Avoda Sara — Blatt 54b

1Vielmehr, von den Tempelgeräten, denn es heißt: all die Geräte aber, die der König Aḥaz während seiner Regierung infolge seines Abfalles beiseite geworfen hatte, haben wir eingestellt und geheiligt, und der Meister erklärte, eingestellt, nämlich versteckt, und geheiligt, andere statt dieser für das Heiligtum bestimmt. Und obgleich niemand das verbieten kann, was nicht ihm gehört, so wurden sie dennoch verboten,

2weil an diesen eine Handlung begangen worden war, ebenso ist es auch hierbei verboten, da an diesem eine Handlung begangen worden ist.

3Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Obgleich sie gesagt haben, wenn jemand den Erdboden anbetet, habe er ihn dadurch nicht verboten gemacht, so hat er ihn dennoch verboten gemacht, wenn er da Gruben, Graben und Höhlen gegraben hat. Als R. Šemuél b. Jehuda kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Obgleich sie gesagt haben, wenn jemand lebende Wesen verehrt hat, seien sie dadurch nicht verboten, so sind sie dennoch verboten, wenn er sie gegen einen Götzen eingetauscht hat.

4Als Rabin kam, sagte er: Hierüber streiten R. Jišma͑él b. R. Jose und die Rabbanan; einer sagt, das Eingetauschte sei verboten und das Eingetauschte des Eingetauschten sei erlaubt, und einer sagt, auch das Eingetauschte des Eingetauschten sei verboten. –

5Was ist der Grund desjenigen, welcher sagt, auch das Eingetauschte des Eingetauschten sei verboten? – Die Schrift sagt: daß du gleich ihm dem Banne verfallest; was von diesem kommt, verfällt gleich ihm dem Banne. – Und jener!? Die Schrift sagt es, nur es selbst, nicht aber das Eingetauschte des Eingetauschten. –

6Und jener!? – Dies schließt Ungeweihtes und Mischfrucht aus; wenn man sie nämlich verkauft und mit dem Gelde sich eine Frau angetraut hat, so ist die Antrauung gültig. –

7Und jener!? Ungeweihtes und Mischfrucht brauchen nicht besonders ausgeschlossen zu werden, denn vom Götzendienst und vom Siebentjahre lehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu folgern.

8Vom Götzendienste, wie wir bereits gesagt haben, und vom Siebentjahre, denn es heißt: denn das ist ein Jobel, heilig soll es euch sein; wie das Heilige den Erlös erfaßt, so daß auch dieser verboten ist, ebenso erfaßt auch die Siebentjahrs[frucht] den Erlös, so daß auch dieser verboten ist. –

9Demnach sollte doch, wie das Heiligengut den Erlös erfaßt und selbst profan wird, auch die Siebentjahrs[frucht] dein Erlös erfassen und profan werden!? – Es heißt: sein, sie verbleiben bei ihrer Eigenheit.

10Zum Beispiel: hat man für die Früchte des Siebentjahrs Fleisch gekauft, so muß im Siebentjahre beides fortgeschafft werden; hat man für das Fleisch Fische gekauft, so wird das Fleisch profan und die Fische treten an seine Stelle; wenn für die Fische Wein, so werden die Fische profan und der Wein tritt an ihre Stelle; wenn für den Wein Öl, so wird der Wein profan und das Öl tritt an seine Stelle. Das allerletzte verfällt stets dem Siebentjahrsgesetze und die originäre Frucht bleibt verboten. –

11Und jener!? – Er ist der Ansicht, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, könne man wohl auf andere folgern, somit ist [das Wort] es nötig, um diese auszuschließen.

12MAN FRAGTE DIE ÄLTESTEN IN ROM: WENN ER AN DER ANBETUNG DER GÖTZEN KEINEN GEFALLEN HAT, WESHALB VERNICHTET ER SIE NICHT? DIESE ERWIDERTEN: WÜRDEN SIE DINGE ANBETEN, DEREN DIE WELT NICHT BEDARF, SO WÜRDE ER SIE AUCH VERNICHTET HABEN, SIE BETEN ABER SONNE, MOND, STERNE UND PLANETEN AN; SOLLTE ER DENN WEGEN DER TOREN SEINE WELT ZERSTÖREN!?

