Bava Batra — Blatt 10b

1Wenn der Gebende nicht weiß, wem er gibt, und der Nehmende nicht weiß, von wem er es erhält. Wenn der Gebende nicht weiß, wem er es gibt, dies schließt das Verfahren Mar U͑qabas aus; wenn der Nehmende nicht weiß, von wem er es erhält, dies schließt das Verfahren R. Abbas aus. – Wie mache man es nun? – Man gebe es in die Armenkasse.

2Man wandte ein: R. Elie͑zer sagte: Was tue man, um Kinder zu erhalten? Man verstreue sein Geld unter die Armen; R. Jehošua͑ sagt, man erfreue seine Frau mit einer gottgefälligen Sache. R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Man tue seine Peruṭa nur dann in die Armenkasse, wenn ein Mann wie R. Ḥanina b. Teradjon sie verwaltet!? – Wir sprechen eben von dem Falle, wenn ein Mann wie R. Ḥanina b. Teradjon sie verwaltet.

3R. Abahu sagte: Moše sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, wodurch soll das Horn Jisraéls hoch erhoben werden? Er erwiderte: Durch das Erheben.

4Ferner sagte R. Abahu: Man fragte Šelomo, den Sohn Davids, wie weit die Kraft der Wohltätigkeit reiche. Da erwiderte er ihnen: Geht und seht, was mein Vater David darüber sagt:er hat ausgestreut, den Armen gegeben, seine Wohltätigkeit besteht für immer; sein Horn wird hoch erhoben sein mit Ehren. R. Abba sagte: Hieraus:er wird auf Höhen wohnen, Felsfesten sind seine Burg; sein Brot wird ihm gereicht, sein Wasser ist zuverlässig. Er wird deshalb auf Höhen wohnen, und Felsfesten deshalb seine Burg, weil er sein Brot gereicht hat und sein Wasser zuverlässig war.

5Ferner sagte R. Abahu: Man fragte Šelomo, wer der zukünftigen Welt teilhaftig sei, und er erwiderte ihnen:Wer seines Alterswegen Ehre hat. So erkrankte einst Joseph, Sohn des R. Jehošua͑, und verfiel in eine Lethargie. Darauf fragte ihn sein Vater, was er gesehen habe, und dieser erwiderte: Ich habe eine verkehrte Welt gesehen; die oberen unten und die unteren oben. Jener entgegnete: Du hast eine lautere Welt gesehen. Wie hast du uns gesehen? – Wie wir hier geachtet sind, so sind wir dort geachtet.

6Ferner hörte ich da sagen: Heil dem, der hier mit seinem Studium in der Hand ankommt. Und ferner hörte ich da sagen: Niemand vermag in die Friedigung der Hingerichteten der Regierung zu gelangen. – Wer sind es, wollte man sagen, R. A͑qiba und seine Genossen, so ist dies ja selbstverständlich, [sie haben ja auch andere Verdienste] außer Hingerichtete der Regierung zu sein!? – Vielmehr, es sind die Märtyrer von Lud.

7Es wird gelehrt: R. Joḥanan b. Zakkaj sprach zu seinen Schülern: Meine Kinder, was bedeutet der Schriftvers:Wohltätigkeit erhöht ein Volk, und die Liebe der Nationen ist Sünde? Da ergriff R. Elea͑zar das Wort und sprach: Wohltätigkeit erhöht ein Volk, das sind die Jisraéliten, denn es heißt:und wer gleicht deinem Volke Jisraél, es ist ein einziges Volk auf Erden. Und die Liebe der Nationen ist Sünde, alle Wohltätigkeiten und Liebeswerke, die die weltlichen Völker üben, gereicht ihnen zur Sünde, denn sie tun dies nur deshalb, um dadurch Größe zu erlangen, wie es heißt:damit sie dem Gott des Himmels Wohlgerüche darbringen, und für das Leben des Königs und seiner Söhne beten. –

8Ist denn, wenn jemand so verfährt, dies keine richtige Wohltätigkeit, es wird ja gelehrt, wenn jemand sagt, er gebe diesen Sela͑ als Almosenspende, damit seine Kinder leben bleiben, oder damit er der zukünftigen Welt teilhaftig werde, sei er ein wahrhaft Frommer!? – Das ist kein Widerspruch; eines gilt von Jisraéliten und eines gilt von den weltlichen Völkern.

