Bava Batra — Blatt 116a
1sollte etwa unsere vollkommene Tora nicht soviel sein, wie euer eitles Geschwätz!? Wohl gilt dies von der Tochter des Sohnes, die erbberechtigt ist gleich den Brüdern, während eine Tochter nicht erbberechtigt ist gleich den Brüdern. Da waren sie besiegt, und jenen Tag machte man zu einem Festtage.
2Sie sprachen: Ein Erbteil der Rettung bleibe Binjamin, daß nicht ein Stamm aus Jisraél hinweggetilgt werde.
3R. Jiçḥaq aus der Schule R. Amis sagte: Dies lehrt, daß sie über den Stamm Binjamin bestimmten, daß die Tochter des Sohnes nicht mit den Brüdern erbe.
4R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj : Wenn jemand keinen Sohn hinterläßt, der ihn beerbt, so gerät der Heilige, gepriesen sei er, über ihn in Zorn. Hierbei heißt es:ihr sollt seinen Erbbesitz übergehen lassen, und dort heißt es: ein Tag des Zornesist jener Tag.
5Bei denen kein Wechsel ist, und die Gott nicht fürchten. R. Joḥanan und R. Jehošua͑ b. Levi [streiten hierüber]; einer erklärt, der keinen Sohn hinterläßt, und einer erklärt, der keinen Schüler hinterläßt.
6Es ist zu beweisen, daß R. Joḥanan es ist, der keinen Schüler erklärt, denn R. Joḥanan sagte: Dies ist ein Knochen des zehnten Sohnes. –
7Wenn nun R. Joḥanan es ist, der keinen Schüler erklärt, so ist es ja R. Jehošua͑ b. Levi, der keinen Sohn erklärt,
8und [dem widersprechend] ging ja R. Jehošua͑ b. Levi ins Leichenhaus nur zu einem, der ohne Söhne starb, denn es heißt : weinet, weinet über den, der dahingeht, und R. Jehuda erklärte im Namen Rabhs, über den, der ohne ein männliches Kind dahingegangen ist!? Vielmehr, R. Jehošua͑ b. Levi ist es, der keinen Schüler erklärt. –
9Wenn nun R. Jehošua͑ b. Levi es ist, der keinen Schüler erklärt, so ist es ja R. Joḥanan, der keinen Sohn erklärt,
10somit befindet sich ja R. Joḥanan mit sich selber in einem Widerspruche!? – Das ist kein Widerspruch; das eine ist seine eigene Ansicht, das andere ist die seines Lehrers.
11R. Pinḥas b. Ḥama trug vor : Es heißt :und Hadad vernahm in Miçrajim, daß David sich zu seinen Vätern gelegt habe, und daß der Feldhauptmann Joa͑b gestorben sei. Weshalb wird bei David [der Ausdruck] ‘legen’ und bei Joa͑b [der Ausdruck] ‘sterben’ gebraucht? – David hinterließ einen Sohn, daher wird bei ihm [der Ausdruck] ‘legen’ gebraucht, Joa͑b hinterließ keinen Sohn, daher wird bei ihm [der Ausdruck] ‘sterben’ gebraucht. –
12Hinterließ denn Joa͑b keinen Sohn, es heißt ja:und von den Söhnen Joa͑bs: O͑badja, der Sohn Jeḥiéls!? – Vielmehr, David hinterließ einen Sohn seinesgleichen, daher wird bei ihm [der Ausdruck] ‘legen’ gebraucht, Joa͑b hinterließ keinen Sohn seinesgleichen, daher wird bei ihm [der Ausdruck] ‘sterben’ gebraucht.
13R. Pinḥas b. Ḥama trug vor : Schlimmer ist die Armut im Hause eines Menschen als fünfzig Plagen, denn es heißt: erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr Freunde, denn getroffen hat mich die Hand Gottes. Und sie erwiderten ihm:hüte dich, wende dich nicht zum Frevel, denn durch diesen wirst du Armut wählen.
14R. Pinḥas b. Ḥama trug vor: Wer einen Kranken in seinem Hause hat, gehe zu einem Weisen, daß er für ihn um Erbarmen flehe, denn es heißt: des Königs Grimm gleicht Todesboten, ein weiser Mann aber besänftigt ihn.
15DIE REGEL HIERBEI IST: WER BEI DER ERBSCHAFT VORGEHT, DESSEN NACHKOMMEN GEHEN AUCH VOR; DER VATER GEHT ALL SEINEN NACHKOMMEN VOR. Rami b. Ḥama fragte: Wer geht von Vater des Vaters und Bruder des Vaters, beispielsweise Abraham und Jišma͑él beim Vermögen E͑savs, dem anderen vor? Raba erwiderte: Komm und höre: Der Vater geht all seinen Nachkommen vor. – Und Rami b. Ḥama!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.