Bava Batra — Blatt 109b
1nicht aber wird, auch wenn eine Tochter da ist, der Vater bei der Erbschaft übergangen!? – Demnach sollte doch der Allbarmherzige nicht geschrieben haben: ihr sollt übergehen lassen. –
2Wofür verwendet, der es aus [dem Worte] übergehen entnimmt, [das Wort] Blutsverwandten? – Dieses verwendet er für folgende Lehre: Blutsverwandten, das ist seine Frau; dies lehrt, daß der Mann seine Frau beerbe. –
3Wofür verwendet, der es aus [dem Worte] Blutsverwandten entnimmt, [das Wort] übergehen? – Er verwendet es für folgende Lehre: Rabbi sagte: Bei allen heißt es geben und bei dieser heißt es übergehen, denn nur bei einer Tochter geht die Erbschaft von einem Stamme zu einem anderen Stammeüber, da ihr Sohn und ihr Mann sie beerben. –
4Unter Blutsverwandten ist wohl deshalb der Vater zu verstehen, weil es heißt:sie ist die Blutsverwandte deines Vaters, vielleicht aber ist unter Blutsverwandten die Mutter zu verstehen, denn es heißt:sie ist die Blutsverwandte deiner Mutter!?
5Raba erwiderte: Die Schrift sagt:von seiner Familie, er beerbe ihn, die Familie des Vaters gilt als Familie, die Familie der Mutter gilt nicht als Familie, denn es heißt:nach ihren Familien, dem Hause ihres Vaters. –
6Es heißt ja aber :es war ein junger Mann aus Beth Leḥem in Jehuda, aus der Familie Jehuda, er war Levi und war da fremd, und da dies sich widerspricht, denn wenn es heißt: er war Levi, so gehörte er ja zum Stamme Levi, und dem widersprechend heißt es: aus der Familie Jehuda, wonach er zum Stamme Jehuda gehörte, so stammte wahrscheinlich sein Vater von Levi und seine Mutter von Jehuda, und es heißt: aus der Familie Jehuda!?
7Raba b. R. Ḥanan erwiderte: Nein, ein Mann, der Levi hieß. – Wieso sagte Mikha demnach:Nun weiß ich gewiß, daß mir der Herr wohltun wird, denn ich habe einen Levi zum Priester!? – Freilich, daß er einen Mann gefunden hat, der Levi hieß. –
8Hieß er denn Levi, er hieß ja Jehonathan, denn es heißt:und Jehonathan, der Sohn Geršoms, des Sohnes Menašes, und seine Söhne dienten dem Stamme Dan als Priester!? Dieser erwiderte: Auch gegen deine Auffassung [ist ja einzuwenden:] er stammte ja nicht von Menaše, sondern von Moše, denn es heißt :und die Söhne Mošes waren Geršom und Elie͑zer;
9die Schrift hängt ihn vielmehr deshalb Menaše an, weil er nach der Handlungsweise Menašes verfuhr, ebenso hängt sie ihn Jehuda an, weil er nach der Handlungsweise Menašes verfuhr, der von Jehuda stammte.
10R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj : Hieraus, daß man die Verderbtheit dem Verdorbenen anhängt. R. Jose b. Ḥanina sagte: Hieraus :und er war auch von schöner Gestalt und ihn hatte sie nach Abšalom geboren. Adonija war ja der Sohn der Ḥagith und Abšalom der Sohn der Maa͑kha!? Die Schrift hängt ihn also deshalb Abšalom an, weil er sich gleich Abšalom gegen den König auflehnte, ebenso hängt die Schrift jenen Menaše an, weil er nach der Handlungsweise Menašes verfuhr.
11R. Elea͑zar sagte: Stets schließe sich ein Mensch den Guten an; Moše heiratete die Tochter Jithros, und ihm entstammte Jehonathan, Ahron aber heiratete die Tochter A͑minadabs, und ihm entstammte Pinḥas. –
12Stammte dann nicht auch Pinḥas von Jithro ab, es heißt ja:und Elea͑zar, der Sohn Ahrons, nahm eine von den Töchtern Puṭiéls zur Frau, wahrscheinlich doch eine, die von Jithro stammte, der Kälber für die Götzen mästete!? – Nein, die von Joseph stammte, der gegen seinen Trieb kämpfte. –
13Aber die Stämme schmähten ihn ja, indem sie zu ihm sprachen: Seht doch diesen Puṭi-Sohn, dessen Großvater mütterlicherseits Kälber für die Götzen mästete, nun hat er einen Stammesfürsten in Jisraél getötet!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.