Avoda Sara — Blatt 7b
1wenn aber öffentlich, so werden sie nie mehr aufgenommen. R. Šimo͑n und R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagen, sie werden in jedem Falle wieder aufgenommen, denn es heißt: kehret um, ihr abtrünnigen Söhne. R. Jiçḥaq aus Kephar A͑kko sagte: Die Halakha ist wie dieses [Gelehrten]paar.
2R. JIŠMA͑ÉL SAGT, ES SEI DREI TAGE VORHER UND DREI TAGE NACHHER VERBOTEN, DIE WEISEN SAGEN, VOR IHREN FESTEN SEI ES VERBOTEN, NACH IHREN FESTEN SEI ES ERLAUBT.
3GEMARA. R. Taḥlipha b. Evdämi sagte im Namen Šemuéls: Nach R. Jišma͑él ist es also immer verboten.
4DIE WEISEN SAGEN, VOR IHREN FESTEN SEI ES VERBOTEN, NACH IHREN FESTEN SEI ES ERLAUBT. Die Weisen sind ja derselben Ansicht wie der erste Autor!? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, ob ihre Feste selbst mit einbegriffen sind; der erste Autor ist der Ansicht, ausschließlich ihrer Feste selbst, die letzteren Rabbanan dagegen sind der Ansicht, einschließlich ihrer Feste selbst.
5Wenn du willst, sage ich, ein Unterschied bestehe zwischen ihnen in dem Falle, wenn man ein Geschäft abgeschlossen hat; der erste Autor ist der Ansicht, wenn man das Geschäft abgeschlossen hat, sei [die Nutznießung] erlaubt, und die letzteren Rabbanan sind der Ansicht, wenn man das Geschäft abgeschlossen hat, sei [die Nutznießung] verboten.
6Wenn du willst, sage ich, sie streiten über die Lehre Šemuéls, denn Šemuél sagte, in der Diaspora sei es nur an ihrem Feste selbst verboten; der erste Autor ist der Ansicht Šemuéls, die letzteren Rabbanan aber sind nicht der Ansicht Šemuéls.
7Wenn du aber willst, sage ich, sie streiten über die Lehre Naḥum des Meders, denn es wird gelehrt, Naḥum der Meder sagt, es sei nur einen Tag vor ihrem Feste verboten; der erste Autor ist nicht der Ansicht Naḥum des Meders, die letzteren Rabbanan aber sind wohl der Ansicht Naḥum des Meders.
8Der Text. Naḥum der Meder sagte: Dies ist nur einen Tag vor ihrem Feste verboten. Man erwiderte ihm: Die Sache ist versunken und darüber wird nicht gesprochen. — Da sind ja die letzteren Rabbanan, die seiner Ansicht sind!? — Unter ‘Weisen’ ist eben Naḥum der Meder zu verstehen.
9Ein anderes lehrt: Naḥum der Meder sagte: Man darf ihnen ein altes männliches Pferd für den Krieg verkaufen. Sie erwiderten ihm: Die Sache ist versunken und darüber wird nicht gesprochen. —
10Da ist ja aber Ben Bethera, der seiner Ansicht ist, denn es wird gelehrt, Ben Bethera erlaube es bei einem Pferde!? — Ben Bethera unterscheidet nicht zwischen männlich und weiblich, und da jener zwischen männlich und weiblich unterscheidet, so ist zu entnehmen, daß er der Ansicht der Rabbanan ist, und nach den Rabbanan ist die Sache versunken, und darüber wird nicht gesprochen.
11Es wird gelehrt: Naḥum der Meder sagte: Vom Dill sind Saatkörner, Kraut und Stiele zu verzehnten. Sie erwiderten ihm: Die Sache ist versunken und darüber wird nicht gesprochen. — Da ist ja R. Elie͑zer, der seiner Ansicht ist, denn wir haben gelernt, R. Elie͑zer sagt, vom Dill seien Saatkörner, Kraut und Stiele zu verzehnten!? — Dies gilt nur vom im Garten gezogenen.
12R. Aḥa b. Minjomi sprach zu Abajje: Ein bedeutender Mann kam aus unsrer Ortschaft, und zu allem, was er sagte, erwiderte man ihm, die Sache sei versunken und man spreche nicht darüber. Dieser erwiderte: Es gibt einen Fall, in welchem wir nach ihm verfahren, denn es wird gelehrt: Naḥum der Meder sagte: Man bitte um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’.
13Jener entgegnete: Abgesehen von diesem, denn er hing sich an einen großen Baum.
14Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Man bitte zuerst um seine persönlichen Bedürfnisse und verrichte nachher das Gebet, denn es heißt: Gebet eines Armen, wenn er verzagt und vor dem Herrn seine Gedanken ausschüttet &c., und unter ‘Gedanken’ ist das Gebet zu verstehen, denn es heißt: und Jiçḥaq ging aufs Feld hinaus, um nachzudenken.
15R. Jehošua͑ sagte: Man verrichte zuerst das Gebet und bitte nachher um seine persönlichen Bedürfnisse, denn es heißt: ich schütte vor ihm meine Gedanken aus und trage ihm meine Not vor. —
16Und R. Elie͑zer, es heißt ja: ich schütte vor ihm meine Gedanken aus!? — Er meint es wie folgt: ich schütte vor ihm meine Gedanken aus, wenn ich ihm meine Not vorgetragen habe. — Und R. Jehošua͑, es heißt ja: Gebet eines Armen, wenn er verzagt!? — Er meint es wie folgt: wann betet der Arme, wenn er seine Gedanken vor dem Herrn ausschüttet. —
17Merke, aus den Schriftversen ist ja weder die Ansicht des einen noch die des anderen zu deuten, worauf stützt sich nun ihr Streit!? —
18Nach einem Vortrage R. Šimlajs, denn R. Šimlaj trug vor; Stets trage man zuerst die Lobpreisung Gottes vor und nachher bete man. Woher dies? — Von unserem Meister Moše, denn es heißt: Herr, Gott, du hast nun begonnen, deinem Knechte zu zeigen &c. und darauf heißt es: ich möchte doch hinübergehen und das schöne Land sehen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.