Avoda Sara — Blatt 66b

1denn wenn er den Geruch des Essigs und den Geschmack des Weines hat, heißt er Essig, somit gehören sie zur selben Art, und bei derselben Art ist ein Minimum ausreichend.

2Raba sagt, wenn er einen Geschmack verleiht, denn wenn er den Geruch des Essigs und den Geschmack des Weines hat, heißt er Wein, somit sind es verschiedene Arten, und bei verschiedenen Arten ist Geschmacksverleihung erforderlich.

3Wenn ein Nichtjude [den Wein] eines Jisraéliten durch das Spundloch riecht, so ist nichts dabei; einem Jisraéliten ist dies an nichtjüdischem zu tun, wie Abajje sagt, verboten, und wie Raba sagt, erlaubt. Abajje sagt, dies sei verboten, denn der Geruch ist wesentlich; Raba sagt, es sei erlaubt, denn der Geruch ist unwesentlich.

4Raba sagte: Woher entnehme ich, daß der Geruch unwesentlich ist? Wir haben gelernt: Wenn man einen Ofen mit Kümmel von Hebe geheizt und in diesem Brot gebacken hat, so ist das Brot erlaubt, weil es nicht den Geschmack des Kümmels, sondern nur den Geruch des Kümmels annimmt. – Und Abajje!? – Anders ist es da, wo das Verbotene verbrannt wird.

5R. Mari sagte. [Hierüber streiten] Tannaím: Wenn man warmes Brot aus dem Ofen nimmt und es auf ein Faß mit Wein von Hebe legt, so ist es nach R. Meír verboten und nach R. Jehuda erlaubt; R. Jose erlaubt es bei Weizenbrot und verbietet es bei Gerstenbrot, weil die Gerste [den Duft] einsaugt. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: einer ist der Ansicht, der Geruch sei wesentlich, und einer ist der Ansicht, der Geruch sei unwesentlich.

6Nach Raba streiten entschieden hierüber Tannaím, streiten sie auch nach Abajje? –

7Abajje kann dir erwidern: hierzu wurde ja gelehrt: Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen von Reš Laqiš, bei warmem Brot und einem offenen Fasse

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.