Bava Batra — Blatt 12b

1und dasselbe wird auch im Namen des R. A͑qiba b. Joseph gesagt. R. Aši entgegnete: Was beweist dies denn, vielleicht sind sie in dieser Sache Kinder desselben Geschickes!?

2Vielmehr, sagte R. Aši, ist dies aus folgendem zu beweisen: ein bedeutender Mann sagt etwas, und dasselbe wurde auch Moše am Sinaj überliefert. – Vielleicht wie ein Blinder an die Luke!? – Begründet er es etwa nicht!?

3R. Joḥanan sagte: Seit dem Tage, an dem der Tempel zerstört worden ist, ist die Prophetie den Propheten genommen und Narren und Kindern gegeben worden. – Welches Bewenden hat es damit? Wie in folgendem Falle. Einst stand Mar b. R. Aši auf dem Vorplatze von Maḥoza und hörte einen Narren sagen: Der jetzt in Matha Meḥasja zum Schuloberhaupte eingesetzt wird, unterzeichnet sich Ṭabjomi. Da sprach er: Der sich unter den Rabbanan Ṭabjomi unterzeichnet, bin ich; es scheint also, daß mir die Zeit günstig ist. Da machte er sich auf und ging dahin. Während er hinging, stimmten die Rabbanan gerade ab, R. Aḥa aus Diphte zum Oberhaupte einzusetzen,

4und als sie hörten, daß jener kommt, sandten sie ein Gelehrtenpaar zu ihm, um sich mit ihm zu beraten; er aber hielt sie zurück. Hierauf sandten sie zu ihm ein anderes Gelehrtenpaar, und er hielt auch dieses bei sich zurück, bis sie ihrer zehn waren. Als zehn anwesend waren, begann er und hielt vor ihnen einen Vortrag. Man eröffnet nämlich keinen Vortrag, wenn nicht wenigstens zehn Personen anwesend sind.

5Hierauf las R. Aḥa über sich: Wem es schlecht geht, dem geht es nicht so schnell gut, und wem es gut geht, dem geht es nicht so schnell schlecht. –

6Welches Bewenden hat es mit den Kindern? – Wie in folgendem Falle. Das Töchterchen R. Ḥisdas saß auf dem Rockschoße ihres Vaters und Raba und Rami b. Ḥama saßen vor ihm. Da fragte er sie: Wen von ihnen willst du haben? Sie erwiderte: Beide. Da sprach Raba: mich nachher.

7R. Evdämi aus Hajpha sagte: Bevor ein Mensch gegessen und getrunken hat, hat er zwei Herzen, nachdem er aber gegessen und getrunken hat, hat er nur ein Herz, denn es heißt:ein Mensch, der nabub ist, hat Herzen, undnebub luhoth wird übersetzt: hohle Tafeln.

8R. Hona sagte im Namen R. Jehošua͑s: Wenn jemand an Wein gewöhnt ist, so öffnet der Wein sein Herz, selbst wenn es jungfräulich verschlossen ist, denn es heißt:der Most macht die Jungfrauen offen.

9R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Selbstverständlich ist es, daß man ihm den Erstgeborenenanteil und den Verhältnisanteil zusammenliegend gibt, wie verhält es sich aber mit einem Schwager?

10Abajje erwiderte: Es ist dasselbe, denn auch ihn nennt der Allbarmherzige einen Erstgeborenen. Raba erwiderte: Die Schrift sagt:es soll der Erstgeborene, er gleicht dem Erstgeborenen, nicht aber gleicht die Teilung der des Erstgeborenen.

11Einst kaufte jemand Ackerland an der Grenze seiner Schwiegereltern, und als sie später teilen sollten, sprach er: Gebt mir meinen Anteil an meiner Grenze. Da entschied Rabba: In einem solchen Falle übt man einen Zwang aus gegen sedomitische Art.

12R. Joseph wandte ein: Die anderen können ja sagen: Wir berechnen es ihm mit einem hohen Preise, gleich dem der Güter des Bar Marjon!? Die Halakha ist wie R. Joseph.

13In dem Falle, wenn zwei Grundstücke sich an zwei Gräben befinden, sagte Rabba, übe man Zwang aus gegen sedomitische Art. R. Joseph wandte ein: Es kann ja vorkommen, daß der eine austrocknet und der andere nicht!? Die Halakha ist wie R. Joseph.

14Wenn zwei sich an einem Graben befinden, so übe man, wie R. Joseph sagte, Zwang aus gegen sedomitische Art. Abajje wandte ein: Der andere kann ja sagen, er wünsche, daß es mehr Pächter sind!? Die Halakha ist aber wie R. Joseph, denn mit der Vermehrung [der Pächter] ist es nichts.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.