Avoda Sara — Blatt 52b
1denn da bei diesem das Verbot aufgehoben werden kann, so kann auch die Unreinheit aufgehoben werden, fraglich war es ihm nur hinsichtlich der aus Speisen bestehenden Götzenspende: wird, da nach R. Gidel bei dieser das Verbot nicht aufgehoben werden kann, auch die Unreinheit nicht aufgehoben, oder aber kann nur das Verbot nicht aufgehoben werden, da dieses aus der Tora ist, wohl aber die Unreinheit, die nur rabbanitisch ist? – Dies bleibt unentschieden.
2R. Jose b. Šaúl fragte Rabbi: Dürfen die Geräte, die im Ḥoniotempel verwandt worden sind, im Tempel verwandt werden?
3Diese Frage besteht nach demjenigen, welcher sagt, der Ḥoniotempel sei kein Götzentempel gewesen, denn wir haben gelernt: Die Priester, die im Ḥoniotempel Dienst verrichteten, durften keinen Dienst im Tempel zu Jerušalem verrichten, und um so weniger Priester, die dies für etwas anderes getan haben.
4Ist dies bei den Priestern nur eine von den Rabbanan ihnen auferlegte Maßregelung, da sie Verstand haben, und gilt nicht von Geräten, oder gibt es hierbei keinen Unterschied?
5Dieser erwiderte: Sie sind verboten; wir hatten einen Schriftvers [als Beleg] und haben ihn vergessen.
6Er wandte gegen ihn ein: All die Geräte aber, die der König Aḥaz während seiner Regierung infolge seines Abfalls beiseite geworfen hatte, haben wir eingestellt und geheiligt; doch wohl: eingestellt, durch Untertauchen, und geheiligt, wieder für das Heiligtum bestimmt!?
7Da sprach dieser: Gesegnet seist du dem Himmel, daß du mir mein Verlorenes zurückgegeben hast. Eingestellt, nämlich versteckt, und geheiligt, andere statt dieser für das Heiligtum bestimmt.
8Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: In der nordöstlichen [Kammer] versteckten die Ḥašmonäer die Altarsteine, die die Griechen verunreinigt hatten, und R. Šešeth erklärte, verunreinigt durch Verwendung für den Götzendienst.
9R. Papa erwiderte: Diese fanden einen Schriftvers, den sie auslegten, denn es heißt: und Räuber werden in dasselbe eindringen und es entweihen.
10Sie sagten dann: Was machen wir nun; zerschlagen wir sie, so sagt ja der Allbarmherzige: ganze Steine, behobeln wir sie, so sagt ja der Allbarmherzige: du darfst kein Eisen darüber schwingen. –
11Wieso denn, sie sollten sie doch zerschlagen und für sich behalten haben, sagte ja auch R. Oša͑ja, sie wollten alles Silber und alles Gold der Welt verstecken, wegen des Silbers und des Goldes Jerušalems, und auf unseren Einwand, Jerušalem sei ja nicht die Mehrheit der Welt,
12erwiderte Abajje, sie wollten die abgebrauchten hadrianischen und trajanischen Denare verstecken, wegen der Prägungen [aus dem Golde] Jerušalems, da fanden sie in der Tora einen Schriftvers, daß es erlaubt sei: und Räuber werden in dasselbe kommen und es entweihen!? –
13Diese waren nicht für Gott verwandt worden, jene waren aber für Gott verwandt worden, und es war daher nicht schicklich, daß ein Gemeiner sie gebrauche.
14EIN NICHTJUDE KANN SEINEN GÖTZEN UND DEN GÖTZEN SEINES NÄCHSTEN ENTHEILIGEN, EIN JISRAÉLIT ABER KANN DEN GÖTZEN EINES NICHTJUDEN NICHT ENTHEILIGEN. HAT ER DEN GÖTZEN ENTHEILIGT, SO HAT ER AUCH SEINE DIENSTGERÄTE ENTHEILIGT; HAT ER DIE DIENSTGERÄTE ENTHEILIGT, SO SIND DIESE ERLAUBT UND DER GÖTZE SELBST VERBOTEN.
15GEMARA. Rabbi lehrte seinen Sohn R. Šimo͑n: Ein Nichtjude kann seinen Götzen und den Götzen seines Nächsten entheiligen. Da sprach dieser: Meister, in deiner Jugend hast du uns gelehrt, ein Nichtjude könne seinen Götzen und den eines Jisraéliten entheiligen. – Kann denn der eines Jisraéliten entheiligt werden, es heißt ja: und im Geheimen aufstellt!? R. Hillel, Sohn des R. Valas, erwiderte: Dies bezieht sich auf den Fall, wenn er am Besitze desselben nur beteiligt ist. –
16Welcher Ansicht war er in seiner Jugend und welcher Ansicht war er in seinem Alter? – In seiner Jugend war er der Ansicht, die Verehrung des Jisraéliten stütze sich auf die des Nichtjuden, und sobald der Nichtjude ihn entheiligt hat, hat ihn auch der Jisraélit entheiligt; in seinem Alter aber war er der Ansicht, der Jisraélit verehre ihn aus eigenem Antrieb, und wenn der Nichtjude ihn entheiligt, tue er dies nur für sich selbst, nicht aber für den Jisraéliten.
17Manche beziehen dies auf den Schlußsatz: Ein Jisraélit aber kann den Götzen eines Nichtjuden nicht entheiligen. Selbstverständlich!? R. Hillel, Sohn des
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.