Avoda Sara — Blatt 28b
1im After. Da verordnete ihm R. Ami, und wie manche sagen, R. Asi, folgendes: man lege sieben purpurrote Aloekörner in den Kragenausschnitt eines Hemdes, umwickle sie mit einem Haarbüschel, tauche es in weißes Harz, verbrenne es und bestreue sich damit. Währenddessen hole man Steine von Dorn fruchten und lege sie auf, Spalt gegen Spalt. —
2Dies, wenn die Schmerzen von außen sitzen, was mache man, wenn sie tief sitzen? — Man zerschmelze Talg von einer Ziege, die noch nicht geworfen hat, und bestreiche sich damit.
3Oder aber, man verbrenne drei im Schatten getrocknete Kürbisblätter und bestreue sich damit. Oder aber, man verwende die Klappen von Muscheltieren; oder auch den Bodensatz des Wachses, den man im Sommer in leinenen und im Winter in baumwollenen Lappen verwahre.
4R. Abahu hatte Ohrenschmerzen; da verordnete ihm R. Joḥanan [ein Mittel], und wie manche sagen, verordnete man es ihm im Lehrhause. — Was verordnete man ihm? — Das, was auch Abajje im Namen seiner Amme sagte, daß nämlich die Nieren nur als Heilmittel für das Ohr erschaffen worden sind. Ferner sagte auch Raba, der Arzt Minjomi habe ihm gesagt, jede Flüssigkeit sei für das Ohr schädlich, ausgenommen Nierensaft. Man reiße die Niere eines kahlen Ziegenbockes kreuz und quer auf und lege sie auf glimmende Kohlen, und die Flüssigkeit, die herauskommt, träufle man in das Ohr, weder kalt noch heiß, sondern lau.
5Oder man zerschmelze das Fett eines großen Käfers und träufle es ein. Oder man fülle das Ohr mit Öl, alsdann fertige man sieben Dochte aus Klee und befestige eine Zehe Knoblauch und ein Wollbüschel an das eine Ende und zünde es an, während man das andere Ende in das Ohr stecke; man halte das Ohr gegen das Feuer, hüte sich aber vor einem Zuge; man verbrauche den einen und nehme den anderen.
6Eine andere Lesart: Oder man bestreiche sieben Wolldochte mit Balsamöl und zünde das eine Ende an, während man das andere Ende in das Ohr stecke; man verbrauche den einen und nehme den anderen, hüte sich aber vor einem Zuge.
7Oder man lege gefärbtes, ungehecheltes Werg ins Ohr und halte es gegen das Feuer; man hüte sich aber vor einem Zuge. Oder man fülle ein altes, hundertjähriges Rohr mit Steinsalz, verbrenne es und bestreue damit. Ein Merkzeichen: Trockenes gegen Flüssiges und Flüssiges gegen Trockenes.
8Rabba b. Zuṭra sagte im Namen R. Ḥaninas: Man darf am Šabbath die Ohren aufrichten. R. Šemuél b. Jehuda lehrte, nur mit der Hand, nicht aber mit einer Salbe. Manche sagen, nur mit einer Salbe, nicht aber mit der Hand, weil dadurch eine Entzündung entstehen kann.
9R. Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs: Wenn ein Auge versagt, so darf man es am Šabbath mit Salbe bestreichen. Hieraus könnte man entnehmen, dies gelte nur von dem Falle, wenn die Salbe bereits am vergangenen Tage bereitet worden ist, jedoch sei verboten, sie am Šabbath zu bereiten und über öffentliches Gebiet zu tragen, aber ein Jünger namens R. Ja͑qob sprach zu ihm: Mir wurde von R. Jehuda ausdrücklich erklärt, es sei auch erlaubt, sie am Šabbath zu bereiten und über öffentliches Gebiet zu tragen.
10R. Jehuda erlaubte am Šabbath die Augen mit Salbe zu bestreichen. Da sprach R. Šemuél b. Jehuda: Wer wird Jehuda dem Šabbathschänder gehorchen!? Später erkrankte er selber an den Augen, und er ließ ihn fragen: Ist es erlaubt oder verboten? Dieser ließ ihm erwidern: Für die ganze Welt ist es erlaubt, für dich aber ist es verboten.
11Ich sagte es nicht als meine eigene Meinung, vielmehr stammt es von Meister Šemuél. Einst bekam nämlich eine Magd bei Meister Šemuél am Šabbath eine Augenentzündung; sie schrie, niemand aber beachtete sie. Später sprang ihr das Auge auf. Am folgenden Tage ging Meister Šemuél hinaus und trug vor: Wenn ein Auge versagt, so darf man es am Šabbath mit Salbe bestreichen. — Weshalb? — Die Sehkraft des Auges hängt mit den Herzkammern zusammen. —
12Wegen welcher [Krankheit] zum Beispiel? R. Jehuda erwiderte: Zum Beispiel Eiterung, Stechen, Blutung, Tränen und Entzündung; jedoch nur bei Beginn der Krankheit, nicht aber beim Abnehmen derselben, oder um das Auge zu klären.
13R. Jehuda sagte: Wer von einer Wespe oder einem Dorne gestochen wurde, oder ein Geschwür, Augenschmerzen oder Fieber hat, für den ist das Bad gefährlich. Rettich gegen Hitze und Mangold gegen Erkältung; das Entgegengesetzte ist gefährlich. Heißes gegen einen Skorpionstich und Kaltes gegen einen Wespenstich; das Entgegengesetzte ist gefährlich. Heißes gegen einen Dornstich und Kaltes
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.