Avoda Sara — Blatt 66a
1Hinsichtlich des alten Weines, der auf Trauben kommt, sind alle der Ansicht, wenn er einen Geschmack verleiht; wenn aber neuer Wein auf Trauben kommt, so genügt, wie Abajje sagt, ein Minimum; Raba sagt, nur wenn er einen Geschmack verleiht.
2Abajje sagt, ein Minimum, denn wir richten uns nach dem Geschmacke, und da beide denselben Geschmack haben, so gehören sie zur selben Art, und bei [einer Vermischung von Dingen] derselben Art genügt ein Minimum.
3Raba sagt, wenn ein Geschmack verliehen wird, denn wir richten uns nach dem Namen, und da sie verschiedene Namen haben, so sind sie von einander verschiedene Arten, und bei verschiedenen Arten ist Geschmacksverleihung erforderlich. –
4Wir haben gelernt: Wenn Libationswein auf Trauben gekommen &c. Er dachte, wenn neuer Wein auf Trauben gekommen ist, und dies gilt wohl bei Geschmacksverleihung!? – Nein, bei einem Minimum. –
5Wenn es aber im Schlußsatze heißt: die Regel hierbei ist: wenn ein Geschmack verliehen wird, so ist es verboten, wenn kein Geschmack verliehen wird, so ist es erlaubt, so gilt dies wohl von dem Falle, wenn ein Geschmack verliehen wird!? –
6Abajje [kann erwidern:] unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn alter Wein auf Trauben gekommen ist.
7Wenn Weinessig mit Metessig oder Weizensauerteig mit Gerstensauerteig [vermischt werden], so ist, wie Abajje sagt, Geschmacksverleihung erforderlich, weil wir uns nach dem Geschmacke richten, und da ihr Geschmack verschieden ist, gelten sie als von einander verschiedene Arten, und bei verschiedenen Arten ist Geschmacksverleihung erforderlich.
8Raba sagt, auch ein Minimum genüge, denn wir richten uns nach dem Namen, und da beide Essig oder Sauerteig heißen, gehören sie zur selben Art und bei derselben Art ist ein Minimum ausreichend.
9Abajje sagte: Woher entnehme ich es, daß wir uns nach dem Geschmacke richten? Wir haben gelernt: Gewürze derselben Art von zwei oder drei verschiedenen Namen oder dreier Arten werden vereinigt und machen verboten. Hierzu sagte Ḥizqija, hier werde von süßen Gewürzen gesprochen, weil man mit solchen einen Topf versüßen kann. Einleuchtend ist dies nun, wenn du sagst, man richte sich nach dem Geschmacke, denn sie haben alle denselben Geschmack, wenn du aber sagst, man richte sich nach dem Namen, [ist ja einzuwenden:] sie haben ja verschiedene Namen!? –
10Und Raba!? – Er kann dir erwidern, hier sei R. Meír vertreten, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen R. Meírs: Woher, daß alle in der Tora verbotenen Dinge miteinander vereinigt werden? Es heißt: du sollst nichts Ekelhaftes essen, was alles ich dir als ekelhaft verboten habe, darfst du nicht essen.
11Wenn [verbotener] Essig in [erlaubten] Wein kommt, so sind alle der Ansicht, nur wenn er einen Geschmack verleiht; wenn aber [verbotener] Wein in [erlaubten] Essig kommt, so ist, wie Abajje sagt, ein Minimum ausreichend; Raba aber sagt, nur wenn er einen Geschmack verleiht.
12Abajje sagt, ein Minimum sei ausreichend,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.