Avoda Sara — Blatt 8a
1R. Jehošua͑ ist der Ansicht, man lerne es von Moše, und R. Elie͑zer ist der Ansicht, man lerne es nicht von Moše, denn bei Moše verhielt es sich anders, da er ein Mann von Macht war. Die Weisen aber sagen weder wie der eine noch wie der andere, vielmehr bitte man um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’.
2R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist, man bitte um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’. R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, sagte im Namen Rabhs: Obgleich sie gesagt haben, daß man um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’ bitte, so ist es dennoch erlaubt, am Schlusse eines jeden Segens ein diesem entsprechendes Gebet anzufügen.
3R. Ḥija b. Aši sagte im Namen Rabhs: Obgleich sie gesagt haben, daß man um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’ bitte, so ist es dennoch erlaubt, wenn man einen Kranken zuhause hat, ein Gebet in den ‘Krankensegen’, oder wenn man des Unterhaltes benötigt, ein Gebet in den ‘Jahressegen’ einzuschieben.
4R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Obgleich sie gesagt haben, daß man um seine persönlichen Bedürfnisse im [Segen] ‘Der das Gebet erhört’ bitte, so ist es dennoch erlaubt, sie nach dem Gebete vorzutragen, selbst wie bei den Liturgien des Versöhnungstages.
5FOLGENDE SIND DIE FESTE DER NICHTJUDEN: DIE KALENDEN, DIE SATURNALIEN, DER SIEGESTAG, DER GENESJATAG IHRER KÖNIGE, DER GEBURTSTAG UND DER STERBETAG — SO R. MEÍR. DIE WEISEN SAGEN: HAT BEIM TODE EIN VERBRENNEN STATTGEFUNDEN, SO IST DABEI GÖTZENDIENST, HAT DANN KEIN VERBRENNEN STATTGEFUNDEN, SO IST DABEI KEIN GÖTZENDIENST. FÜR DEN TAG SEINER BARTSCHUR ABER UND SEINES SCHOPFES, AN DEM ER VON EINER SEEREISE HEIMGEKEHRT IST, AN DEM ER DAS GEFÄNGNIS VERLASSEN HAT, AN DEM ER FÜR SEINEN SOHN EIN HOCHZEITSMAHL BEREITET, BESTEHT DAS VERBOT NUR FÜR DIESEN TAG UND MIT DIESEM MANNE.
6GEMARA. R. Ḥanan b. Raba sagte: Die Kalenden finden statt acht Tage nach dem Wendepunkte, die Saturnalien acht Tage vor dem Wendepunkte; als Merkzeichen diene dir [der Schriftvers]: hinten und vorn hast du mich umschlossen &c.
7Die Rabbanan lehrten: Als Adam der Urmensch die Tage fortschreitend abnehmen sah, sprach er: Wehe mir, vielleicht wird nun die Welt, weil ich gesündigt habe, verfinstert und wird zurück in Leere und Öde verwandelt; das ist also der Tod, der im Himmel über mich verhängt worden ist! Da stand er auf und verweilte acht Tage im Fasten.
8Als aber der Wendepunkt des Tebeth eintrat und er die Tage fortschreitend zunehmen sah, sprach er: Das ist also der Lauf der Welt. Da ging er und machte acht Tage zu Festtagen. Im nächsten Jahre machte er diese und jene zu Festtagen. Er hatte sie im Namen des Himmels festgesetzt, sie aber bestimmten sie auf die Namen Götzen. —
9Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, die Welt sei im Tišri erschaffen worden, denn demnach sah er die kleinen Tage, bevor er die großen Tage gesehen hatte, nach demjenigen aber, welcher sagt, die Welt sei im Nisan erschaffen worden, hatte er ja die kleinen und die großen Tage gesehen!? — So klein hatte er sie noch nicht gesehen.
10Die Rabbanan lehrten: Als die Sonne unterging am Tage, an dem Adam der Urmensch erschaffen wurde, sprach er: Wehe mir, weil ich gesündigt habe, wird mir die Welt verfinstert und zurück in Leere und Öde verwandelt; das ist also der Tod, der im Himmel über mich verhängt worden ist! Da setzte er sich hin und weinte die ganze Nacht hindurch, und Ḥava weinte ihm gegenüber. Als aber die Morgenröte aufging, sprach er: Das ist also der Lauf der Welt! Da stand er auf und brachte einen Ochsen dar, dem die Hörner den Klauen vorangingen, denn es heißt: das wird dem Herrn besser gefallen als ein Ochs, ein Farre mit Hörnern und Klauen.
11R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Der Ochs, den Adam der Urmensch darbrachte, hatte ein Horn auf der Stirn, denn es heißt: das wird dem Herrn besser gefallen als ein Ochs, ein Farre mit Hörnern und Klauen. — ‘Mit Hörnern’, das sind ja zwei!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Schreibweise ist: ein gehörnter.
12R. Mathna fragte: Ist es, wenn Rom die Kalenden feiert, in den Städten rings um dieses, die ihm unterworfen sind, verboten oder erlaubt? — R. Jehošua͑ b. Levi sagte, während der Kalenden sei es überall verboten; R. Joḥanan sagte, es sei nur mit den Feiernden allein verboten.
13Übereinstimmend mit R. Joḥanan wird gelehrt: Obgleich sie dies gesagt haben, so gilt, wenn Rom die Kalenden feiert und die Städte rings um dieses ihm unterworfen sind, das Verbot nur für die Feiernden allein.
14Bei den Saturnalien, dem Siegestage, dem Genesjatage ihrer Könige und dem Krönungstage ist es vorher verboten, nachher aber erlaubt. Wenn ein Nichtjude seinem Sohne ein Hochzeitsmahl bereitet, so ist es verboten nur an diesem Tage und mit diesem Manne.
15R. Aši sagte: Auch wir haben dies gelernt: Er lehrt, für den Tag aber, an dem er sich den Bart und den Schopf schneidet, an dem er von einer Seereise heimgekehrt ist, an dem er das Gefängnis verlassen hat, bestehe das Verbot nur für diesen Tag und mit diesem Manne.
16[Die Worte] ‘für diesen Tag’ schließen wohl die Tage vorher und nachher aus, was aber schließen [die Worte] ‘mit diesem Manne’ aus? Doch wohl Personen, die ihm unterworfen sind. Schließe hieraus.
17Es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: Die Jisraéliten außerhalb des Landes sind unschuldige Götzendiener. Wenn nämlich ein Nichtjude für seinen Sohn ein Hochzeitsmahl bereitet und alle Jisraéliten seiner Stadt einlädt, so rechnet es ihnen die Schrift an, obgleich sie ihr eigenes essen, ihr eigenes trinken und von ihrem eigenen Diener bedient werden, als hätten sie von einem Totenmahle gegessen, denn es heißt: und er lädt dich ein, und du von seinem Schlachtopfer essest. —
18Vielleicht nur dann, wenn man davon gegessen hat!? Raba erwiderte: Demnach sollte es nur heißen: und du von seinem Schlachtopfer essest, wenn es aber heißt: und er lädt dich ein, so [beginnt das Verbot] mit der Einladung.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.