Avoda Sara — Blatt 50a

1ferner sind, wenn sie nahe liegen, wo anzunehmen ist, daß sie von diesem abgefallen sind, alle der Ansicht, daß sie verboten sind; sie streiten nur über den Fall, wenn sie entfernt liegen. –

2Es heißt ja aber: neben einem Merkurius!? – Unter ‘neben einem’ ist zu verstehen, innerhalb seiner vier Ellen.

3R. Jišma͑él ist der Ansicht, sie errichten einen kleinen Merkurius neben einem großen, daher sind drei, die einen Merkurius machen, verboten, zwei aber erlaubt, und die Rabbanan sind der Ansicht, sie errichten keinen kleinen Merkurius neben einem großen, somit sind sie, einerlei ob drei oder zwei, wenn sie scheinbar zu ihm gehören, verboten, und wenn sie scheinbar nicht zu ihm gehören, erlaubt.

4Der Meister sagte: Weiß man, daß sie von ihm abgefallen sind, so sind alle der Ansicht, daß sie verboten sind. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Von einem Merkurius abgefallene Steine sind, wenn sie scheinbar zu ihm gehören, verboten, und wenn sie scheinbar nicht zu ihm gehören, erlaubt; R. Jišma͑él sagt, drei sind verboten, zwei sind erlaubt!? Raba erwiderte: Lies nicht ‘abgefallene’, sondern ‘gefundene’. –

5Ist denn R. Jišma͑él der Ansicht, zwei seien erlaubt, es wird ja gelehrt: R. Jišma͑él sagt, zwei in seinem Umkreise sind verboten, drei auch entfernt verboten!?

6Raba erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem Umkreise und eines gilt von zwei Umkreisen, wenn nämlich zwischen beiden eine Erhöhung sich befindet. –

7Gilt solches denn als Merkurius, es wird ja gelehrt, ein Merkuriushaufen sei er, wenn [von den Steinen] einer da, einer dort und einer über ihnen sich befindet!? Raba erwiderte: Diese Lehre spricht vom Haupt-Merkurius.

8Als das Haus des Königs Jannaj zerstört wurde, kamen Nichtjuden und errichteten da einen Merkurius; hierauf kamen andere Nichtjuden, die den Merkurius nicht verehrten, nahmen [die Steine] fort und pflasterten mit ihnen Wege und Straßen. Manche der Rabbanan mieden diese und manche der Rabbanan mieden sie nicht.

9R. Joḥanan sagte: Ein Heiligenkind geht auf diesen, und wir sollen sie meiden! – Wer ist mit Sohn von Heiligen gemeint? – R. Menaḥem b. R. Simaj. – Weshalb heißt er ein Sohn von Heiligen? – Weil er nicht einmal die Figur auf einem Zuz betrachtete. –

10Was ist der Grund desjenigen, der sie mied? – Er ist der Ansicht des R. Gidel, der im Namen des R. Ḥija b. Joseph sagte: Woher, daß die Götzenspende niemals entheiligt werden könne? Es heißt: sie schlossen sich dem Baa͑l Peo͑r an und aßen Totenopfer; wie der Tod nie aufgehoben wird, ebenso kann auch die Götzenspende niemals entheiligt werden.

11Derjenige aber, der sie nicht mied, sagt, nur wenn [der Dienst dem Dienste] innerhalb [des Tempels] gleicht, was hierbei nicht der Fall ist.

12R. Joseph b. Abba sagte: Rabba b. Jirmeja kam in unsere Ortschaft und brachte folgende Lehre mit: Wenn ein Nichtjude Steine von einem Merkurius geholt und mit diesen Wege und Straßen gepflastert hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.