Avoda Sara — Blatt 69a

1Wie ist es, wenn [eine Maus] in Essig fällt? Da sprach R. Hillel zu R. Aši: Einst kam ein solcher Fall vor R. Kahana, und R. Kahana verbot ihn. Dieser entgegnete: In jenem Falle war sie zerstückelt.

2Rabina glaubte, hierbei sei die Berechnung von hundert und einem anzuwenden, denn hierbei sollte es nicht strenger sein als bei der Hebe, und wir haben gelernt, die Hebe gehe unter hundertundeinem auf. R. Taḥlipha b. Giza sprach zu Rabina: Vielleicht ist es hierbei wie in dem Falle, wenn Gewürze von Hebe in einen Topf Speise kommen, wobei deren Geschmacksverleihung nicht aufgehoben wird.

3R. Aḥaj rechnete beim Essig nach dem Fünfzigfachen. R. Šemuél, Sohn des R. Iqa, rechnete beim Met nach dem Sechzigfachen.

4Die Halakha ist, man rechne bei beiden nach dem Sechzigfachen. Ebenso auch bei allen anderen in der Tora verbotenen Dingen.

5WENN EIN NICHTJUDE ZUSAMMEN MIT EINEM JISRAÉLITEN KRÜGE MIT WEIN VON ORT ZU ORT UMTRÄGT, SO IST ER, WENN ER VORAUSGESETZT BEWACHT IST, ERLAUBT; HAT ER IHM ABER MITGETEILT, DASS ER SICH ENTFERNE, SO IST ER, WENN ER SO LANGE [ABWESEND WAR], ALS MAN DAS FASS ANBOHREN, VERSCHLIESSEN UND [DER VERSCHLUSS] TROCKNEN KANN, [VERBOTEN]; R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, WENN MAN ES ENTSPUNDEN, VERSPUNDEN UND [DER SPUND] TROCKNEN KANN.

6WENN JEMAND SEINEN WEIN AUF EINEN WAGEN ODER EIN SCHIFF LEGT, SELBER ABER EINEN KÜRZEREN WEG IN DIE STADT GEHT UND BADET, SO IST ER ERLAUBT;

7HAT ER IHM ABER MITGETEILT, DASS ER SICH ENTFERNE, SO IST ER, WENN ER SO LANGE [ABWESEND WAR], ALS MAN DAS FASS ANBOHREN, VERSCHLIESSEN UND [DER VERSCHLUSS] TROCKNEN KANN, [VERBOTEN]; R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, WENN MAN ES ENTSPUNDEN, VERSPUNDEN UND [DER SPUND] TROCKNEN KANN.

8WENN JEMAND EINEN NICHTJUDEN IM LADEN ZURÜCKLÄSST, SO IST [DER WEIN] ERLAUBT, SELBST WENN ER AB UND ZU HINAUSGEHT UND HEREINKOMMT; HAT ER IHM ABER MITGETEILT, DASS ER SICH ENTFERNE, SO IST ER, WENN ER SO LANGE [ABWESEND WAR], ALS MAN DAS FASS ANBOHREN, VERSCHLIESSEN UND [DER VERSCHLUSS] TROCKNEN KANN, [VERBOTEN]; R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, WENN MAN ES ENTSPUNDEN, VERSPUNDEN UND [DER SPUND] TROCKNEN KANN.

9WENN MAN MIT IHM AN EINEM TISCHE SPEIST UND EINE FLASCHE AUF DEN TISCH UND EINE FLASCHE AUF DEN ANRICHTETISCH STELLT, IHN ABER ZURÜCKLÄSST UND HINAUSGEHT, SO IST, DIE SICH AUF DEM TISCHE BEFINDET, VERBOTEN, UND DIE SICH AUF DEM ANRICHTETISCHE BEFINDET, ERLAUBT. WENN ER ABER ZU IHM GESAGT HAT, DASS ER SICH DEN WEIN SELBER MISCHE UND TRINKE, SO IST AUCH DIE AUF DEM ANRICHTETISCHE BEFINDLICHE VERBOTEN. OFFENE FÄSSER SIND VERBOTEN, GESCHLOSSENE SIND ERLAUBT, ES SEI DENN, DASS ER SO LANGE [ABWESEND WAR], ALS MAN DAS FASS ENTSPUNDEN, VERSPUNDEN UND [DER SPUND] TROCKNEN KANN.

10GEMARA. Was heißt vorausgesetzt bewacht? – Wie in folgender Lehre: Wenn seine Eseltreiber und Arbeiter mit [rituell] reinen Dingen beladen sind, so sind sie rein, auch wenn er sich mehr als ein Mil von ihnen entfernt. Wenn er aber zu ihnen sagt, daß sie vorangehen mögen, er werde nachkommen, so sind sie, sobald er sie aus den Augen verliert, unrein. –

11Welchen Unterschied gibt es zwischen dem Anfangsatze und dem Schlußsatze? R. Jiçḥaq erwiderte: Der Anfangsatz spricht von dem Falle, wenn er seine Eseltreiber und Arbeiter zu diesem Behufe sich [rituell] reinigen ließ. –

12Dies sollte doch auch im Schlußsatze berücksichtigt werden!? – Ein Mann aus dem gemeinen Volke ist nicht behutsam mit der Berührung eines anderen. – Dies sollte doch auch im Anfangsatze gelten!?

13Raba erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.