Avoda Sara — Blatt 55a
1Soll ich zusammenraffen und fortschaffen alles vom Erdboden weg, Spruch des Herrn. Fortschaffen Mensch und Vieh, fortschaffen die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meere, das Straucheln der Gottlosen &c. Sollte er sie denn, weil die Gottlosen durch sie straucheln, aus der Welt vernichten? Sie beten auch Menschen an, und: so muß ich die Menschen vom Erdboden vertilgen &c.
2Der Feldherr Agrippa fragte R. Gamliél: Es heißt in eurer Tora: denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifernder Gott. Eifersüchtig ist ja nur ein Weiser auf einen Weisen, ein Held auf einen Helden, oder ein Reicher auf einen Reichen!
3Dieser erwiderte: Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Nimmt jemand neben seiner Frau noch eine andere, so ist [die erste] nicht eifersüchtig, wenn [die andere] besser ist als sie, ist sie aber geringer, so ist sie eifersüchtig.
4Zonin sprach zu R. A͑qiba: Wir wissen beide in unseren Herzen, daß am Götzen nichts ist; wir sehen ja aber, daß Leute gebrechlich hingehen und geheilt zurückkehren; wie kommt dies?
5Dieser erwiderte: Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Einst war in einer Stadt ein ehrlicher Mann, dem alle Leute der Stadt ohne Zeugen [Geld] in Verwahrung zu geben pflegten, einer aber war da, der es ihm nur vor Zeugen in Verwahrung zu geben pflegte; einmal aber vergaß auch dieser und gab es ihm in Verwahrung ohne Zeugen. Da sprach seine Frau zu ihm: Jetzt wollen wir es ihm ableugnen. Dieser erwiderte ihr: Sollen wir denn, weil dieser Tor ungebührlich gehandelt hat, unser Vertrauen verlieren!?
6Ebenso verhält es sich auch mit den Züchtigungen; wenn diese über den Menschen entsendet werden, beschwört man sie, nur an jenem Tage hinzugehen, nur an jenem Tage und jener Stunde fortzugehen, nur durch jenen Menschen und nur durch jene Medizin. Wenn der Tag, an dem sie fortgehen sollen, heranreicht, und dieser in den Götzentempel geht, sprechen die Züchtigungen: Von rechtswegen sollten wir nicht fortgehen, aber sollten wir denn unseren Schwur brechen, weil dieser Tor unrichtig handelt!?
7Das ist es, was R. Joḥanan sagte: Es heißt: bösartige und wahrhafte Krankheiten, bösartig in ihrer Mission und wahrhaft in ihrem Eide.
8Raba b. Jiçḥaq sprach zu R. Jehuda: In unserer Ortschaft gibt es einen Tempel eines Götzen, der, wenn die Welt des Regens bedarf, ihnen im Traume erscheint und zu ihnen spricht, daß sie ihm einen Menschen schlachten sollen, sodann werde er Regen kommen lassen; und sobald sie ihm einen Menschen geschlachtet haben, kommt Regen.
9Dieser erwiderte: Wäre ich tot, so könnte ich euch das nicht sagen, was Rabh gesagt hat. Es heißt: die der Herr, dein Gott, allen Völkern zugeteilt hat; dies lehrt, daß er sie mit Worten überredet hat, um sie aus der Welt zu verdammen.
10Das ist es, was Reš Laqiš sagte: Es heißt: hat er mit Spöttern zu tun, so spottet er, den Demütigen aber gibt er Gnade; will einer sich verunreinigen, so stehen ihm die Türen offen, will einer sich reinigen, so verhilft man ihm dazu.
11MAN DARF EINE WEINKELTER MIT GETRETENEN TRAUBEN VON EINEM NICHTJUDEN KAUFEN, OBGLEICH ER [DIE TRAUBEN] MIT DER HAND NIMMT UND IN DEN BOTTICH LEGT; ALS LIBATIONSWEIN GILT ER ERST DANN, WENN ER IN DIE KUFE ABGEFLOSSEN IST. IST ER IN DIE KUFE ABGEFLOSSEN, SO IST DAS, WAS SICH IN DER KUFE BEFINDET, VERBOTEN, UND WAS ZURÜCKBLEIBT, ERLAUBT.
12MAN DARF MIT EINEM NICHTJUDEN IN DER KELTER TRETEN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.