9Hierauf ergriff R. Jehošua͑ das Wort und sprach: Wohltätigkeit erhöht ein Volk, das sind die Jisraéliten, denn es heißt: wer gleicht deinem Volke Jisraél, es ist ein einziges Volk auf Erden. Und die Liebe der Nationen ist Sünde, alle Wohltätigkeiten und Liebeswerke, die die weltlichen Völker üben, gereicht ihnen zur Sünde, denn sie tun dies nur deshalb, damit ihre Regierung von Dauer sei, wie es heißt:darum, o König, laß dir meinen Rat gefallen, und mache deine Sünden gut durch Wohltätigkeit und deine Missetaten durch Barmherzigkeit gegen die Armen; vielleicht wird dein Frieden von Dauer sein. Hierauf folgt:dies alles erfüllte sich am Könige Nebukhadneçar; ferner:nach Verlauf von zwölf Monaten &c.

10Hierauf ergriff R. Gamliél das Wort und sprach: Wohltätigkeit erhöht ein Volk, das sind die Jisraéliten, denn es heißt: wer gleicht deinem Volke Jisraél &c. es ist ein einziges Volk auf Erden. Und die Liebe der Nationen ist Sünde, alle Wohltätigkeiten und Liebeswerke, die die weltlichen Völker üben, gereicht ihnen zur Sünde, denn sie tun es nur deshalb, um damit zu prahlen. Wer aber prahlt, verfällt dem Fegefeuer, denn es heißt:der Übermütige und Prahlende heißt ein Spötter, er handelt mit frechem Zorne; und unter Zorn ist das Fegefeuer zu verstehen, denn es heißt:ein Tag des Zornes ist jener Tag.

11R. Gamliél sagte: Wir brauchen immer noch des Modäers, denn R. Elea͑zar aus Modai͑m sagte: Wohltätigkeit erhöht ein Volk, das sind die Jisraéliten, denn es heißt: Wer gleicht deinem, Volke Jisraél, es ist ein einziges Volk. Und die Liebe der Nationen ist Sünde, alle Wohltätigkeiten und Liebeswerke, die die weltlichen Völker üben, gereicht ihnen zur Sünde, denn sie tun es nur deshalb, um uns zu beschimpfen, denn es heißt:der Herr hat herbeigeführt und getan, wie er angedroht hatte; denn ihr habt gesündigt wider den Herrn und auf seinen Befehl nicht gehorcht: und so geschah euch diese Sache.

12Alsdann ergriff R. Neḥunja b. Haqana das Wort und sprach: Wohltätigkeit erhöht ein Volk und die Liebe, die Jisraéliten; der Nationen ist Sünde. Hierauf sprach R. Joḥanan b. Zakkaj zu seinen Schülern: Die Worte des R. Neḥunja b. Haqana sind einleuchtender als meine und eure Worte, weil er Wohltätigkeit und Liebe den Jisraéliten und Sünde den Völkern zuteilt. – Demnach sagte er es ebenfalls; wo dies? – Es wird gelehrt: R. Joḥanan b. Zakkaj sagte: Wie das Sündopfer den Jisraéliten Sühne verschafft, ebenso verschafft die Wohltätigkeit Sühne den weltlichen Völkern.

13Einst sandte Iphra Hormez, die Mutter des Königs Sapor, vierhundert Denar an R. Ami; dieser aber nahm sie nicht an. Hierauf sandte sie sie an Raba, und dieser nahm sie an. Als R. Ami dies hörte, zürnte er, indem er sprach: Hält er nichts von:wenn ihre Schnittlinge trocken sind, werden sie abgebrochen, Frauen kommen und pflückensie? – Und Raba!? – Des Friedens wegen mit der Regierung.

14Und auch R. Ami sollte sie des Friedens wegen mit der Regierung an Arme der weltlichen Völker verteilen. Ebenso verteilte sie auch Raba an Arme der weltliehen Völker; R. Ami aber war dies nicht berichtet worden,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.