Avoda Sara — Blatt 25a
1Da stand die Sonne still und der Mond blieb stehen, bis das Volk Rache nahm an seinen Feinden. Das steht geschrieben im Buche der Rechtschaffenen. Was ist das für ein Buch der Rechtschaffenen? R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Das ist das Buch von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob, die Rechtschaffene genannt werden, denn es heißt: möchte ich den Tod der Rechtschaffenen sterben. —
2Wo ist dies in diesem angedeutet? — Seine Nachkommen werden in allen Völkern voll sein; als nämlich die Sonne für Jehošua͑ stehen geblieben war. Da blieb die Sonne mitten am Himmel stehen und beeilte sich nicht unterzugehen, fast einen ganzen Tag lang.
3Wie lange? R. Jehošua͑ b. Levi sagte, vierundzwanzig [Stunden]: sie ging sechs und blieb sechs stehen, sie ging sechs und blieb sechs stehen; der ganze Vorgang währte einen Tag.
4R. Elie͑zer sagte, sechsunddreißig: sie ging sechs und blieb zwölf stehen, sie ging sechs und blieb zwölf stehen; das Stehenbleiben allein währte einen vollen Tag. R. Šemuél b. Naḥmani sagte, achtundvierzig: sie ging sechs und blieb zwölf stehen, und darauf ging sie wieder sechs und blieb vierundzwanzig stehen. [Es heißt:] und sie beeilte sich nicht unterzugehen, fast einen ganzen Tag lang, wahrscheinlich stand sie vorher keinen ganzen Tag.
5Manche sagen, sie streiten über die Verlängerung; R. Jehošua͑ b. Levi sagte, vierundzwanzig [Stunden]: sie ging sechs und blieb zwölf stehen, sie ging sechs und blieb zwölf stehen; das Stehenbleiben währte einen vollen Tag. R. Elie͑zer sagte, sechsunddreißig; sie ging sechs und blieb zwölf stehen, ging sechs und blieb vierundzwanzig stehen, [denn es heißt:] sie beeilte sich nicht unterzugehen, fast einen ganzen Tag.
6R. Šemuél b. Naḥmani sagte, achtundvierzig: sie ging sechs und blieb vierundzwanzig stehen, sie ging sechs und blieb vierundzwanzig stehen; er vergleicht das Stehenbleiben mit dem Untergehen, wie das Untergehen einen vollen Tag währte, ebenso währte auch das Stehenbleiben einen vollen Tag.
7Es wird gelehrt: Wie die Sonne für Jehošua͑ stehen geblieben war, so war sie stehen geblichen auch für Moše und für Nikodemon b. Gorjon. Von Jehošua͑ wissen wir dies aus der Schrift, von Nikodemon b. Gorjon wissen wir dies durch eine Überlieferung, woher wissen wir dies von Moše? — Dies ist aus [dem Worte] anfangen zu entnehmen; bei ihm heißt es: ich will anfangen, Furcht vor dir zu geben, und dort, bei Jehošua͑, heißt es: ich will anfangen, dich zu verherrlichen.
8R. Joḥanan sagte: Dies ist aus [dem Worte] geben zu entnehmen; bei ihm heißt es: ich will anfangen, Furcht vor dir zu geben, und bei Jehošua͑ heißt es: am Tage, an dem der Herr den Emoriter gab.
9R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Dies ist aus dem angezogenen Schriftverse selbst zu entnehmen: sobald sie von dir hören, werden sie vor dir zittern und beben; wann zitterten und bebten sie? Als die Sonne für Moše stehen geblieben war.
10Man wandte ein:Und es hat weder früher noch später jemals einen solchen Tag gegebene!? — Wenn du willst, sage ich: es waren nicht so viele Stunden, und wenn du willst, sage ich: Hagelsteine waren bei ihm nicht [gefallen]. Es heißt nämlich: Als sie sich nun auf der Flucht vor den Jisraéliten auf dem Abstiege von Beth Ḥoron befanden, da ließ der Herr gewaltige Steine vom Himmel auf sie fallen, bis nach A͑zeqa, sodaß sie umkamen.
11Und er sprach: Man lehre die Söhne Jehudas den Bogen. Das steht geschrieben im Buche der Rechtschaffenen. Was ist das für ein Buch der Rechtschaffenen? R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Das ist das Buch von Abraham, Jiçḥaq und Ja͑qob, die Rechtschaffene genannt werden, denn es heißt: möchte ich den Tod der Rechtschaffenen sterben, und möchte mein Ende sein, wie das seinige. —
12Wo ist dies in diesem angedeutet? — Jehuda, dich werden preisen deine Brüder; deine Hand gegen das Genick deiner Feinde; bei welcher Kriegswaffe hält man die Hand gegen das Genick? Sage, beim Bogen.
13R. Elie͑zer sagte: Das ist das Buch Deuteronomium, und zwar heißt es deshalb das Buch der Rechtschaffenen, weil es in diesem heißt: und du sollst das tun, was rechtschaffen und gut ist in den Augen des Herrn. — Wo ist dies in diesem angedeutet? — Mit seinen Händen stritt er, und bei welcher Kriegswaffe sind beide Hände erforderlich? Sage, beim Bogen.
14R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Das ist das Buch der Richter, und zwar heißt es deshalb das Buch der Rechtschaffenen, weil es in diesem heißt: zu jener Zeit gab es keinen König in Jisraél; jeder tat, was rechtschaffen war in seinen Augen. — Wo ist dies in diesem angedeutet? — Um der Kenntnis der Geschlechter der Kinder Jisraél willen; um sie den Krieg zu lehren: welcher Krieg muß gelernt werden? Sage, der mit dem Bogen. —
15Woher, daß sich dies auf Jehuda bezieht? — Es heißt: wer von uns soll zuerst gegen den Kenaa͑niter ziehen, um gegen ihn zu kämpfen? Da sprach der Herr: Jehuda soll hinziehen.
16Da trug der Koch die Keule, und was darüber lag, und setzte sie Šaúl vor. Was ist das, was darüber lag? R. Joḥanan sagte: Keule und Fettschwanz, und er nennt es deshalb darüber liegendes, weil die Keule sich neben dem Fettschwanze befindet.
17R. Elie͑zer sagte: Keule und Brust, und er nennt es deshalb darüberliegendes, weil [der Priester] beim Schwingen die Brust auf die Keule legt und sie schwingt. R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Keule und Beckenknochen, und zwar nennt er es deshalb darüberliegendes, weil der Beckenknochen sich über der Keule befindet.
18EINE FRAU DARF MIT IHNEN NICHT ALLEIN SEIN. Von welchem Falle wird hier gesprochen: wollte man sagen, mit einem, so ist dies ja auch mit Jisraéliten verboten, denn wir haben gelernt, niemand dürfe mit zwei Frauen allein sein;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.