Bava Batra — Blatt 12a

1Zu einem geschlossenen Hause gehören die vier Ellen; hat er den Türrahmen herausgebrochen, so gehören zu diesem nicht mehr die vier Ellen.

2Ein Grab, dessen Tür geschlossen ist, ist nicht von allen Seiten verunreinigend; hat man den Türrahmen herausgebrochen und es geschlossen, so ist es von allen Seiten verunreinigend. Ein geschlossenes Haus ist nicht von allen Seiten verunreinigend; hat man den Türrahmen herausgebrochen, so ist es von allen Seiten verunreinigend.

3Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn die Bürger einer Stadt, deren Durchgangsgassen in eine andere Stadt münden, diese schließen wollen, so können die Bürger der anderen Stadt ihnen dies verwehren. Selbstverständlich können sie es ihnen verwehren, wenn ein anderer Weg nicht vorhanden ist, aber auch wenn ein anderer Weg vorhanden ist, können sie es ihnen verwehren.

4Dies wegen einer Lehre, die R. Jehuda im Namen Rabhs lehrte, man dürfe einen Rain, den das Publikum in Besitz genommen hat, nicht zerstören. (Dies auch nach R. Gidel, denn R. Gidel sagte: Hat das Publikum einen Weg ausgesucht, so ist er ausgesucht.)

5R. A͑nan sagte im Namen Šemuéls: Wenn Durchgangsgassen in eine öffentliche Straße münden und die Anwohner der Durchgangsgassen Türen einsetzen wollen, so können die Leute der Straße es ihnen verwehren.

6Man wollte erklären, nur von vier Ellen, und zwar nach R. Zera, der im Namen R. Naḥmans sagte, die vier Ellen an der Straße gehören zur Straße; dem ist aber nicht so, dies gilt nur hinsichtlich der Unreinheit, hierbei aber kann es vorkommen, daß im Publikum ein Gedränge entsteht und es weiter hineingehen muß.

7EIN FELD NUR DANN, WENN NEUN KAB FÜR DEN EINEN UND NEUN KAB FÜR DEN ANDEREN VERBLEIBEN &C. Sie streiten aber nicht; einer spricht von seiner Ortschaft und einer spricht von seiner Ortschaft. –

8Wie ist es in Babylonien? R. Joseph erwiderte: Der Pflug eines Tages. –

9Was heißt ‘der Pflug eines Tages’: wenn der Saatpflug eines Tages, so entspricht er ja nicht zwei Tagen des Lockerungspfluges, und wenn der Lockerungspflug eines Tages, so ist es ja kein Tag des Saatpfluges!? –

10Wenn du willst, sage ich: ein Tag des Saatpfluges entspricht zwei Tagen des Lockerungspfluges, denn der Lockerungspflug wird wiederholt; wenn du aber willst, sage ich: der Lockerungspflug eines Tages bei unebenem Boden.

11Eine Bewässerungsgrube [teile man], wie R. Naḥman sagte, wenn [für jeden] ein Tag zum Schöpfen verbleibt. Einen Weinberg [teile man], wie der Vater Šemuéls sagte, wenn [für jeden] drei Kab verbleiben.

12Ebenso wird auch gelehrt: Wenn jemand zu seinem Nächsten sagt, er verkaufe ihm einen Teil vom Weinberge, so darf er ihm, wie Symmachos sagt, nicht weniger als drei Kab geben. R. Jose sagte: Das ist nichts weiter als Prophetenworte. – Wie verhält es sich in Babylonien? Raba b. Qisana erwiderte: Drei Reihen je zwölf Weinstöcke; soviel, daß ein Mensch sie an einem Tage bearbeiten kann.

13R. Evdämi aus Hajpha sagte: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört worden ist, ist die Prophetie den Propheten genommen und den Weisen gegeben worden. – Kann denn ein Weiser nicht auch Prophet sein!? – Er meint es wie folgt: Wenn sie auch den Propheten genommen worden ist, den Weisen aber ist sie nicht genommen worden.

14Amemar sagte: Ein Weiser ist bedeutender als ein Prophet, denn es heißt:dem Prophetenein Herz der Weisheit; wer beruft sich auf wen? Doch wohl der kleinere auf den größeren.

15Abajje sagte: Dies ist auch zu beweisen: ein bedeutender Mann sagt etwas, und übereinstimmend mit ihm wird es auch im Namen eines anderen bedeutenden Mannes gesagt. Raba entgegnete: Was beweist dies denn, vielleicht sind sie beide Kinder desselben Geschickes!? Vielmehr, sagte Raba, ist dies aus folgendem zu beweisen: ein bedeutender Mann sagt etwas,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.