Avoda Sara — Blatt 8b

1Daher ist es während der dreißig Tage verboten, einerlei ob er ihm gesagt hat, aus Anlaß der Hochzeit, oder er ihm nicht gesagt hat, aus Anlaß der Hochzeit, später aber ist es, wenn er ihm gesagt hat, aus Anlaß der Hochzeit, verboten, und wenn er ihm nicht gesagt hat, aus Anlaß der Hochzeit, erlaubt. —

2Wie lange ist es [verboten], wenn er ihm gesagt hat, aus Anlaß der Hochzeit? R. Papa erwiderte: Ein Jahr von zwölf Monaten. — Von wann ab ist es vorher verboten? R. Papi erwiderte im Namen Rabas: Sobald die Gerste in den Kübel geschüttet wird. —

3Ist es denn nach einem Jahre von zwölf Monaten erlaubt, R. Jiçḥaq, Sohn des R. Mešaršeja, besuchte ja einst einen Nichtjuden, nach einem Jahre von zwölf Monaten, und als er ihn danken hörte, zog er sich zurück und aß nichts!? — Anders verhielt es sich bei R. Jiçḥaq, dem Sohne des R. Mešaršeja, denn er war ein bedeutender Mann.

4DER SIEGESTAG &C. Was ist dies für ein Siegestag? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Der Tag, an dem Rom die Herrschaft erlangt hat. — Es wird ja aber gelehrt: Der Siegestag und der Tag, an dem Rom die Herrschaft erlangt hat!? R. Joseph erwiderte: Zweimal erlangte Rom die Herrschaft, einmal zur Zeit der Königin Kleopatra, und einmal zur Zeit der Griechen.

5Als R. Dimi kam, sagte er nämlich: Zweiunddreißig Schlachten lieferten die Römer den Griechen und sie konnten sie nicht besiegen, da verbündeten sie sich mit den Jisraéliten und trafen mit ihnen folgende Vereinbarung: werden von uns die Könige gewählt, so sollen von euch die Eparche gewählt werden, und werden die Könige von euch gewählt, so sollen die Eparche von uns gewählt werden.

6Hierauf ließen die Römer den Griechen sagen: Bis jetzt suchten wir eine Entscheidung durch den Krieg herbeizuführen, nun wollen wir dies durch das Recht. Wer soll von Perle und Edelstein als Untersatz für den anderen dienen? Diese erwiderten: Die Perle für den Edelstein. —

7Wer soll von Edelstein und Enakh als Untersatz für den anderen dienen? Diese erwiderten: Der Edelstein für den Enakh. — Wer soll vom Enakh und dem Torabuche als Untersatz für den anderen dienen? — Der Enakh für das Torabuch.

8Hierauf erwiderten jene: Wir haben das Torabuch bei uns und wir haben die Jisraéliten mit uns. Da besiegten sie sie. Sechsundzwanzig Jahre bewahrten sie den Jisraéliten die Treue, nachher aber knechteten sie sie. Worauf stützten sie sich vorher und worauf stützten sie sich nachher? —

9Anfangs sagten sie: Laß uns aufbrechen und weiter ziehen, und ich will neben dir herziehen. Später aber sagten sie: Mein Gebieter wolle doch seinem Sklaven vorausziehen. —

10Woher wissen wir, daß sie den Jisraéliten sechsundzwanzig Jahre die Treue bewahrten? — R. Kahana erzählte: Als R. Jišma͑él b. Jose erkrankte, ließ man ihn bitten: Meister, sage uns doch zwei oder drei Dinge, die du uns im Namen deines Vaters gesagt hast.

11Er erwiderte ihnen: Hundertundachtzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels stürzte sich die ruchlose Regierung über Jisraél; achtzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels verhängten sie Unreinheit über die Länder der Völker und über Glasgefäße; vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels wanderte das Synedrium aus und ließ sich in den Kaufhallen nieder. —

12In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? R. Jiçḥaq b. Evdämi erwiderte: Dies besagt, daß sie nicht mehr in Bußgeldsachen richteten. — ‘In Bußgeldsachen’, wie kommst du darauf? R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs: Zum Guten aber sei jenes Mannes gedacht, R. Jehuda b. Baba ist sein Name, denn wenn nicht er, würden in Jisraél die Gesetze von den Bußgeldern in Vergessenheit geraten sein. — ‘In Vergessenheit’, man konnte sie ja studieren!? —

13Vielmehr, die Gesetze von den Bußgeldern würden aufgehört haben. Einst verhängte nämlich die ruchlose Regierung Religionsverfolgung über Jisraél: jeder Promotus sollte hingerichtet werden, jeder Promovendus sollte hingerichtet werden, jede Stadt, in der ordiniert wird, sollte zerstört werden, und das Gebiet, in dem ordiniert wird, sollte vertilgt werden.

14Was aber tat R. Jehuda b. Baba? Er ging und ließ sich nieder zwischen zwei großen Bergen, zwischen zwei großen Städten, zwischen zwei Šabbathgebieten, zwischen Uša und Šaphraa͑m, und ordinierte da fünf Älteste: R. Meír, R. Jehuda, R. Jose, R. Šimo͑n und R. Elea͑zar b. Šamua͑. R. Ivja fügt noch R. Neḥemja hinzu.

15Als die Feinde sie bemerkten, sprach er zu ihnen: Kinder, flüchtet. Diese entgegneten ihm: Meister, was soll aus dir werden!? Er erwiderte ihnen: Ich bleibe vor ihnen wie ein Stein liegen, um den niemand sich kümmert. Man erzählt, jene rührten sich nicht von der Stelle, als bis sie ihm dreihundert Lanzenstiche versetzt und seinen Körper wie ein Sieb gemacht hatten.

16R. Naḥman h. Jiçḥaq erwiderte: Sage nicht: in Bußgeldsachen, sondern: sie richteten nicht in Todesstrafsachen. —

17Aus welchem Grunde? — Als sie sahen, daß die Mörder zahlreich wurden, sodaß sie [die Verhandlungen] nicht mehr bewältigen konnten, sagten sie: Lieber wollen wir von Ort zu Ort wandern, damit wir keine Verurteilung herbeiführen können,

18denn es heißt: du aber sollst verfahren wie der Spruch lautet, den sie dir von jener Stätte aus mitteilen werden; dies lehrt, daß die Stätte unerläßlich sei.

19Waren es denn nur hundertundachtzig Jahre und nicht mehr, R. Jose Berabbi lehrte ja:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.