Avoda Sara — Blatt 44b
1PEROKLOS DER PHILOSOPH FRAGTE R. GAMLIÉL IN A͑KKO, ALS DIESER IM APHRODITEN-BADE BADETE: ES HEISST IN EURER TORA: nichts vom mit dem Banne Belegtem soll an deiner Hand kleben bleiben, WIESO BADEST DU NUN IM APHRODITEN-BADE?
2DIESER ERWIDERTE: MAN ANTWORTE NICHT IN EINEM BADEHAUSE. ALS ER HINAUSGEGANGEN WAR, SPRACH ER ZU IHM: ICH KAM NICHT IN IHR BEREICH, SONDERN SIE IN MEIN BEREICH. MAN SAGT NICHT, DAS BAD SEI ZUR AUSSCHMÜCKUNG DER APHRODITE ERRICHTET WORDEN, SONDERN DIE APHRODITE SEI ZUR AUSSCHMÜCKUNG DER BADEANSTALT AUFGESTELLT WORDEN.
3UND NOCH ETWAS ANDERES: WENN MAN DIR AUCH VIEL GELD GEBEN WÜRDE, SO WÜRDEST DU DENNOCH NICHT NACKT UND POLLUTIONSBEHAFTET VOR DEINE GOTTHEIT TRETEN UND VOR IHR URINIEREN, DIESE ABER STEHT VOR DER RINNE UND DAS GANZE VOLK URINIERT VOR IHR. ES HEISST [IN DER SCHRIFT]: ihre Götter, WAS WIE EIN GOTT BEHANDELT WIRD, IST VERBOTEN, WAS NICHT WIE EIN GOTT BEHANDELT WIRD, IST ERLAUBT.
4GEMARA. Wieso tat er dies, Rabba b. Bar Ḥana sagte ja im Namen R. Joḥanans, daß man überall [über Worte der Tora] nachdenken dürfe, nur nicht in einem Badehause und in einem Aborte!?
5Wolltest du erwidern, er hatte es ihm in einer profanen Sprache gesagt, so sagte ja Abajje, man dürfe profane Dinge in der Heiligensprache sprechen, jedoch keine heiligen Dinge in einer profanen Sprache!? –
6Es wird gelehrt, erst als er draußen war, sagte er zu ihm, man antworte nicht in einem Badehause.
7R. Ḥama b. Joseph (Berabbi) sagte im Namen R. Oša͑jas: R. Gamliél gab jenem Hegemon eine verschmitzte Antwort; ich aber sage, sie sei nicht verschmitzt. –
8Wieso ist sie verschmitzt? – Er erwiderte ihm: diese aber steht vor der Rinne und das ganze Volk uriniert vor ihr; was ist denn dabei, daß man vor ihr uriniert, Raba sagte ja, vom Peo͑r sei [das Entgegengesetzte] zu beweisen: vor diesem entleert man sich täglich, dennoch ist er dadurch nicht entheiligt.
9Ich aber sage, sie ist nicht verschmitzt, denn dieser wird auf diese Weise verehrt, jene aber nicht.
10Abajje sagte: Die Verschmitztheit besteht darin: er erwiderte ihm, er kam nicht in ihr Bereich, sondern sie in seines; was ist denn dabei, daß sie in seines gekommen ist, wir haben ja gelernt, wenn eine Badeanstalt oder ein Garten zu einem Götzen gehört, dürfe man von diesen ohne Vergütung genießen, nicht aber gegen Vergütung.
11Ich aber sage, sie sei nicht verschmitzt, denn bei R. Gamliél war es ohne Vergütungwie bei anderen gegen Vergütung.
12R. Šimi b. Ḥija sagte: Die Verschmitztheit besteht darin: er erwiderte ihm, diese aber stehe vor der Rinne und das ganze Volk uriniere vor ihr; was ist denn dabei, daß man vor ihr uriniert, wir haben ja gelernt, wenn einer vor [dem Götzen] ausgespuckt, uriniert, ihn herumgeschleppt oder mit Kot beworfen hat, sei dieser dadurch nicht entheiligt.
13Ich aber sage, sie sei nicht verschmitzt, denn da ist es nur ein vorübergehender Zorn, den er gegen ihn hat, später aber besänftigt er ihn, jene aber stand ja immerwährend in ihrer Besudelung.
14Rabba b. U͑la sagte: Die Verschmitztheit besteht darin: er erwiderte ihm, man sage nicht, das Bad sei zur Ausschmückung der Aphrodite errichtet worden, sondern die Aphrodite ist zur Ausschmückung der Badeanstalt aufgestellt worden; was wäre denn dabei, wenn man gesagt haben würde, die Badeanstalt sei zur Ausschmückung der Aphrodite errichtet worden, es wird ja gelehrt, wenn jemand sagt, dieses Haus soll dem Götzen geweiht sein, dieser Becher soll dem Götzen geweiht sein, seien seine Worte ungültig, weil es keine Weihung für einen Götzen gibt.
15Ich aber sage, sie sei nicht verschmitzt, denn zugegeben, daß sie nicht verboten wäre, aber immerhin würde sie als Ausschmückung gegolten haben.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.