Avoda Sara — Blatt 27b

1weil er annimmt, daß er noch andere fragen werde; denn wie er ihn gefragt hat, so kann er auch andere fragen, und er würde sich dadurch schaden.

2Raba sagte im Namen R. Joḥanans, und wie manche sagen, sagte es R. Ḥisda im Namen R. Joḥanans: Ist es zweifelhaft, ob [der Kranke] leben oder sterben wird, so darf man ihn von ihnen nicht heilen lassen, ist es sicher, daß er sterben wird, so darf man ihn von ihnen heilen lassen. —

3Auch wenn er sicher sterben muß, ist ja eine kleine Lebensdauer zu berücksichtigen!? — Die kleine Lebensdauer wird nicht berücksichtigt. —

4Woher entnimmst du, daß die kleine Lebensdauer nicht berücksichtigt werde? — Es heißt: wenn wir uns vornehmen, in die Stadt hineinzugehen, so müssen wir, da dort Hungersnot ist, sterben; sie hatten ja noch eine kleine Lebensdauer vor sich? Wahrscheinlich wird die kleine Lebensdauer nicht berücksichtigt.

5Man wandte ein: Man darf mit den Minäern in keinerlei Verkehr stehen, auch darf man sich von ihnen keine Heilung angedeihen lassen, selbst für eine kleine Lebensdauer.

6Einst wurde Ben Dama, ein Schwesterssohn R. Jišma͑éls, von einer Schlange gebissen, und als Ja͑qob aus Rephar Sekhanja kam, um ihn zu heilen, ließ es R. Jišma͑él nicht zu. Da sprach jener zu ihm: Meister und Bruder Jišma͑él, laß ihn, auf daß ich durch ihn geheilt werde, und ich will dir aus einem Schriftverse in der Tora beweisen, daß dies erlaubt sei! Kaum hatte er dies gesprochen, als seine Seele aus fuhr und er starb.

7Hierauf sprach R. Jišma͑él über ihn: Heil dir, Ben Dama, dein Leib war rein und deine Seele ist in Reinheit ausgefahren; du hast die Worte deiner Kollegen nicht übertreten, denn sie sagten: wer einen Zaun niederreißt, den wird eine Schlange beißen!? —

8Anders ist die Häresie, diese ist verführerisch und man kann durch sie verleitet werden.

9Der Meister sagte: Du hast die Worte deiner Kollegen nicht übertreten, denn sie sagten: wer einen Zaun niederreißt, den wird eine Schlange beißen. Ihn selbst hatte ja eine Schlange gebissen!? — Die Schlange der Rabbanan, gegen die es keine Heilung gibt. —

10Was könnte er ihm sagen? —Er lebe durch sie, er sterbe nicht durch sie. —

11Und R. Jišma͑él!? — Dies nur heimlich, öffentlich aber nicht. Es wird nämlich gelehrt: R. Jišma͑él sagte: Woher, daß man, wenn man einen bei Todesandrohung zwingt, einen Götzen zu verehren, ihn verehre und sich nicht töten lasse? Es heißt: er lebe durch sie, er sterbe nicht durch sie. Man könnte glauben, auch öffentlich, so heißt es: entweiht meinen heiligen Namen nicht.

12Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Eine Wunde, derentwegen man den Šabbath entweihen darf, darf man von ihnen nicht heilen lassen. Manche lesen: Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.