Avoda Sara — Blatt 30a
1und wenn wegen des Umtauschens, so wird er, da ein Siegel vorhanden ist, sich nicht bemühen, dieses zu fälschen.
2Die Rabbanan lehrten: Gekochter Wein und Ölwein von Nichtjuden sind verboten; Ölwein in seinem ersten Zustande ist erlaubt. — Was ist Ölwein? — Dies wird beim Šabbathgesetze gelehrt: Man darf Honigwein bereiten, jedoch keinen Ölwein. Was ist Honigwein und was ist Ölwein? — Honigwein ist ein Gemisch von Wein, Honig und Pfeffer, Ölwein ist ein Gemisch von altem Wein, klarem Wasser und Balsam, das in Bädern [zur Kühlung] verwendet wird.
3Raba und R. Joseph sagten beide: Beim verdünnten Wein gibt es kein Offenstehen und beim gekochten Weine gibt es keine Libierung. Sie fragten: Gibt es beim gekochten Weine ein Offenstehen oder nicht? — — Komm und höre: R. Ja͑qob b. Idi bekundete, daß es beim gekochten Weine kein Offenstehen gebe.
4R. Jannaj b. Jišma͑él erkrankte, und R. Jišma͑él b. Zerud und die Jünger besuchten ihn, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen; da warfen sie die Frage auf, ob es beim gekochten Weine ein Offenstehen gebe oder nicht. Da sprach R. Jišma͑él b. Zerud zu ihnen: Folgendes sagte R. Šimo͑n b. Laqiš im Namen eines großen Mannes, das ist R. Ḥija: beim gekochten Weine gibt es kein Offenstehen. Jene fragten: Können wir uns darauf verlassen? Da zeigte R. Jannaj: auf meine Verantwortung.
5Einst saßen Šemuél und Ableṭ und man reichte ihnen gekochten Wein; da zog [Ableṭ] seine Hand zurück. Da sprach Šemuél zu ihm: Sie sagten, bei gekochtem Weine gebe es keine Libierung.
6Einst ließ eine Magd R. Ḥijas gekochten Wein offen stehen, und als sie darauf zu R. Ḥija kam, sprach er zu ihr: Sie sagten, beim gekochten Weine gebe es kein Offenstehen. Der Diener des R. Ada b. Ahaba ließ einst verdünnten Wein offen stehen, und dieser sprach zu ihm: Sie sagten, beim verdünnten Wein gebe es kein Offenstehen.
7R. Papa sagte: Dies gilt nur von solchem, der stark verdünnt ist, von nicht stark verdünntem aber trinkt [die Schlange] wohl. — Trinkt sie denn von nicht stark verdünntem, Rabba b. R. Hon a reiste ja einst auf einem Schiffe und hatte Wein bei sich, und als er eine Schlange heranschleichen sah, sagte er zu seinem Diener, daß er sie vertreibe, und als dieser darauf ein wenig Wasser hineingoß, kehrte sie um!? —
8Für reinen begibt sie sich in Gefahr, für verdünnten begibt sie sich nicht in Gefahr. —
9Begibt sie sich denn für verdünnten nicht in Gefahr, einst war ja R. Jannaj, nach anderen Bar Hedja, bei A͑khbori und trank da verdünnten Wein; ein Teil blieb in der Kanne zurück und diesen bedeckten sie mit einem Tuche; hierauf bemerkte er, wie eine Schlange Wasser nahm und in die Kanne tat, bis sie voll war und der Wein über das Tuch stieg, und dann davon trank!? —
10Ich will dir sagen, verdünnt sie ihn selber, so trinkt sie solchen, verdünnen ihn andere, so trinkt sie ihn nicht.
11R. Aši, nach anderen R. Mešaršeja, sprach: Erörterungen über eine Gefahr!? Raba sagte: Die Halakha ist, bei verdünntem Weine gebe es sowohl Offenstehen als auch Libierung, bei gekochtem Weine gebe es weder Offenstehen noch Libierung.
12Der Diener des R. Ḥilqija b. Ṭobi ließ einst ein Gefäß Wasser offen stehen und schlief daneben. Als er darauf zu R. Ḥilqija b. Ṭobi kam, sprach dieser zu ihm: Sie sagten, daß [die Schlangen] sich vor einem Schlafenden fürchten; dies jedoch nur am Tage, nicht aber nachts. Das ist aber nichts; wir nehmen nicht an, daß sie sich vor einem Schlafenden fürchten, einerlei ob am Tage oder nachts.
13Rabh trank nicht vom [Wasser] eines Nichtjuden, denn er sagte, sie achten nicht auf das Offenstehen; bei Witwen aber trank er wohl, denn er sagte, sie haben die Gepflogenheit ihrer Männer beibehalten.
14Šemuél trank kein [Wasser] bei Witwen, denn er sagte, ihnen fehlt die Furcht vor den Männern und sie decken das Wasser nicht zu; bei Nichtjuden aber trank er wohl, denn obgleich sie auf das Offenstehen nicht achten, so achten sie auf Reinlichkeit. Manche sagen: Rabh trank kein Wasser bei Nichtjuden, wohl aber trank er es bei Witwen; Šemuél trank weder bei Nichtjuden noch bei Witwen.
15R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es gibt drei Arten Wein, bei denen es kein Offenstehen gibt und zwar: der herbe, der bittere und der süße. Der herbe, ein den Schlauch sprengender Wein; der bittere, der Kräuterwein; der süße, der ganz süße. R. Ḥama bezeichnete sie als bevorzugt: der herbe, Pfefferwein; der bittere, Absinth; der süße, der vorzügliche Wein.
16R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Beim Kariana ist das Offenstehen nicht zu berücksichtigen. — Was ist Kariana? R. Abahu erwiderte: Süßer Wein, der aus Asia kommt. Raba sagte: In seiner Heimat gibt es bei diesem wohl ein Offenstehen, denn da ist er Lokalgetränk. Raba sagte: Beim Weine, der säuerlich geworden ist, gibt es drei Tage Offenstehen und Libierung,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.