Avoda Sara — Blatt 29a

1gegen den Schorf; das Entgegengesetzte ist gefährlich.

2Essig nach dem Aderlaß und kleine Fische nach dem Fasten; das Entgegengesetzte ist gefährlich. Kresse und Aderlaß ist gefährlich; Fieber und Aderlaß ist gefährlich; Augenschmerzen und Aderlaß ist gefährlich. Aderlaß am zweiten [Tage nach dem] Fischgenusse; Fischgenuß am zweiten [Tage nach dem] Aderlaß; am dritten aber ist es gefährlich.

3Die Rabbanan lehrten: Wer sich zur Ader gelassen hat, esse kein Fett, keinen Käse, keine Zwiebeln und keine Kresse. Hat er gegessen, so vermenge er, wie Abajje sagte, ein Viertellog Essig mit einem Viertellog Wein und trinke es, und wenn er seine Notdurft verrichtet, so wende er sich [nicht] nach der Ostseite der Stadt, weil der Geruch sehr schlecht ist.

4R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Man darf am Šabbath das Onqeli heilen. — Was ist Onqeli? R.Abba erwiderte: Der Lappen des Herzens. — Welches Mittel gibt es dagegen? — Kümmel, Feldkümmel, Minze, Wermut, Satureja und Ysop.

5Für das Herz mit Wein, und als Merkzeichen diene dir [der Schriftvers:] der Wein erheitert das Herz des Menschen. Gegen Wind mit Wasser, und als Merkzeichen diene dir [der Schriftvers:] und der Wind Gottes schwebte auf dem Wasser. Gegen Blutfluß [kuda] mit Met, und als Merkzeichen diene dir [der Schriftvers:] und ihr Krug [kada] auf ihrer Schulter.

6R. Aḥa, Sohn Rabas, zerrieb sie alle zusammen, nahm fünf Finger voll und trank es. R. Aši zerrieb jedes besonders, und nahm [von jedem eine Prise] mit dem großen und dem kleinen Finger. R. Papa sagte: Ich habe dies alles ausprobiert, wurde aber nicht gesund, bis mir ein Araber folgendes verordnete. Man fülle ein neues Gefäß mit Wasser und tue darin einen Löffel Honig, sodann hänge man es auf unter freiem Sternen[himmel] und trinke es am folgenden Tage. Ich tat dies und genas.

7Die Rabbanan lehrten: Sechs Dinge heilen den Kranken von seiner Krankheit, und seine Heilung ist eine wirkliche Heilung, und zwar: Kohl, Mangold, Saft von getrocknetem Sison, Magen, Gebärmutter und Lebernetz. Manche sagen, auch kleine Fische; und noch mehr, kleine Fische machen auch gedeihen und kräftigen den ganzen Körper des Menschen.

8Zehn Dinge bringen den Kranken zum Rückfalle in seine Krankheit, und seine Krankheit wird noch schwerer, und zwar: Ochsenfleisch, fettes [Fleisch], gebratenes Fleisch, Geflügel, gebackene Eier, Kresse, Haarschneiden, das Bad, Käse und Leber. Manche sagen, auch Nüsse, und manche sagen, auch Gurken. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Weshalb heißen sie Qišuín [Gurken]? Weil sie für den Körper des Menschen schädlich [qašin] sind wie Schwerter.

9MAN DARF SICH NIRGENDS VON IHNEN SCHEREN LASSEN. Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Jisraélit sich von einem Nichtjuden scheren läßt, so schaue er in den Spiegel; wenn ein Jisraélit einen Nichtjuden schert, so muß er, sobald er an den Schopf herankommt, die Hand davon lassen.

10Der Meister sagte, wenn ein Jisraélit sich von einem Nichtjuden scheren läßt, so schaue er in den Spiegel. In welchem Falle: wenn auf öffentlichem Gebiete, so ist ja kein Spiegel nötig, und wenn auf Privatgebiet, was nützt ihm das Schauen!? — Tatsächlich auf Privatgebiet, wenn er aber in den Spiegel schaut, erscheint er ihm als hochgestellter Mann.

11R. Ḥana b. Bizna ließ sich in einer Nebengasse von Nehardea͑ von einem Nichtjuden scheren. Da sprach dieser zu ihm: Ḥana, Ḥana, dein Hals paßt für das Schermesser! Hierauf sagte er: Geschieht mir recht, denn ich habe die Ansicht R. Meírs übertreten. —

12Etwa nicht auch die der Rabbanan, die Rabbanan erlauben es ja nur auf öffentlichem Gebiete, erlauben sie es etwa auch auf Privatgebiet!? — Er glaubte, die Nebenstraßen von Nehardea͑ gelten, da dort die Menge verkehrt, als öffentliches Gebiet.

13«Wenn ein Jisraélit einen Nichtjuden schert, so muß er, sobald er an den Schopf herankommt, die Hand davon lassen.» Bei welcher Entfernung? R. Malkeja sagte im Namen des R. Ada b. Ahaba: Drei Finger auf jeder Seite.

14R. Ḥanina, Sohn des R. Iqa, sagte: [Die Lehren vom] Spieße, von den Sklavinnen und von den Grübchen sind von R. Malkiju; [die Lehren] vom Schopfe, von der Asche und vom Käse sind von R. Malkija.

15R. Papa sagte: Auf eine Mišna oder eine Barajtha bezügliches ist von R. Malkija, selbständige Lehren sind von R. Malkiju; als Merkzeichen diene dir: die Mišna ist Königin [Malketha]. — Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen bei [der Lehre von] den Sklavinnen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.