Avoda Sara — Blatt 28a

1Eine innerliche Wunde darf man von ihnen nicht heilen lassende. — Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen bei der Rückseite der Hand und der Rückseite des Fußes; R. Ada b. Mathna sagte nämlich im Namen Rabhs, [eine Wunde auf der] Rückseite der Hand oder des Fußes gleiche einer innerlichen Wunde und man dürfe derentwegen den Šabbath entweihen.

2R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Wegen einer Wunde, derentwegen [der Kranke] zu schätzen ist, darf man den Šabbath entweihen. R. Šamen b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Heftiges Fieber gleicht einer innerlichen Wunde, und man darf dessentwegen den Šabbath entweihen. —

3Wo beginnt das Innere bei einer Wunde? R. Ami erklärte: Von der Lippe einwärts. R. Elie͑zer fragte: Wie verhält es sich mit den Backen- und Schneidezähnen; gilt es bei diesen, da sie hart sind, als äußerliche Wunde, oder gilt es bei diesen, da sie sich innerhalb befinden, als innerliche Wund?

4Abajje erwiderte: Komm und höre: Wer ein Zahnleiden hat, darf keinen Essig schlürfen. Also nur dann, wenn es sich um ein Leiden handelt, wenn man aber heftige Schmerzen hat, so ist es erlaubt. — Vielleicht versteht dieser Autor unter ‘Leiden’ auch heftige Zahnschmerzen. —

5Komm und höre: R. Joḥanan litt einst an Skorbut, da ging er hin zu einer Matrone und sie bereitete ihm ein [Heilmittel] am Donnerstag und am Freitag; darauf fragte er sie: Wie mache ich es morgen? Sie erwiderte: Dann hast du es nicht mehr nötig. — Was mache ich aber, wenn ich es nötig haben sollte? Da sprach sie zu ihm: Schwöre mir, daß du es niemand erzählen wirst. Da schwor er ihr: Dem Gott Jisraéls, ich erzähle es nicht. Alsdann verriet sie es ihm. Am folgenden Tage verriet er es in seinem Vortrag. —

6Er hatte ihr ja aber geschworen!? — Daß er es dem Gott Jisraéls nicht verraten werde, wohl aber seinem Volke Jisraél. — Dies ist ja eine Entweihung des göttlichen Namens!? — Er sagte es ihr vorher.

7Hieraus also, daß dies einer innerlichen Wunde gleicht!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Anders ist der Skorbut, er beginnt im Munde und endigt im Unterleibe. —

8Was ist das Symptom desselben? — Wenn etwas zwischen die Zähne gerät, so kommt Blut zwischen den [Zahn]reihen hervor. — Wovon kommt er? — Von sehr kalten Weizenspeisen, sehr heißen Gerstenspeisen und Resten der Bratfische. — Was bereitete sie ihm? R. Aḥa, der Sohn Rabas, erwiderte: Sauerteigsaft, Olivenöl und Salz. Mar, der Sohn Ašis, sagte: Gänsefett [bestrich sie ihm] mit einem Gänseflügel.

9Abajje sagte: Ich habe alles ausprobiert und wurde nicht gesund, als bis ein Araber mir folgendes empfahl. Man nehme Steine von Oliven, die ein Drittel [der Reife] noch nicht erreicht haben, verbrenne sie auf einem neuen Spaten und bestreiche damit die Zahnreihen. Nachdem ich dies tat, wurde ich gesund. —

10Wieso tat dies R. Joḥanan, Rabba b. Bai Ḥana sagte ja im Namen R. Joḥanans, man dürfe eine Krankheit, derentwegen man den Šabbath entweihen darf, von ihnen nicht heilen lassen!? — Anders ist es bei einem bedeutenden Manne. —

11Aber auch R. Abahu war ja ein bedeutender Mann, dennoch strich ihm Ja͑qob der Minäer Gift auf den Schenkel, und wenn R. Ami und R. Asi es nicht abgeleckt hätten, müßte man ihm den Schenkel amputieren!? —

12R. Joḥanan war selbst ein bewährter Arzt. — R. Abahu war ja ebenfalls ein bewährter Arzt!? — Anders war es bei R. Abahu, bei ihm sagten die Häretiker: ich will samt den Philistern sterben.

13Šemuél sagte: Eine Schwertwunde ist gefährlich und man darf derentwegen den Šabbath entweihen. — Welches Mittel gibt es dagegen? — Um das Blut zu stillen, verwende man Kresse in Essig, und zum Zusammenwachsen [des Fleisches] verwende man zerriebenes Gras und zerriebene Dornsträucher oder Würmer vom Misthaufen.

14R. Saphra sagte: Die Beerenblatter ist ein Vorbote des Todesengels. — Welches Mittel gibt es dagegen? — Raute mit Honig oder Eppich in starkem Weine. Auf jeden Fall nehme man eine Weinbeere desselben Aussehens und rolle sie auf diese, eine weiße für eine weiße und eine dunkle für eine dunkle.

15Raba sagte: Das Geschwür ist ein Vorbote des Fiebers. — Welches Mittel gibt es dagegen? — Man knipse darauf sechzigmal und reiße es kreuz und quer auf. Dies jedoch nur dann, wenn die Spitze nicht weiß ist, ist aber die Spitze weiß, so ist es nicht gefährlich.

16R. Ja͑qob hatte Schmerzen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.