Bava Batra — Blatt 100a
1R. Aši erklärte: Jeder Weg an der Seite gilt als krumm, denn er ist nahe für den einen und weit für den anderen. –
2Soll er doch zu ihnen sagen: da habt ihr euren und gebt mir meinen!? – Hier ist die Ansicht R. Jehudas vertreten, denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen R. Elie͑zers: Wenn das Publikum sich einen Weg ausgesucht hat, so ist er ausgesucht. –
3Darf denn nach R. Elie͑zer das Publikum Raub üben? R. Gidel erwiderte im Namen Rabhs : Wenn ihm auf diesem Felde ein Weg verloren ging. –
4Wieso sagte demnach Rabba b. R. Hona, die Halakha sei nicht wie R. Elie͑zer!? – Wer das eine lehrte, lehrte das andere nicht. –
5Was ist demnach der Grund!? – Wegen einer Lehre R. Jehudas, denn R. Jehuda sagte, einen Rain, von dem das Publikum Besitz genommen hat, dürfe man nicht zerstören. –
6Wodurch hat ihn nach R. Elie͑zer das Publikum geeignet? – Durch das Begehen, denn es wird gelehrt: Ist er durch dieses in der Länge und der Breite gegangen, so hat er die Stelle geeignet, wo er gegangen ist – so R. Elie͑zer; die Weisen sagen, das Gehen nütze nichts, sondern nur dann, wenn er es in Besitz genommen hat.
7R. Elea͑zar sagte: Was ist der Grund R. Elie͑zers? Es heißt:auf, durchziehe das Land nach seiner Länge und seiner Breite, denn dir werde ich es geben. – Und die Rabbanan!? – Dies sagte er ihm nur wegen seiner Liebe zu Abraham.
8R. Jose b. R. Ḥanina sagte: Die Weisen pflichten jedoch R. Elie͑zer bei einem Weinbergstege bei, denn da er nur zum Durchgehen bestimmt ist, so wird er auch durch das Begehen geeignet
9Wenn sie zu R. Jiçḥaq b. Ami kamen, sprach er zu ihnen: Gebt ihm soviel, daß man da Ranken tragen und sich umdrehen kann. Dies nur dann, wenn [der Weg] durch Wände begrenzt ist, wenn er aber nicht durch Wände begrenzt ist, daß man einen Fuß heben und einen Fuß niedersetzen kann.
10DER PRIVATWEG HAT [EINE BREITE VON] VIER ELLEN. Es wird gelehrt: Andere sagen, daß ein Esel mit seiner Last vorübergehen kann. R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die Anderen. Ein Anderes lehrt: Die Richter des Exils sagten: Zweieinhalb Ellenbogen. R. Hona sagte: Die Halakha ist wie die Richter des Exils. – Aber R. Hona sagte ja, die Halakha sei wie die Anderen!? – Beide Maße sind identisch.
11DER ÖFFENTLICHE WEG SECHZEHN ELLEN. Die Rabbanan lehrten: Der Privatweg hat vier Ellen; der Weg von einer Stadt nach einer anderen acht Ellen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.