Bava Batra — Blatt 115a

1R. Joḥanan wandte gegen R. Jehuda b. R. Šimo͑n ein: [Es vererben] die Frau ihrem Sohne, die Frau ihrem Ehemanne und die Brüder der Mutter; diese vererben und beerben nicht!? Dieser erwiderte: Ich weiß nicht, wer diese Mišna gelehrt hat.

2Sollte er ihm doch erwidert haben, sie vertrete die Ansicht des R. Zekharja b. Haqaçab, der [das Wort] Stämme nicht auslegt!? –

3Die Mišna kann R. Zekharja b. Haqaçab nicht addiziert werden, denn diese lehrt: und die Söhne der Schwestern, und hierzu wird gelehrt: Die Söhne der Schwestern, nicht aber die Töchter der Schwestern, und auf unsere Frage, in welcher Hinsicht dies von Bedeutung sei, erwiderte R. Šešeth, hinsichtlich der Bevorzugung.

4Wieso kann man nun sagen, sie vertrete die Ansicht des R. Zekharja b. Haqaçab, dieser sagt ja, Sohn und Tochter seien beim Vermögen der Mutter gleichberechtigt.

5Welcher Ansicht ist unser Autor: legt er [das Wort] Stämme aus, so sollte auch eine Frau ihren Sohn beerben, und legt er [das Wort] Stämme nicht aus, woher weiß er, daß ein Sohn der Tochter beim Vermögen der Mutter vorgehe!? –

6Tatsächlich legt er [das Wort] Stämme aus, nur ist es hierbei anders, denn die Schrift sagt :und jede Tochter, die zu Erbbesitz gelangt, sie kann nur erben, nicht aber vererben.

7DIE ORDNUNG DER ERBSCHAFT IST FOLGENDE:Wenn jemand stirbt und keinen Sohn hinterläßt, so sollt ihr sein Erbe auf seine Tochter übergehen lassen.EIN SOHN GEHT DER TOCHTER VOR, UND DIE NACHKOMMEN DES SOHNES GEHEN DER TOCHTER VOR; EINE TOCHTER GEHT DEN BRÜDERN VOR, UND DIE NACHKOMMENDER TOCHTER GEHEN DEN BRÜDERN VOR; DIE BRÜDER GEHEN DEN BRÜDERN DES VATERS VOR, UND DIE NACHKOMMEN DER BRÜDER GEHEN DEN BRÜDERN DES VATERS VOR.

8DIE REGEL HIERBEI IST: WER BEI DER ERBSCHAFT VORGEHT, DESSEN NACHKOMMEN GEHEN AUCH VOR; DER VATER GEHT ALL SEINEN NACHKOMMEN VOR.

9GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Sohn; ich weiß dies nur vom Sohne des Sohnes und von der Tochter des Sohnes, woher dies vom Sohne der Tochter und von der Tochter der Tochter? Es heißt: hat er nicht, man forsche nach.

10Tochter; ich weiß dies nur von einer Tochter, woher dies vom Sohne der Tochter, der Tochter der Tochter und der Tochter des Sohnes des Sohnes? Es heißt: hat er nicht, man forsche nach.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.