Avoda Sara — Blatt 45b

1hier aber streiten sie über einen Baum, der gepflanzt und nachher angebetet worden ist; der erste Autor ist der Ansicht, ein Baum, der gepflanzt und nachher angebetet worden ist, sei erlaubt, und R. Jose der Galiläer ist der Ansicht, ein Baum, der gepflanzt und nachher angebetet worden ist, sei verboten. –

2Woher dies? – Im Schlußsatze heißt es, die Ašera sei deshalb verboten, weil sie durch Menschenhände entstanden ist, und alles, was durch Menschenhände entstanden ist, sei verboten; was schließt nun [der Zusatz], alles, was durch Menschenhände entstanden ist, sei verboten, ein? Doch wohl einen Baum, der gepflanzt und später angebetet worden ist.

3Und auch R. Jose b. R. Jehuda ist der Ansicht, ein Baum, der gepflanzt und später angebetet worden ist, sei verboten, denn es wird gelehrt: R. Jose b. R. Jehuda sagte: Es heißt: ihre Götter auf den Bergen, nicht aber sind die Berge ihre Götter; [ihre Götter] auf den Hügeln, nicht aber sind die Hügel ihre Götter. Man könnte demnach folgern: [ihre Götter] unter jedem grünen Baume, nicht aber sind die grünen Bäume ihre Götter,

4so heißt es: und ihre Ašeras verbrennt im Feuer. –

5Worauf deuten demnach [die Worte:] unter jedem grünen Baume? – Diese deuten auf eine Auslegung R. A͑qibas, denn R. A͑qiba sagte: Ich will dies erklären und dir deuten: [dies heißt:] wenn du irgendwo auf einen hohen Berg, einen erhabenen Hügel und einen grünen Baum stoßest, so wisse, daß da ein Götze sich befindet. –

6Wofür verwenden die Rabbanan [den Schriftvers]: und ihre Ašeras sollt ihr im Feuer verbrennen? – Dieser ist nötig wegen eines Baumes, der von vornherein dafür gepflanzt worden ist. –

7Auch nach R. Jose b. R. Jehuda ist er ja hierfür nötig!? – Dem ist auch so. – Woher weiß er es nun von einem Baume, der gepflanzt und später angebetet worden ist!? – Er entnimmt dies hieraus: Ihre Ašeras sollt ihr niederhauen; in welchem Falle sind nur die niederzuhauenden [Schößlinge] verboten und der Stamm erlaubt? Wenn der Baum gepflanzt und später angebetet worden ist. –

8Der Talmud entnimmt es ja aber aus [dem Schriftverse]: und ihre Ašeras sollt ihr im Feuer verbrennen!? –

9Er meint es in dem Falle, wenn wir diesen Schriftvers nicht hätten: wenn nicht geschrieben worden wäre: sollt ihr im Feuer verbrennen, so würde ich gesagt haben, [die Worte:] ihre Ašeras sollt ihr niederhauen, sprechen von einem Baume, der von vornherein dafür gepflanzt worden ist; da es aber heißt: ihre Ašeras sollt ihr im Feuer verbrennen, so beziehen sich [die Worte:] ihre Ašeras sollt ihr niederhauen, auf einen Baum, der gepflanzt und später angebetet worden ist. –

10Wofür verwenden die Rabbanan [den Schriftvers:] ihre Ašeras sollt ihr niederhauen!? – Dieser ist für eine Lehre des R. Jehošua͑ b. Levi zu verwenden, R. Jehošua͑ b. Levi sagte nämlich, das Niederhauen der Götzenbilder gehe der Eroberung des Jisraéllandes voran, und die Eroberung des Jisraéllandes gehe der Ausrottung der Götzenbilder voran.

11R. Joseph lehrte nämlich: Stürzt ihre Altäre um, und lasset sie; zertrümmert ihre Malsteine, und lasset sie.

12Wieso lassen, man muß sie ja verbrennen!? Dies erklärte R. Hona: zuerst verfolge [den Feind], nachher verbrenne [seine Götzen]. –

13Woher entnimmt dies R. Jose b. R. Jehuda? – Er entnimmt dies aus: vernichten, ganz vernichten, zuerst vernichten, nachher ganz vernichten. –

14Und die Rabbanan!? – Dies deutet darauf, daß man den Götzen, nachdem man ihn vernichtet hat, auch ausrotten muß. –

15Woher entnimmt R. Jose h. R. Jehuda, daß man ihn nachher auch ausrotten muß? – Er entnimmt dies aus: und vertilgt ihren Namen von jener Stätte. –

16Und die Rabbanan!? – Dies besagt, daß man seinenNamen ändern müsse. Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Woher, daß man, wenn man den Götzen vernichtet hat, ihn auch ausrotten muß? Es heißt: vertilgt ihren Namen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.