, denn wenn man sagen wollte, sie sei Heiligtum des Tempelreparaturfonds, so würde sie nicht durch die Bestialität untauglich werden. —
5Anders ist die [rote] Kuh, denn der Allbarmherzige nennt sie ‘Entsündigung’. —
6Demnach sollte doch eine Seitengeburt als solche untauglich sein!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so wird ja gelehrt, wenn man eine Seitengeburt als solche geheiligt hat, sei sie untauglich und nach R. Šimo͑n tauglich!?
7Wolltest du erwidern, R. Šimo͑n vertrete hierbei seine Ansicht, daß nämlich die Seitengeburt eine richtige Geburt sei, so sagte ja R. Joḥanan, R. Šimo͑n pflichte [den Weisen] bei hinsichtlich der heiligen Opfer, daß eine solche nicht heilig ist!? —
8Vielmehr, anders ist es bei der [roten] Kuh; da ein Gebrechen sie untauglich macht, so machen sie auch eine unzüchtige Verwendung und Götzendienst untauglich. Es heißt nämlich: eine Verderbtheit ist an ihnen, ein Gebrechen haftet ihnen an, und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, überall, wo es Verderben heißt, sei Unzucht und Götzendienst zu verstehen.
9Unzucht, denn es heißt: denn alles Fleisch hat seinen Wandel verderbt auf Erden; Götzendienst, denn es heißt: daß ihr nicht so verderbt handelt und euch ein Schnitzbild verfertigt. Da nun ein Gebrechen die [rote] Kuh untauglich macht, so machen sie auch eine unzüchtige Verwendung und Götzendienst untauglich.
10Der Text. Šila lehrte: Was ist der Grund R. Elie͑zers? Es heißt: sprich zu den Kindern Jisraél, daß sie nehmen, die Kinder Jisraél sollen nehmen, nicht aber sollen Nichtjuden nehmen. Es heißt ja aber auch: sprich zu den Kindern Jisraél, daß sie mir eine Hebe nehmen, ist etwa auch hierbei zu erklären: nur die Kinder Jisraél dürfen nehmen, nicht aber Nichtjuden!?
11Wolltest du sagen, dem sei auch so, so erzählte ja R. Jehuda im Namen Šemuéls: Sie fragten R. Elie͑zer, wie weit die [Pflicht der] Ehrung von Vater und Mutter reiche, und er erwiderte ihnen: Geht und sehet, was jener Nichtjude in Asqelon, namens Dama b. Nethina, für seinen Vater getan hat. Einst wollte man von ihm Edelsteine für das Schulterkleid kaufen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.