Avoda Sara — Blatt 43b

1Die Tora hat nur die Abbildung der vier Gesichter zusammen verboten. –

2Demnach sollte doch das Gesicht eines Menschen allein erlaubt sein, wieso wird nun gelehrt, alle Gesichter seien erlaubt, ausgenommen das Menschengesicht!?

3R. Jehuda, Sohn des R. Jehošua͑, erwiderte: Ich weiß es aus einem Vortrage R. Jehošua͑s: Ihr sollt neben mir [iti] nicht fertigen, [dies heißt:] ihr sollt mich [oti] nicht abbilden, andere Dienstlinge aber sind erlaubt. –

4Sind denn andere Dienstlinge erlaubt, es wird ja gelehrt: Ihr sollt neben mir nicht fertigen, ihr dürft keine Abbildung meiner Dienstlinge fertigen, die droben Dienst vor mir tun, wie Ophanim, Seraphim, die heiligen Tiere und die Dienstengel!?

5Abajje erwiderte: Die Tora hat nur die Dienstlinge der obersten Himmelswölbung verboten. –

6Sind denn solche aus der unteren Himmelswölbung erlaubt, es wird ja gelehrt: Die sich im Himmel befinden, dies schließt Sonne, Mond, Sterne und Planeten ein; oben, dies schließt die Dienstengel ein!? –

7Diese Lehre spricht von der Anbetung. –

8Anzubeten ist ja auch ein kleines Würmchen verboten!? – Dem ist auch so, und dies geht aus dem Schlusse des Schriftverses hervor, denn es wird gelehrt: Was sich auf der Erde befindet, dies schließt Seen und Flüsse, Berge und Hügel ein; unten, dies schließt selbst ein kleines Würmchen ein. –

9Ist denn die bloße Anfertigung erlaubt, es wird ja gelehrt: Ihr sollt neben mir nicht fertigen, ihr dürft keine Abbildung meiner Dienstlinge fertigen, die droben Dienst vor mir tun, wie Sonne, Mond, Sterne und Planeten!? –

10Anders war es bei R. Gamliél, für ihn hatten andere sie angefertigt. –

11Aber für R. Jehuda hatten ja andere [eine Figur] angefertigt, dennoch sprach Šemuél zu ihm: Scharfsinniger, kratze ihm die Augen aus!? –

12Diese war eine plastische Figur, und zwar wegen des Verdachtes. Es wird nämlich gelehrt: Einen Siegelring mit einer gehöhten Figur darf man nicht anlegen, wohl aber darf man mit ihm siegeln, einen mit vertiefter Figur darf man anlegen, nicht aber mit ihm siegeln. –

13Berücksichtigen wir denn den Verdacht, im Bethause Šaphjathib in Nehardea͑ war ja eine Büste aufgestellt, dennoch gingen da der Vater Šemuéls und Levi beten, ohne Verdacht zu fürchten!? – Anders ist es bei einer Menge. –

14R. Gamliél war ja ein einzelner!? – Da er Fürst war, war stets eine Volksmenge bei ihm. Wenn du willst, sage ich: sie waren aus einzelnen Teilen zusammengesetzt.

15Wenn du aber willst, sage ich: anders ist es, wenn man es zu Studienzwecken braucht, denn es heißt: du sollst nicht lernen, es zu tun, wohl aber darfst du lernen, um es zu verstehen und zu lehren.

16R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT &C. Welche sind luxuriös und welche sind gemein?

17Rabh erklärte: Über dem Wasser sind sie luxuriös, unter dem Wasser sind sie gemein, Šemuél erklärte: Beide sind sie gemein; luxuriös sind vielmehr solche, die sich auf Armspangen, Nasenringen und Fingerringen befinden.

18Übereinstimmend mit Šemuél wird auch gelehrt: Luxuriös sind solche, die sich auf Armspangen, Nasenringen und Fingerringen befinden; gemein, die sich auf Kesseln, Kasserolen, Kannen, Laken und Tüchern befinden.

19R. JOSE SAGT, MAN ZERREIBE SIE UND ZERSTREUE SIE IN DEN WIND ODER WERFE SIE INS MEER. SIE ERWIDERTEN IHM: DANN WERDEN SIE JA IN DUNG VERWANDELT, UND ES HEISST: nichts vom mit dem Banne Belegten soll an deiner Hand kleben bleiben.

20GEMARA. Es wird gelehrt: R. Jose entgegnete ihnen: Es heißt ja:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.