Avoda Sara — Blatt 42a
1eines Bedrückers in Rimmon eine Fehlgeburt in eine Grube, und ein Priester kam und schaute hinein, um zu sehen, ob sie eine männliche oder eine weibliche sei; als die Sache vor die Weisen kam, erklärten sie ihn als rein, weil da Wiesel und Iltisse vorhanden waren.
2Da hatte sie ja die Fehlgeburt zweifellos hineingeworfen, dagegen war es zweifelhaft, ob sie sie verschleppt hatten oder nicht verschleppt hatten, und das Zweifelhafte brachte es aus dem Zustande des Zweifellosen!? –
3Sage nicht: sie warf eine Fehlgeburt in eine Grube, sondern: sie warf eine Art Fehlgeburt in eine Grube. –
4Es heißt ja aber: um zu sehen, ob sie eine männliche oder eine weibliche sei!? –
5Er meint es wie folgt: um zu sehen, ob es nur ein Windei oder eine Fehlgeburt sei, und wenn eine Fehlgeburt, ob sie eine männliche oder eine weibliche sei.
6Wenn du aber willst, sage ich: da dort Wiesel und Iltisse vorhanden waren, so hatten sie sie zweifellos verschleppt.
7Er wandte ferner gegen ihn ein: Findet man die Figur einer Hand oder die Figur eines Fußes, so sind sie verboten, weil solche angebetet werden. Weshalb denn, es sind ja nur Bruchstücke!? –
8Šemuél erklärte ja, wenn sie auf ihrem Sockel stehen.
9Er wandte ferner gegen ihn ein: Ein Nichtjude kann seinen Götzen und den Götzen seines Nächsten entheiligen, ein Jisraélit aber kann den Götzen eines Nichtjuden nicht entheiligen. Weshalb denn, es sollte doch ebenso sein, als würde der Götze von selbst zerbrochen worden sein!?
10Abajje erwiderte: Wenn er ihn nur zusammengeschlagen hat. – Was ist denn dabei, daß er ihn nur zusammengeschlagen hat, wir haben ja gelernt, wenn man ihn zusammengeschlagen hat, auch wenn er von ihm nichts abgeschlagen, sei er entheiligt!? –
11Dies nur, wenn ein Nichtjude ihn zusammengeschlagen hat, hat ihn aber ein Jisraélit nur zusammengeschlagen, so ist er nicht entheiligt.
12Raba erwiderte: Tatsächlich ist er entheiligt, auch wenn ein Jisraélit ihn nur zusammengeschlagen hat, nur ist hierbei berücksichtigt worden, er könnte ihn hochheben und erst nachher entheiligen; in diesem Falle befindet sich der Götze im Besitze des Jisraéliten, und ein Götze im Besitze eines Jisraéliten kann nie entheiligt werden.
13Er wandte ferner gegen ihn ein: Wenn ein Nichtjude Steine von einem Merkurius-Haufen holt und mit diesen Wege und Straßen pflastert, so sind sie erlaubt; wenn aber ein Jisraélit Steine von einem Merkurius-Haufen holt und mit diesen Wege und Straßen pflastert, so sind sie verboten. Weshalb denn, es sollte doch ebenso sein, als würde der Götze von selbst zerbrochen worden sein!? –
14Dies ist ebenfalls nach Raba zu erklären.
15Er wandte ferner gegen ihn ein: Hat ein Nichtjude einen Götzen für seinen eigenen Bedarf behobelt, so ist dieser samt den Hobelspänen erlaubt, wenn aber im Interesse [des Götzen], so ist dieser selbst verboten und die Hobelspäne erlaubt. Hat aber ein Jisraélit einen Götzen behobelt, einerlei ob für seinen eigenen Bedarf oder im Interesse [des Götzen], so ist dieser samt den Hobelspänen verboten. Weshalb denn, es sollte ja ebenso sein, als würde er von selbst zerbrochen worden sein!? –
16Dies ist ebenfalls nach Raba zu erklären.
17Er wandte ferner gegen ihn ein: R. Jose sagt, man zerreibe sie und zerstreue sie in den Wind oder werfe sie ins Meer. Sie erwiderten ihm: Dann werden sie ja in Dung verwandelt, und es heißt: nichts vom mit dem Banne Belegten soll an deiner Hand kleben bleiben. Weshalb denn, es sollte ja ebenso sein, als würde der Götze von selbst zerbrochen worden sein!? –
18Dies ist ebenfalls nach Raba zu erklären.
19Er wandte ferner gegen ihn ein: R. Jose b. Jasjan sagte: Wenn man die Figur eines Drachen findet, von der der Kopf entfernt worden ist, und es zweifelhaft ist, ob ein Nichtjude oder ein Jisraélit ihn entfernt hat, so ist sie erlaubt; hat sicher ein Jisraélit ihn entfernt, so ist sie verboten. Weshalb denn, dies sollte ja ebenso sein, als würde der Götze von selbst zerbrochen worden sein!? –
20Dies ist ebenfalls nach Raba zu erklären.
21Er wandte ferner gegen ihn ein: R. Jose sagt, auch kein Grünkraut in der Regenzeit, weil das Laub auf dieses fällt. – Weshalb denn, es sollte ja ebenso sein, als würde der Götze von selbst zerbrochen worden sein!?
22Anders ist es hierbei, wo der Götze selbst bestehen bleibt. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.