Avoda Sara — Blatt 40a
1Wenn es sogar bei einem Kilbith erlaubt ist, wozu braucht er es von zwei zu lehren!? – Das ist kein Einwand; eines, wenn [das Gefäß] offen ist, und eines, wenn es geschlossen ist.
2Es wurde gelehrt: R. Hona sagte, wenn Kopf und Gerippe kenntlich sind, R. Naḥman sagte, wenn Kopf oder Gerippe kenntlich ist. R. U͑qaba b. Ḥama wandte ein: Fische [sind rein], wenn sie Flossen und Schuppen haben!? Abajje erwiderte: Dies gilt von Ara und Palmuda, deren Köpfe denen der unreinen [Fische] ähnlich sind.
3R. Jehuda sagte im Namen U͑las: Sie streiten nur über den Fall, wenn man [Speisen] in die Fischlake eintauchen will, hinsichtlich des Rumpfes aber sind alle der Ansicht, nur wenn Kopf und Gerippe kenntlich sind. R. Zera sagte: Früher pflegte ich in Fischlake einzutauchen, seitdem ich aber das gehört habe, was R. Jehuda im Namen U͑las gesagt hat, daß sie nämlich nur über den Fall streiten, wenn man in die Fischlake eintauchen will, während hinsichtlich des Rumpfes alle übereinstimmen, nur wenn Kopf und Gerippe kenntlich sind, tauche ich auch nicht in die Lake ein.
4R. Papa sagte: Die Halakha ist, nur wenn Kopf und Gerippe von jedem besonders kenntlich ist. Man wandte ein: Wenn sich an Stücken [Fischen] ein Zeichen befindet, einerlei ob an allen oder an einzelnen, selbst wenn nur an einem von hundert, so sind alle erlaubt. Einst brachte ein Nichtjude ein Faß mit [Fisch-]stücken, und an einem befand sich ein Zeichen; da erlaubte R. Šimo͑n b. Gamliél das ganze Faß!?
5R. Papa erwiderte: Wenn alle Stücke zusammenpassen. – Wozu braucht dies demnach gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, man befürchte, dies sei Zufall, so lehrt er uns.
6Einst kam ein Schiff mit Çaḥantha in Sikhra an; da ging R. Hona b. Ḥenana hin, und als er an diesen Schuppen bemerkte, erlaubte er sie. Raba sprach zu ihm: Wer würde es in einem solchen Falle erlauben, weil Schuppen vorhanden sind!? Hierauf erfolgte eine Bekanntmachung Rabas, daß sie verboten sind, und eine Bekanntmachung des R. Hona b. Ḥenana, daß sie erlaubt sind.
7R. Jirmeja aus Diphte sagte: Mir sagte R. Papi, R. Hona b. Ḥenana habe nur die Fischlake erlaubt, nicht aber die Fische selbst. R. Aši sagte: mir sagte R. Papa, R. Hona b. Ḥenana habe auch die Fische selbst erlaubt.
8Ich würde sie nicht verbieten, weil mir R. Papa dies sagte, und auch nicht erlauben, weil R. Jehuda im Namen U͑las sagte, daß sie nur über das Eintauchen in die Fischlake streiten, während hinsichtlich der Fische selbst alle übereinstimmen, daß Kopf und Gerippe von jedem einzelnen kenntlich sein müsse.
9R. Ḥenana b. Idi saß vor R. Ada b. Ahaba und trug vor: Wenn ein Nichtjude ein Boot mit Fässern bringt und in einem ein Kilbith sich findet, so sind, wenn sie offen sind, alle erlaubt, und wenn sie geschlossen sind, das eine erlaubt und alle übrigen verboten. Dieser fragte: Woher weißt du dies? – Ich hörte es von drei Gelehrten: Rabh, Šemuél und R. Joḥanan.
10R. Beruna sagte im Namen Rabhs: Eingeweide und Rogen von Fischen dürfen nur von einem Zuverlässigen gekauft werden. U͑la wies R. Dostaj aus Biri auf einen Widerspruch hin: Wenn Rabh sagt, Eingeweide und Rogen von Fischen dürfen nur von einem Zuverlässigen gekauft werden, so ist ja zu entnehmen, daß ein unreiner Fisch Rogen habe, und dem widersprechend wird gelehrt, ein unreiner Fisch werfe Junge und ein reiner Fisch werfe Eier!? –
11Streiche hier [das Wort] Rogen. R. Zera erwiderte: Streiche es nicht; beide werfen sie Rogen aus, nur entwickelt sich die Brut bei dem einen außerhalb und beim andern entwickelt sie sich innerhalb. –
12Weshalb nur von einem Zuverlässigen, man kann ja die Zeichen untersuchen!? Es wird nämlich gelehrt: Ähnlich den Zeichen bei den Eiern sind auch die Zeichen bei den Fischen. – ‘Die Zeichen bei den Fischen’, wie kommst du darauf, bei den Fischen sind es ja Flossen und Schuppen!? – Vielmehr: ähnlich den Zeichen bei den Eiern sind auch die Zeichen beim Rogen der Fische. –
13Folgende sind die Zeichen bei den Eiern: wenn es kegelig und rund ist, das eine Ende bauchig und das andere Ende spitz, so ist es rein, sind beide Enden spitz oder beide bauchig, so ist es unrein; befindet sich der Dotter außerhalb und das Weiße innerhalb, so ist es unrein, befindet sich das Weiße außerhalb und der Dotter innerhalb, so ist es rein; sind das Weiße und der Dotter durcheinander vermischt, so ist es das Ei eines Kriechtieres. Raba erwiderte: Wenn es zerrieben ist. –
14Wie ist nach R. Dostaj aus Biri, welcher sagt, daß man [das Wort] Rogen streiche, zu erklären die Lehre:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.