Avoda Sara — Blatt 35a

1demnach ist der Mist von zur Nutznießung verbotenen Tierenerlaubt.

2Und ferner begründete der eine: weil sie ihn durch das Lab von götzendienstlich verwandten Kälbern gerinnen lassen, und der andere erwiderte ihm, weshalb sie ihn demnach nicht auch für die Nutznießung verboten haben; demnach ist der Mist von götzendienstlich [verwandten Tieren] verboten. —

3Sollte er ihm doch erwidert haben, weil das Verbotene nicht mehr in seiner Beschaffenheit erhalten ist,

4denn auch die Fischtunke haben die Rabbanan deshalb nicht verboten, weil das Verbotene nicht mehr in seiner Beschaffenheit erhalten ist!? —

5Ich will dir sagen, da man ihn mit diesem gerinnen läßt, so ist es ebenso als würde das Verbotene noch in seiner Beschaffenheit erhalten sein.

6DA LENKTE IHN DIESER AUF EINE ANDERE SACHE AB &C. Was bedeuten [die Worte:] denn besser ist deine Liebe als Wein? Als R. Dimi kam, erklärte er: Die Gemeinschaft Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, angenehmer sind mir die Worte deiner Lieben als der Wein der Tora.

7Weshalb fragte er ihn gerade über diesen Vers? R. Šimo͑n b. Pazi, nach anderen R. Šimo͑n b. Ami, erwiderte: Er hatte ihm mit dem Beginne des Schriftverses erwidert: er küsse mich mit den Küssen seines Mundes. Er sprach nämlich zu ihm: Bruder Jišma͑él, schließe deine Lippen an einander und sei nicht voreilig, mich zu widerlegen. —

8Weshalb nicht? U͑la, nach anderen R. Šemuél b. Abba, erwiderte: Dies war eine neue Verordnung und sollte nicht angezweifelt werden. — Worauf stützte sich die Verordnung? R. Šimo͑n b. Pazi erwiderte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Wegen des Annagens. —

9Sollte er ihm doch erwidert haben: wegen des Annagens!? — Dies nach U͑la, denn U͑la sagte: Wenn sie im Westen eine Verordnung treffen, so geben sie ein Jahr von zwölf Monaten den Grund nicht an, weil jemand ihn vielleicht nicht anerkennen und sie mißachten könnte.

10R. Jirmeja schimpfte hierüber: demnach sollte doch trockener erlaubt sein, alter erlaubt sein, denn R. Ḥanina sagte, trockener sei erlaubt, weil [das Gift] ihn nicht trocken werden lasse, alter sei erlaubt, weil es ihn nicht alt werden lasse!?

11Vielmehr, erklärte R. Ḥanina, weil es nicht möglich ist, daß keine Milchtropfen zurückbleiben. Šemuél erklärte: Weil man ihn mit der Haut das Labes von Aastieren gerinnen läßt,

12wenn aber mit dem Labe selbst, so ist er erlaubt. — Kann Šemuél dies denn gesagt haben, wir haben ja gelernt, das Lab von nichtjüdischen [Tieren] und von Äsern sei verboten,

13und auf unseren Einwand, von Nichtjuden [Geschlachtetes] sei ja ebenfalls Aas,

14erwiderte Šemuél, dies gehöre zusammen: das Lab des von einem Nichtjuden Geschlachteten sei Aas und verboten!? —

15Das ist kein Einwand;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.