Avoda Sara — Blatt 43a
1nur diese nicht, wohl aber die Figur eines Drachen!?
2Doch wohl vom Finden, wie wir auch gelernt haben, wer Geräte findet, worauf das Bild der Sonne sich befindet &c.
3Der Anfangsatz und der Schlußsatz sprechen also vom Finden und der Mittelsatz von der Anfertigung!?
4Abajje erwiderte: Allerdings, der Anfangsatz und der Schlußsatz sprechen vom Finden und der Mittelsatz spricht von der Anfertigung.
5Raba erwiderte: Alle sprechen sie vom Finden, der Mittelsatz aber vertritt die Ansicht R. Jehudas, denn es wird gelehrt: R. Jehuda fügte noch die Figur der Amme und des Serapis hinzu. Die Amme symbolisiert Ḥava, die die ganze Welt säugt, und der Serapis deutet auf Joseph, der die ganze Welt beherrschte und befriedigte. Jedoch nur, wenn er einen Scheffel hält und mißt, und wenn sie ein Kind hält und säugt.
6Die Rabbanan lehrten: Welches ist die Figur eines Drachen? R. Šimo͑n b. Elea͑zar erklärte: Wenn er Flossen an den Gelenken hat. R. Asi zeigte: an den Halsgelenken. R. Ḥama b. Ḥanina sagte: Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Elea͑zar.
7Rabba b. Bar Ḥana erzählte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Einst folgte ich R. Elea͑zar ha-Qappar Berabbi auf dem Wege und er fand einen Siegelring, auf dem die Figur eines Drachen sich befand. Als er hierauf ein nichtjüdisches Kind traf, sagte er zu ihm nichts, dann aber traf er einen erwachsenen Nichtjuden, und er forderte diesen auf, ihn zu entheiligen, dieser tat es aber nicht; da versetzte er ihm eine Ohrfeige, und er entheiligte ihn.
8Hieraus ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß ein Nichtjude seinen Götzen und den Götzen eines anderen entheiligen könne; es ist zu entnehmen, daß nur jemand, der die Bedeutung des Götzen und seiner Dienstart kennt, ihn entheiligen könne, nicht aber jemand, der sie nicht kennt; und es ist zu entnehmen, daß ein Nichtjude [einen Götzen] auch gezwungen entheiligen könne.
9R. Abahu schimpfte hierüber: hält denn R. Elea͑zar ha-Qappar Berabbi nichts von der folgenden Lehre!? Wenn jemand etwas vor einem Löwen, einem Bären, einem Panther, einer Räuberbande, einem Strome, der Meeresflut oder der Überschwemmung eines Flusses rettet, oder etwas auf öffentlichen Straßen, großen Plätzen oder sonst einem Platze, wo die Menge verkehrt, findet, so gehört es ihm, weil der Eigentümer sich davon losgesagt hat!?
10Abajje erwiderte: Zugegeben, daß [der Verlierende] sich davon losgesagt hatte, seine Eigenheit aber hatte er nicht aufgegeben, denn er dachte: wenn ein Nichtjude ihn finden wird, so wird er ihn anbeten, und wenn ihn ein Jisraélit finden wird, so wird er ihn, da er wertvoll ist, einem Nichtjuden verkaufen und dieser ihn anbeten.
11Dort haben wir gelernt: R. Gamliél hatte in seinem Söller Abbildungen von Mondfiguren auf einer Tafel an der Wand; diese zeigte er den Unkundigen, indem er zu ihnen sprach: Habt ihr ihn so gesehen? Oder so?
12Ist dies denn erlaubt, es heißt ja: ihr sollt neben mir nicht fertigen, ihr dürft nicht fertigen Abbildungen meiner Dienstlinge, die vor mir Dienst tun!?
13Abajje erwiderte: Die Tora hat nur [die Abbildung] von Dienstlingen verboten, wie man solche anfertigen kann.
14Es wird nämlich gelehrt: Man darf nicht ein Haus in der Form des Tempels bauen, eine Vorhalle in der Form der Tempelhalle, einen Hof in der Form des Tempelhofes, einen Tisch in der Form des Tisches, einen Leuchter in der Form des Leuchters. Einen solchen darf man fünf-, sechs- und achtarmig machen, nicht aber siebenarmig, auch nicht aus anderem Metalle.
15R. Jose b. Jehuda sagt, nicht einmal aus Holz, denn daraus machten ihn die Könige des Ḥasmonäischen Hauses.
16[Die Weisen] erwiderten ihm: Ist hieraus ein Beweis zu entnehmen!? Es waren eiserne Stäbe, die sie mit Holz verkleideten; als sie reicher wurden, fertigten sie ihn aus Silber, und als sie noch reicher wurden, fertigten sie ihn aus Gold. –
17Ist denn [die Abbildung von] Dienstlingen, wie man solche nicht fertigen kann, erlaubt, es wird ja gelehrt: Ihr sollt neben mir nicht fertigen, ihr dürft keine Abbildungen meiner Dienstlinge fertigen, die droben Dienst vor mir tun!?
18Abajje erwiderte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.