Avoda Sara — Blatt 58b

1[der Nichtjude] dachte: Gelehrte wie diese werden doch keinen Met trinken, es ist sicherlich Wein, und er libierte ihn. Der ihn erlaubt hat, ist der Ansicht, [der Nichtjude] dachte: Gelehrte wie diese werden doch nicht Wein trinken und ihn von mir einschenken lassen, sicherlich ist es Met, und er libierte ihn nicht. –

2Er konnte es doch sehen!? – Es war nachts. – Er konnte es doch riechen!? – Es war neuer. –

3Er hatte ihn doch durch das Schöpfgefäß berührt, und wenn ein Nichtjude [Wein] unbeabsichtigt berührt, ist er ja verboten!? – Er hatte ihn hineingegossen, somit erfolgte es nur durch seine Kraft unbeabsichtigt, und in einem Falle, wo es durch seine Kraft unbeabsichtigt erfolgt, haben die Rabbanan kein Verbot angeordnet.

4R. Asi fragte R. Joḥanan: Wie ist es, wenn ein Nichtjude den Wein vermischt? Dieser entgegnete: Sage doch: verschneidet! Jener erwiderte: Ich gebrauche den Ausdruck der Schrift, denn es heißt: sie hat ihr Schlachtvieh geschlachtet, ihren Wein gemischt. Dieser entgegnete: Die Schrift hat ihre eigene Ausdrucksweise und die Weisen haben ihre eigene Ausdrucksweise.

5Wie ist es nun? Dieser erwiderte: Er ist verboten, denn man sagt: Weiter, weiter, Naziräer, herum, herum, nähere dich nicht dem Weinberge.

6Einst kam R. Jirmeja nach Sabtha und beobachtete, daß da Nichtjuden den Wein verschnitten und Jisraéliten davon tranken. Da verbot er ihnen dies, denn man sagt: Weiter, Weiter, Naziräer, herum, herum, nähere dich nicht dem Weinberge. Es wurde auch gelehrt: R. Joḥanan, manche sagen, R. Asi, sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn ein Nichtjude den Wein verschnitten hat, so ist er verboten, denn man sagt: Weiter, weiter, Naziräer, herum, herum, nähere dich nicht dem Weinberge.

7Einst kam Reš Laqiš nach Boçra und beobachtete, daß da Jisraéliten unverzehntete Früchte aßen; da verbot er es ihnen. Ferner beobachtete er, daß da Jisraéliten Wasser tranken, das Nichtjuden angebetet hatten; da verbot er es ihnen.

8Als er hierauf zu R. Joḥanan kam, sprach dieser zu ihm: Während du noch dein Obergewand anhast, geh und widerrufe; Beçer ist nicht Boçra, und Wasser, das der Kommune gehört, kann nicht verboten werden.

9R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.