13JENE ENTGEGNETEN: SO SOLLTE ER DOCH DIE DINGE VERNICHTEN, DEREN DIE WELT NICHT BEDARF, UND DIEJENIGEN LASSEN, DEREN DIE WELT BEDARF!? DIESE ERWIDERTEN: WIR WÜRDEN DANN DIE ANBETER [DER ANDEREN IN IHREM GLAUBEN] BESTÄRKEN, DENN SIE WÜRDEN SAGEN: ERKENNET NUN, DASS DIESE WAHRE GÖTTER SIND, DENN SIE SIND NICHT VERNICHTET WORDEN.

14GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Die Philosophen fragten die Ältesten in Rom: Wenn euer Gott an der Anbetung der Götzen keinen Gefallen hat, weshalb vernichtet er sie nicht? Diese erwiderten ihnen: Würden sie Dinge anbeten, deren die Welt nicht bedarf, so würde er sie auch vernichtet haben, sie beten aber Sonne, Mond, Sterne und Planeten an; sollte er denn wegen der Toren die Welt zerstören!? Die Welt behält vielmehr ihren natürlichen Lauf, die Toren aber, die [ihre Handlungen] verderbt haben, werden dereinst Rechenschaft ablegen.

15Eine andere Erklärung: Wenn jemand eine Seá Weizen raubt und ihn in den Boden aussäet, so sollte er von rechtswegen nicht hervorsprossen, dennoch behält die Welt ihren natürlichen Lauf, und die Toren, die [ihre Handlungen] verderbt haben, werden dereinst Rechenschaft ablegen.

16Ein anderes Beispiel: Wenn jemand die Frau seines Nächsten beschläft, so sollte sie von rechtswegen nicht schwanger werden, dennoch behält die Welt ihren natürlichen Lauf, und die Toren, die [ihre Handlungen] verderbt haben, werden dereinst Rechenschaft ablegen.

17Das ist es, was Reš Laqiš sagte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht genug, daß die Gottlosen meinen Stempel zum öffentlichen machen, sondern sie belästigen mich auch und prägen mich gegen meinen Willen.

18Ein Philosoph sprach zu R. Gamliél: Es heißt in eurer Tora: denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifernder Gott; weshalb eifert er gegen die Anbeter und nicht gegen [die Götzen] selbst?

19Dieser erwiderte ihm: Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Ein König aus Fleisch und Blut hatte einen Sohn, und dieser Sohn zog einen Hund groß und legte ihm den Namen seines Vaters bei, und wenn er schwören wollte, sprach er: beim Leben meines Vaterhundes. Wem zürnte nun der Vater, als er dies hörte, zürnte er dem Sohne oder zürnte er dem Hunde? Doch wohl dem Sohne.

20Jener entgegnete: Du nennst [den Götzen] einen Hund; an diesem ist aber doch etwas. Dieser fragte: Was hast du an ihm gesehen? Jener erwiderte: Einst brach ein Feuer in unserer Stadt aus, die ganze Stadt brannte nieder und der Tempel jenes Götzen brannte aber nicht nieder.

21Da erwiderte dieser: Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Ein König aus Fleisch und Blut hatte einst eine Stadt, die gegen ihn rebellierte; mit wem führt er nun Krieg, mit den Lebenden oder mit den Toten? Doch wohl mit den Lebenden.

22Jener sprach: Du nanntest ihn einen Hund, du nanntest ihn einen Toten, mag er ihn doch aus der Welt vernichten! Dieser erwiderte: Würden sie Dinge anbeten, deren die Welt nicht bedarf, so würde er sie vernichtet haben, sie beten aber Sonne, Mond, Sterne, Planeten, Bäche und Täler an, sollte er denn wegen der Toren seine Welt zerstören!? Ebenso heißt es:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.