Avoda Sara — Blatt 42b

1Aber beim Behobeln bleibt ja ebenfalls der Götze selbst bestehen, dennoch lehrt er, wenn dies im Interesse [des Götzen] geschieht, sei dieser verboten und die Hobelspäne erlaubt!?

2R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, erwiderte: Ein Götze wird durch seine natürliche Entwicklung nicht entheiligt.

3R. Šimo͑n b. Laqiš wandte gegen R. Joḥanan ein: Von einem Neste auf einem dem Heiligtume gehörenden Baume darf man nichts genießen, jedoch begeht man daran keine Veruntreuung; ein auf einer Ašera befindliches darf man mit einer Stange herunterschlagen.

4Er glaubte, es handle sich um den Fall, wenn [der Vogel] vom [Baume] Holz abgebrochen und daraus ein Nest gebaut hat, und er lehrt, daß man es mit einer Stange herunterschlagen dürfe!? –

5Hier handelt es sich um den Fall, wenn [der Vogel] Holz von anderwärts geholt und daraus ein Nest gemacht hat. –

6Dies ist auch zu beweisen: er lehrt vom Heiligen, man dürfe davon nichts genießen und man begehe daran keine Veruntreuung. Einleuchtend ist es, daß man vom Heiligen nichts genießen dürfe und daran keine Veruntreuung begehe, wenn du sagst, dies gelte von dem Falle, wenn er Holz von anderwärts geholt hat; man darf davon nicht genießen, rabbanitisch, und man begeht daran keine Veruntreuung, nach der Tora, weil [das Holz] nicht heilig ist;

7weshalb aber begeht man daran keine Veruntreuung, wenn du sagst, dies gelte von dem Falle, wenn er Holz von diesem [Baume] abgebrochen und daraus ein Nest gemacht hat, es ist ja heilig!? –

8Dies beweist nichts; denn hier handelt es sich um das, was später zugewachsen ist, und er ist der Ansicht, man begehe am Zugewachsenen keine Veruntreuung.

9R. Abahu erklärte im Namen R. Joḥanans: Unter ‘herunterschlagen’ ist zu verstehen, man dürfe die jungen Vögel herunterholen.

10R. Ja͑qob sprach zu R. Jirmeja b. Taḥlipha: Ich will es dir erklären: die jungen Vögel sind von beiden erlaubt, die Eier sind von beiden verboten. R. Aši sagte: Junge Vögel, die noch der Mutter benötigen, gleichen Eiern.

11FINDET MAN GERÄTE, WORAUF DAS BILD DER SONNE, DES MONDES ODER EINES DRACHEN SICH BEFINDET, SO WERFE MAN SIE INS SALZMEER. R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, AUF LUXURIÖSEN SIND SIE VERBOTEN, AUF GEMEINEN SIND SIE ERLAUBT.

12GEMARA. Demnach beten sie nur diese an, andere aber nicht; ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wenn jemand im Namen von Seen, Flüssen, Wüsten, der Sonne, des Mondes, der Sterne, der Planeten, des Erzengels Mikhaél oder eines kleines Würmchens geschlachtet hat, so ist es ein Totenopfer!?

13Abajje erwiderte: Anbeten tun sie alles, was sie finden, abbilden und anbeten tun sie nur diese drei, die in besonderer Achtung stehen; alles andere aber bilden sie nur zur Verzierung ab.

14R. Šešeth faßte die Erschwerungen der [diesbezüglichen] Lehren zusammen und lehrte wie folgt: Alle Planeten sind erlaubt, ausgenommen Sonne und Mond; alle Abbildungen sind erlaubt, ausgenommen die Abbildung eines Menschen; alle Figuren sind erlaubt, ausgenommen die Figur eines Drachen.

15Der Meister sagte: Alle Planeten sind erlaubt, ausgenommen Sonne und Mond. Wovon wird hier gesprochen, wollte man sagen, von der Anfertigung, so kann ja die Anfertigung aller Planeten nicht erlaubt sein, denn es heißt: ihr sollt neben mir nicht fertigen, ihr dürft nicht fertigen Abbildungen meiner Dienstlinge, die droben vor mir Dienst tun!?

16Doch wohl vom Finden, wie wir auch gelernt haben, wer Geräte findet, worauf das Bild der Sonne, des Mondes oder eines Drachen sich befindet, werfe sie ins Salzmeer.

17Wie ist nun, wenn vom Finden, der Mittelsatz zu erklären: alle Abbildungen sind erlaubt, ausgenommen die Abbildung eines Menschen; ist denn, wenn man die Abbildung eines Menschen findet, diese verboten, wir haben ja gelernt, wer Geräte findet, worauf das Bild der Sonne, des Mondes oder eines Drachen sich befindet, werfe sie ins Salzmeer; nur diese, nicht aber die Abbildung eines Menschen!?

18Doch wohl von der Anfertigung, und zwar nach R. Hona, dem Sohne des R. Jehošua͑.

19Wie ist nun, wenn von der Anfertigung, der Schlußsatz zu erklären: alle Figuren sind erlaubt, ausgenommen die Figur eines Drachen; kann denn die Anfertigung der Figur eines Drachens verboten sein, es heißt ja: ihr sollt neben mir nicht fertigen Götter aus Silber und Götter aus Gold,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.